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Wo das Beten verboten ist

· Messe in Santa Marta ·

Heute gibt es mehr Märtyrer und verfolgte Christen als in den Anfangszeiten der Kirche. Das geht so weit, dass in einigen Ländern sogar das gemeinsame Gebet verboten ist. Über diese dramatische Realität sprach Papst Franziskus am Freitag Morgen, 4. April, in der Predigt der heiligen Messe in der Kapelle der Casa Santa Marta.

Der in der Liturgie verlesene Abschnitt aus dem Buch der Weisheit (2,1.12-22) offenbare, »wie das Herz der Gottlosen beschaffen sei, der Menschen, die sich von Gott entfernt haben und sich in diesem Fall der Religion bemächtigt haben«. Und welche »Haltung sie gegenüber den Propheten« an den Tag legen, was bis hin zur Verfolgung gehe. Es handle sich um Personen, die genau wüssten, dass sie es mit einem Gerechten zu tun hätten, sagte der Papst. Die Heilige Schrift gebe daher ihr Denken folgendermaßen wieder: »Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg.«

Auflauern, so erläuterte der Papst, das bedeute, »eine Arbeit der üblen Nachrede unter ihnen zu tun, Verleumdungen, Klatsch«. Und so verleumdeten sie »und bereiten ein wenig die Atmosphäre vor, um den Gerechten zu zerstören«. Denn sie könnten nicht akzeptieren, dass es einen Gerechten gebe, der, wie das Alte Testament es ausdrücke, »unserem Tun im Weg steht, der uns Vergehen gegen das Gesetz vorwirft, der uns des Verrats an unserer Erziehung beschuldigt«.

Diese Worte seien eine Beschreibung der Propheten, die »in der gesamten Heilsgeschichte« verfolgt worden seien. Jesus selbst, erinnerte der Papst, »hat dies zu den Pharisäern gesagt«, wie es »das berühmte 23. Kapitel des Matthäusevangeliums berichtet, das zu lesen uns gut tun wird«. Jesus werde sehr deutlich: »Eure Väter haben die Propheten umgebracht, ihr aber, um euch von der Schuld freizusprechen, um euch reinzuwaschen, errichtet den Propheten schöne Grabstätten!«

Wir stünden hier, so der Heilige Vater, vor einer »historischen Scheinheiligkeit«. Es sei eine Tatsache, dass »in der Heilsgeschichte, zur Zeit des Volkes Israel und auch in der Kirche, die Propheten immer verfolgt worden sind«. Denn der Prophet sei »ein Mensch, der sagt: Ihr habt einen falschen Weg eingeschlagen, kehrt zurück auf den Weg Gottes! Das ist die Botschaft eines Propheten«, eine Botschaft, die »denjenigen, die auf diesem falschen Weg die Macht haben, nicht gefällt«.

Auch Jesus sei verfolgt worden. Sie hätten ihn töten wollen, wie es das Evangelium vom Tage (Joh 7,1-2.10.25-30) offenbare. Und sicherlich »wusste er, was sein Ende sein würde«. Die Verfolgungen hätten sofort begonnen, als er »am Beginn seiner Verkündigung in seine Heimat zurückgekehrt ist, in die Synagoge geht und predigt«. Dann »sofort nach einer anfänglichen großen Bewunderung, beginnt« das Murren, wie das Evangelium berichte: »Von dem hier wissen wir, woher er stammt; wenn jedoch der Messias kommt, weiß niemand, woher er stammt.« Und alle hätten sich gefragt: »Mit welcher Vollmacht kommt er, um uns zu belehren? Wo ist er ausgebildet worden?«

Kurz gesagt, es ist dasselbe Verhalten wie immer: »Sie disqualifizieren den Herrn, sie disqualifizieren den Propheten, um ihn seiner Autorität zu berauben«. Das ist, als wolle man sagen: »Dieser Mann tut am Sabbat Wunder, aber am Sabbat darf man nicht arbeiten, folglich ist er ein Sünder! Er isst, er geht mit Sündern zu Tisch und ist kein Mann Gottes!« So »disqualifizieren sie Jesus«, weil er »hinausging und die Menschen aus diesem geschlossenen religiösen Umfeld, aus diesem Käfig herausließ«. Und »der Prophet kämpft gegen jene Menschen an, die den Heiligen Geist in einen Käfig sperren«. Eben deshalb »wird er stets verfolgt«. Die Propheten »werden alle verfolgt, missverstanden, beiseite geschoben: Man gibt ihnen keinen Platz«. Und das sei eine Realität, die »keineswegs mit dem Tod und der Auferstehung Jesu endete«, sondern »sie setzte sich in der Kirche fort«.

In der Tat gebe es in der Kirche »Menschen, die von außen und von innen verfolgt werden«. Die Heiligen selbst »sind verfolgt worden«. Tatsächlich, so bemerkte der Bischof von Rom, sehen wir uns mit viel »Unverständnis und vielen Verfolgungen« konfrontiert, »wenn wir die Heiligenviten lesen«. Denn da sie Propheten gewesen seien, hätten sie Dinge gesagt, die für »allzu hart« befunden worden wären.

So »wurden in der Kirche auch zahlreiche Denker verfolgt«. Und in diesem Zusammenhang versicherte Papst Franziskus: »Ich denke jetzt, in diesem Augenblick, an einen, der gar nicht so fern von uns ist: Einen Mann guten Willens, einen echten Propheten, der die Kirche in seinen Büchern dafür tadelte, dass sie sich vom Weg des Herrn entfernte. Er wurde unverzüglich vorgeladen, seine Bücher endeten auf dem Index, sie haben ihm den Lehrstuhl entzogen, und so endet, das ist noch nicht lange her, sein Leben. Inzwischen ist etwas Zeit vergangen, und jetzt ist er selig.« Aber wie – könnte man einwenden – »gestern war er ein Häretiker, und heute ist er selig?« Ja, »gestern wollten ihn die, die an der Macht waren, zum Schweigen bringen, weil das, was er sagte, nicht gefiel. Heute sagt die Kirche, die Gott sei Dank zur Reue fähig ist: Nein, dieser Mann ist gut! Mehr noch, er ist auf dem Weg der Heiligkeit: er ist selig«.

Die Geschichte bezeugt also, dass »alle Menschen, die der Heilige Geist dazu auserwählt, dem Volk Gottes die Wahrheit zu sagen, Verfolgungen erleiden«. Und der Papst erinnerte an dieser Stelle an »die letzte der Seligpreisungen Jesu: ›Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen verfolgt werdet‹«. »Jesus ist geradezu ihr Modell, ihre Ikone: der Herr hat viel gelitten, er ist verfolgt worden«; und dadurch »hat er alle Verfolgungen seines Volkes auf sich genommen«.

Aber »auch heute noch werden die Christen verfolgt«, warnte Papst Franziskus. So sehr, dass »ich zu sagen wage«, so bekräftigte er, »dass es heutzutage vielleicht ebenso viele oder gar noch mehr Märtyrer gibt als im frühen Christentum«. Und sie wurden deshalb verfolgt, »weil sie dieser weltlichten Gesellschaft, dieser ruhigen Gesellschaft, die keine Probleme haben will, die Wahrheit sagen und Jesus Christus verkündigen«. »Heute gibt es« wirklich »sehr viel Verfolgung«.

Heute gebe es sogar in einigen Teilen der Welt »die Todesstrafe, das Gefängnis dafür, das Evangelium im Haus zu haben, dafür, den Katechismus zu lehren«, betonte der Papst, der dann den Zuhörern anvertraute: »Ein Katholik aus einem dieser fernen Länder hat mir gesagt, dass sie nicht zusammen beten dürfen: es ist verboten! Man kann nur einzeln und im Verborgenen beten«. Wenn sie die Messe feiern wollen, organisieren sie »eine Geburtstagsfeier, sie tun so, als feierten sie einen Geburtstag , und da feiern sie vor dem Fest die Messe«. Und wenn sie, wie »geschehen ist, sehen, dass die Polizisten kommen, dann verstecken sie schnell alles und machen mit dem Fest weiter«, mit »viel Glück und alles Gute«, und dann, wenn die Polizisten »gehen, feiern sie die Messe zu Ende«. Und das ist es, was »sie tun müssen, denn es ist verboten, zusammen zu beten«.

In der Tat, so betonte der Papst, daure »diese Geschichte der Verfolgungen, des mangelnden Verständnisses« seit »den Zeiten der Propheten bis heute« an. Das sei im Übrigen auch »der Weg des Herrn, der Weg derer, die dem Herrn nachfolgen«. Ein Weg, der »stets so endet wie beim Herrn, mit einer Auferstehung, aber über das Kreuz«. Der Papst empfahl also, »keine Angst vor den Verfolgungen zu haben, vor dem Unverständnis«, auch wenn man durch sie »immer viele Dinge verliert«.

Für die Christen »wird es stets Verfolgungen und Unverständnis geben«. Aber man müsse ihnen in der Gewissheit begegnen, dass »Jesus der Herr ist und dass das das Kreuz und die Herausforderung unseres Glaubens ist«. Daher, so empfahl der Heilige Vater, »schauen wir, wenn etwas in unserer Gemeinschaft oder in unserem Herzen geschieht, auf den Herrn und denken« an die Worte aus dem Buch der Weisheit, die über die Fallen sprechen, die die gottlosen den frommen Menschen stellen. Und er schloss damit, den Herrn um »die Gnade« zu bitten, »seinem Weg zu folgen und, wenn dies geschehen sollte, auch unter dem Kreuz der Verfolgung«.

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9. Dezember 2019

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