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Wie ein Sandkorn

· Santa Marta 06-04-2017 ·

Jeder Christ sollte einen Tag dem »Gedächtnis« widmen, um seine persönliche Geschichte Revue passieren zu lassen und sie in die Geschichte eines Volkes einzugliedern: »Ich bin nicht allein, ich bin ein Volk«, »ein von Gott geträumtes Volk«. Das ist es, wozu Papst Franziskus während der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 6. April, aufforderte.

Der Papst ging vom Wortgottesdienst aus, der die Gestalt des Abraham vorlegt, des Vaters im Glauben, und machte darauf aufmerksam, dass der Gläubige in der Fastenzeit oft ermutigt werden solle, »ein wenig einzuhalten und nachzudenken«. Es ist kein Zufall, dass die beiden Lesungen des Tages (Gen 17, 3-9; Joh 8, 51-59) sagen: »Halte ein. Halte ein wenig ein. Denk an deinen Vater«. Und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht Abraham.

In der ersten Lesung nämlich »ist die Rede von jenem Dialog Gottes mit Abraham, als Gott den Bund mit ihm schließt«, und im Evangelium nennen ihn Jesus und die Pharisäer »Vater«, da er »der ist, der begann, dieses Volk zu zeugen, das heute die Kirche ist, das wir sind: ein aufrechter Mann«. Indem wir also die Einladung der Schrift aufnehmen, fügte der Papst hinzu, »wird es uns gut tun, an unseren Vater Abraham zu denken«.

Was sind die grundlegenden Aspekte der Geschichte Abrahams, deren Gedächtnis wichtig ist? Vor allem »gehorchte er, als er gerufen wurde, zu gehen, und in ein anderes Land zu gehen, das er als Erbe empfangen sollte«. Abraham also »hatte Vertrauen«. Er gehorchte. Und er ging weg, ohne zu wissen, wohin er geht. Er war also ein »Mann des Glaubens, ein Mann der Hoffnung«. Im Alter von hundert Jahren und mit einer unfruchtbaren Frau »glaubte er, als ihm gesagt wird, dass er einen Sohn haben sollte«. Er glaubte »gegen jede Hoffnung. Das ist unser Vater«, hob Franziskus hervor und fügte hinzu: »Wenn jemand versuchen wollte, das Leben des Abrahams zu beschreiben, dann könnte er sagen: ›Das ist ein Träumer‹«. Aber aufgepasst: Abraham »war nicht verrückt«, seine Traum war »der Traum der Hoffnung«.

Diese Identität wird auch in der Folge bestätigt: »Auf die Probe gestellt, nachdem er den Sohn gehabt hatte, als dieser ein Junge, ein Heranwachsender war, wurde ihm geheißen, ihn als Opfer darzubringen: er gehorchte und ging hin, gegen jede Hoffnung«. Und das also ist »unser Vater Abraham«: einer, »der weiter geht, weiter und weiter«. Im Evangelium sagt Jesus: Abraham »jubelte, weil er meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich«. Der Papst erläuterte: er hatte die Freude, »die Fülle der Verheißung des Bundes zu sehen, die Freude zu sehen, dass Gott ihn nicht getäuscht hatte, dass Gott immer treu zu seinem Bund steht«. Und auch heute sind die Gläubigen aufgerufen, zu tun, was der Antwortpsalm (105) anzeigt: »Denkt an die Wunder, die er getan hat, an seine Zeichen und die Beschlüsse aus seinem Mund«. Denn alle Christen sind »Nachkommen Abrahams«. Und es ist dies, so Franziskus, »als dächten wir an unseren verstorbenen Vater: an den Papa denken, an die guten Dinge des Vaters«. So können wir uns auch daran erinnern, wie »großartig« »unser Vater Abraham« gewesen war.

Die Größe des Patriarchen wurde auf einen »Bund« mit Gott gegründet. »Seitens Abrahams«, hob der Papst hervor, sei da »der Gehorsam gewesen: er gehorchte immer«. Seitens Gottes eine Verheißung: »Das ist mein Bund mit dir. Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham – Vater der Menge – wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt«. Und Abraham glaubte.

Der Papst ging auf die Schönheit und Größe der Verheißung Gottes ein, der zu Abraham sagte, der »kinderlos und hundert Jahre alt war, mit einer unfruchtbaren Frau«: »Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen; Könige werden von dir abstammen«. Und in einem anderen Dialog dann: »›Hör zu, schau, schau auf den Himmel: kannst du die Sterne zählen?‹ - ›Ach nein, unmöglich...‹ – ›So werden deine Nachkommen sein. Schau auf den Strand des Meeres: kannst du ein jedes der Sandkörner zählen?‹ – ›Aber das ist doch unmöglich!‹ – ›So wird seine Nachkommenschaft sein‹«.

Indem Franziskus dann zum Gedächtnis im alltäglichen Leben überging, unterstrich er: »Heute halten wir im Gehorsam gegenüber der Einladung der Kirche ein und können wahrhaftig sagen: ›Ich bin einer dieser Sterne. Ich bin ein Sandkorn‹«.

Doch das Band mit Abraham, so der Papst weiter, erschöpft die Identität des Christen nicht: »Wir sind Kinder Abrahams, doch vor Abraham ist da ein anderer Vater. Und vor uns ist da ein anderer Sohn. Und in unserer Geschichte, zwischen unserem Vater Abraham und uns, liegt eine andere Geschichte, die große Geschichte, die Geschichte des himmlischen Vaters und Jesu«. Das ist der Grund, so der Papst, weshalb Jesus im Abschnitt aus dem Evangelium »den Pharisäern und Gesetzeslehrern antwortete: ›Abraham jubelte, weil er meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich‹«. Gerade das ist »die große Botschaft. Heute lädt die Kirche ein, einzuhalten, auf unsere Wurzeln zu blicken, auf unseren Vater zu blicken, der aus uns ein Volk gemacht hat, Himmel voller Sterne, Strände voller Sandkörner«. Jeder Christ also ist eingeladen, »auf die Geschichte zu blicken« und sich bewusst zu werden: »Ich bin nicht allein, ich bin ein Volk. Wir gehen gemeinsam. Die Kirche ist ein Volk. Aber ein Volk, das Gott geträumt hat, ein Volk, das einen Vater über die Erde gegeben hat, der gehorchte, und wir haben einen Bruder, der sein Leben für uns hingegeben hat, um aus uns ein Volk zu machen«. Ausgehend von diesem Bewusstsein »können wir auf den Vater blicken, ihm danken; auf Jesus blicken, ihm danken; und auf Abraham und uns blicken, die wir Teil des Weges sind«.

Am Schluss seiner Betrachtung empfahl der Papst ein praktisches Engagement: »Wir wollen den heutigen Tag zu einem Tag des Gedenkens machen«, um zu begreifen, wie da »in dieser großen Geschichte, im Rahmen Gottes und Jesu, die kleine Geschichte eines jeden von uns ist«. Deshalb, fügte er hinzu, »lade ich euch ein, euch heute fünf, zehn Minuten Zeit zu nehmen, euch hinzusetzen, ohne Radio, ohne Fernsehen; sitzen, und an die eigene Geschichte denken: an die Segnungen und an die Schwierigkeiten: alles. An die Gnaden und die Sünden: alles«. Ein jeder wird in diesem Gedenken »der Treue jenes Gottes begegnen können, der seinem Bund treu geblieben ist, der seiner Verheißung treu geblieben ist, die er Abraham gemacht hatte, der dem Heil treu geblieben ist, das er in seinem Sohn Jesus verheißen hat«.

So der Papst abschließend: »Ich bin sicher, dass wir, wenn wir dies heute tun, inmitten aller hässlicher Dinge – denn wir alle habe solche, viele hässliche Dinge im Leben – die Schönheit der Liebe Gottes entdecken werden, die Schönheit seiner Barmherzigkeit, die Schönheit der Hoffnung, Und ich bin sicher, dass wir alle voller Freude sein werden«.

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