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Wie ein Priester sein muss

· Heilige Messe des Papstes in Santa Marta ·

Es ist »die Beziehung zu Jesus Christus«, die den Priester vor der Versuchung zur Weltlichkeit bewahrt, vor der Gefahr »salbungsvoll« zu werden, statt »gesalbt« zu sein, vor dem Götzendienst des »Gottes Narziss«. Denn der Priester kann »alles verlieren«, aber nicht seine Beziehung zum Herrn, denn dann hätte er den Menschen nichts mehr zu geben.

Mit eindringlichen Worten wandte sich Papst Franziskus direkt an die Priester. Er forderte sie in der am 11. Januar in Santa Marta gehaltenen Predigt zu einer Gewissenserforschung auf und stellte ihnen den Wert ihrer Salbung vor Augen.

Der Papst setzte die in den vergangenen Tagen begonnene Meditation über den ersten Johannesbrief fort. Er wies darauf hin, dass der in der Liturgie verlesene Abschnitt (5,5-13) »uns sagt, dass wir das ewige Leben haben, weil wir an den Namen Jesu glauben«. Das seien die Worte des Apostels: »Dies schreibe ich euch, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt; denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.«

Das sei eine Weiterentwicklung des am Vortag in der Liturgie verlesenen Verses: »Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.« Denn, so unterstrich der Papst, »unser Glaube ist der Sieg über den Geist der Welt. Unser Glaube ist dieser Sieg, der uns im Namen des Sohnes Gottes, im Namen Jesu vorangehen lässt.«

Diese Überlegungen führten den Heiligen Vater zu einer entscheidenden Frage: Wie steht es um unsere Beziehung zu Jesus? Eine wirklich grundlegende Frage, »denn in unserer Beziehung zu Jesus wird unser Sieg stark«. Eine »starke« Frage, bemerkte er, vor allem »für uns, die wir Priester sind: Wie ist meine Beziehung zu Jesus Christus?«

Der Papst erinnerte daran, dass »die Stärke eines Priesters in dieser Beziehung liegt«. Denn als »der Ruf Jesu sich immer mehr verbreitete, ging er zum Vater«. Lukas berichte im Tagesevangelium (5,12-16): »Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.« Als man immer mehr von Jesus gesprochen habe und »große Menschenmengen zu ihm kamen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden, ging er danach, um dem Vater zu begegnen«. Dies sei eine Haltung, so der Papst, die »der Prüfstein für uns Priester ist: gehen wir zu Jesus oder nicht?«

Daraus ergäben sich eine Reihe von Fragen, die der Papst für eine Gewissenserforschung vorschlug: »Welches ist der Platz Jesu Christi in meinem priesterlichen Leben? Ist es eine lebendige Beziehung des Schülers zum Meister, des Bruders zum Bruder, des armen Menschen zu Gott? Oder ist es eine etwas künstliche Beziehung, die nicht von Herzen kommt?«

»Wir werden gesalbt durch den Heiligen Geist«, lautete die Überlegung des Papstes, »und wenn ein Priester sich von Jesus Christus entfernt, dann ist er, statt gesalbt zu sein, nur noch salbungsvoll.« Und »wie viel Schaden fügen doch salbungsvolle Priester der Kirche zu! Diese Priester, die ihre Kraft für künstliche Dinge, für Eitelkeiten verschwenden«, andere, die »ein affektiertes Verhalten, eine gezierte Sprache an den Tag legen«. Und wie oft, so fügte er hinzu, »hört man die schmerzliche Bemerkung: aber das ist ein Priester«, der einem »Schmetterling« gleicht, und zwar deshalb, weil er »immer eitel ist« und »keine Beziehung zu Jesus Christus hat: er hat die Salbung verloren, er ist salbungsvoll.«

Mit all unseren Grenzen »sind wir doch gute Priester«, fuhr der Papst fort, »wenn wir zu Jesus Christus gehen, wenn wir den Herrn im Gebet suchen: in der Fürbitte, in der Anbetung«. Wenn wir uns aber »von Jesus Christus entfernen, dann müssen wir das mit anderen, weltlichen, Verhaltensweisen kompensieren«. Und so kommt es zu »all diesen Gestalten« wie etwa »dem geschäftstüchtigen Priester, dem Priester als Unternehmer«. Aber ein echter Priester, so bekräftigte der Papst mit Nachdruck, »betet Jesus Christus an, der Priester spricht mit Jesus Christus, der Priester sucht Jesus Christus und lässt zu, dass Jesus Christus ihn sucht. Das ist der Mittelpunkt unseres Lebens. Wenn das fehlt, dann verlieren wir alles! Und was können wir dann den Menschen noch geben?«

Anschließend wiederholte der Bischof von Rom einen Teil des Tagesgebets. »Wir haben darum gebetet, dass wir das Geheimnis, das wir feiern, das Wort, das in Jesus Christus unter uns Mensch geworden ist, immer tiefer erfassen. Wir haben um diese Gnade gebetet: darum, dass unsere Beziehung zu Jesus Christus, diese Beziehung als für sein Volk Gesalbte, in uns wachsen möge.«

»Es ist schön, Priestern zu begegnen«, so bemerkte der Papst, »die als Priester ihr Leben hingegeben haben.« Priester, über die die Menschen sagen: »Aber ja, er hat einen schwierigen Charakter, er hat dies und jenes, aber er ist ein Priester! Und die Leute haben ein Gespür für so etwas!« Wenn es sich hingegen um »Priester« handle, die, »um es in einem Wort zu sagen, ›Götzendiener‹ sind, die, statt Jesus zu haben, kleine Götzen haben – so sind beispielsweise einige dem Gott Narziss ergeben –, dann sagen die Leute, wenn sie diese sehen: arme Wichte!« Folglich sei es gerade »die Beziehung zu Jesus Christus«, so versicherte der Papst, die uns »vor der Weltlichkeit und vor dem Götzendienst, die uns salbungsvoll machen«, rette und die uns in der »Salbung« bewahre.

So schloss Papst Franziskus, direkt an die Anwesenden – darunter auch eine Gruppe von Priestern aus Genua unter der Führung von Angelo Kardinal Bagnasco – gewandt, mit den folgenden Worten: »Und heute wünsche ich euch, die ihr so freundlich wart, herzukommen, um gemeinsam mit mir diese Messe zu feiern, dieses: Verliert alles im Leben, nicht aber diese Beziehung zu Jesus Christus. Das ist euer Sieg. Und damit macht weiter!«

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13. Dezember 2019

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