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Wie brennender Weihrauch

· Messe in Santa Marta ·

Im vollen Bewusstsein der Tatsache, höchstpersönlich noch vor der Erschaffung der Welt erwählt worden zu sein, muss jeder einzelne Mensch die Bedeutung des Lobgebets auf Gott wiederentdecken. Unentgeltlich und voller Freude. In der Predigt, die er am Donnerstag, 16. Oktober, bei der Frühmesse in der Kapelle von Santa Marta hielt, entschied sich Papst Franziskus dafür, sich mit dem Thema der ersten Schriftlesung des Tages zu befassen, die aus dem berühmten Loblied auf den Heilsplan Gottes des heiligen Paulus, dem Incipit (den Eingangsworten) des Briefes an die Epheser (1,1-10), bestand. Einem wahren Lobausbruch: »Es hat den Anschein», so kommentierte er, »dass Paulus in den Zustand der Freude, einer ungeheuren Freude verfällt.«

Es handle sich um einen Gesang, der »gar nicht aufhören kann« und in dem der Apostel gleich dreimal das Wort »gesegnet« (bzw. »gepriesen«) verwende: »Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsre Gemeinschaft mit Christus im Himmel.« Aber der Papst machte darauf aufmerksam, dass »wir alle wissen, dass Gott der Gesegnete ist«: in der Tat sei das im Alten Testament »einer der Namen gewesen, den das Volk Israel ihm gab: der Gesegnete.« Es mute eigenartig an, daran zu denken, »Gott zu segnen«, denn »er ist der Gesegnete«.

In Wirklichkeit handle es sich hierbei im eine wichtige Geste, weil »ich, wenn ich Gott segne, Gutes über ihn sage und mich so verhalte wie Weihrauch, der verbrannt wird.« Und das Lobgebet sei eine Art von Gebet, »das wir nicht gerade regelmäßig sprechen«; und doch, so betonte Franziskus, sei es Jesus selbst gewesen, der uns gelehrt habe, »im Vaterunser so zu beten: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…«. Und es dürfe uns nicht seltsam vorkommen, uns mit diesen Worten gerade an den zu wenden, der »der Heilige ist«. Es gehe darum, so führte der Bischof von Rom aus, »der Freude im Lobgebet« Ausdruck zu verleihen, das »völlig unentgeltlich« sei. In der Tat seien wir für gewöhnlich »bestens dazu imstande, zu beten, wenn wir etwas erbitten«, und auch »wenn wir dem Herrn danken«; aber wir beteten weitaus weniger regelmäßig, um »den Herrn zu loben«.

Der Anstoß zu dieser Art von Gebet könne ein dringenderes Anliegen für uns werden, so empfahl der Papst, wenn wir »der Dinge gedenken, die der Herr in unserem Leben getan hat«, so wie der heilige Paulus, der in seinem Loblied erinnere: »in ihm« -– in Christus – »hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt«. Das also solle der Quell unseres Gebetes sein: »Gepriesen seist du, Herr, weil du mich erwählt hast!« Der Mensch müsse also »die Freude einer väterlichen und zärtlichen Nähe« spüren.

Dasselbe sei dem Volk Israel widerfahren, als es aus der babylonischen Gefangenschaft befreit worden sei, so erinnerte der Papst, indem er einige Verse des 126. Psalms zitierte – »Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel« – und beobachtete: »Denken wir an einen Mund voll Lachen: das ist das Lobgebet«, es sei der unmittelbare Ausdruck einer ungeheuren Freude, des »Glücklichseins vor dem Herrn.« Es sei eine Veranlagung des Herzens, die man nicht vergessen dürfe: »Unternehmen wir eine Anstrengung, um sie wiederzufinden«, so mahnte er, wobei er dazu aufforderte, gerade die Worte des 98. Psalms zu gebrauchen: »Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang! Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!«

Es sei überaus wichtig, sich zu erinnern, dessen zu gedenken, was der Herr für einen jeden von uns getan habe, »mit wie viel Zärtlichkeit er mich begleitet hat, wie er sich herabgeneigt hat, sich hingekniet hat«, gerade so wie ein Vater, der »sich mit dem Kinde hinkniet, um es laufen zu lehren«. Und, so betonte der Papst, er habe das »mit einem jedem von uns« getan.

»Alles ist ein Fest, alles ist Freude«, wenn jeder von uns – wie es der heilige Paulus selbst in seinen Worten an die Epheser bezeuge – sagen könne: »Der Herr hat mich erwählt vor der Erschaffung der Welt.« Genau das sei der »Ausgangspunkt«. Auch wenn, wie Franziskus präzisierte, »man nicht erfassen kann« und »es sich nicht vorstellen kann: dass der Herr mich noch vor der Erschaffung der Welt gekannt hat, dass mein Name bereits im Herzen des Herrn eingeschrieben stand.« Aber »das ist die Wahrheit, das ist die Offenbarung.« Und, so fügte der Papst hinzu, »wenn wir das nicht glauben, dann sind wir keine Christen.« Vielleicht, so erläuterte er, »wären wir dann durchtränkt mit einer theistischen Religiosität, aber wir wären keine Christen«, weil der Christ sich gerade dadurch auszeichne, dass er »ein Erwählter« sei.

Der Gedanke, von jeher im Herzen Gottes zu wohnen, »erfüllt uns mit Freude« und »verleiht uns Sicherheit«. Jene Sicherheit, die durch die Worte des Herrn an den Propheten Jesaja bestätigt würden, der sich die Frage gestellt hatte, ob diese Vorliebe jemals nachlassen könne: »Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht!« Gott trage einen jeden von uns in seinem »Schoß«, so »wie das Kind im Schoß seiner Mama ist.«

Diese Wahrheit, so vermerkte Franziskus, sei derartig groß und schön, dass man in Versuchung fallen könne, nicht daran zu denken, ihr auszuweichen, so sehr überrage sie uns. In der Tat »kann man sie nicht nur mit dem Verstand begreifen«, und »auch nicht nur mit dem Herzen«. Um sie uns zu eigen zu machen und sie zu leben, so erläuterte er, »müssen wir in das Mysterium Jesu Christi eindringen«, dessen, der »sein Blut im Überfluss für uns vergossen hat, in aller Weisheit und Intelligenz, und uns dadurch mit dem Geheimnis seines Willens bekannt gemacht hat.«

Daraus leite sich die dritte grundlegende Verhaltensweise des Christen ab, nach jener des Lobgebets und der Fähigkeit, uns zu erinnern. Der Christ sei dazu berufen, »in das Mysterium einzudringen«. Vor allem dann, wenn »wir die Eucharistie feiern«, weil man nicht völlig verstehen könne, »dass der Herr lebt, dass er bei uns ist, hier, in seiner Herrlichkeit, in all seiner Fülle, und dass er erneut sein Leben für uns gibt.«

Das, so schloss der Papst, sei ein Verhalten, das wir »jeden Tag neu erlernen« müssten, in einer jeden Tag neu zu unternehmenden Anstrengung, denn »man kann das Mysterium nicht kontrollieren: es ist das Mysterium! Man muss darin eintreten.«

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10. Dezember 2019

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