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Wie am Pfingsttag

Die Tatsache, dass die letzten von Franziskus im Heiligen Land gesprochenen Worte diejenigen waren, die er in der Predigt der heiligen Messe im Abendmahlssaal gesagt hat, ist von tiefer Bedeutung und enthält eine Verpflichtung. Denn eine alte Tradition identifiziert diesen einfachen und beeindruckenden Raum, dessen jetzige Form aus dem Mittelalter stammt, mit dem kleinen Saal, in dem Christus zum letzten mal mit den Seinen gegessen hat und wo fünfzig Tage nach jenem Pascha-Mahl der Heilige Geist auf Maria und die Apostel herabgekommen ist und so den Weg der Kirche in Gang gesetzt hat.

Im Abendmahlssaal hat der Papst mit den Bischöfen des Heiligen Landes konzelebriert – die in diesen drei Tagen immer an seiner Seite waren –, um auch auf diese Weise die Gemeinschaft zwischen Rom und den katholischen Gemeinschaften unterschiedlicher Riten deutlich zu machen, die zum Teil unter sehr schwierigen Bedingungen leben, aber lebendig bleiben. Und Franziskus hat erneut eine Kirche angemahnt, die hinausgeht nach dem Beispiel der Apostel, die von dem Ort, wo sie mit Maria vereint waren, aufgebrochen sind, um die Taten Gottes zu verkünden.

Dieses Gedenken ist die Grundlage der Sendung der Kirche, die die beständige Sorge des Papstes darstellt, wie es auch die Pressekonferenz auf dem Rückflug bestätigt hat. Gerade der Bezug auf Gott verbindet wie ein roter Faden diese Reise, die dicht gefüllt war mit Zeichen, die dazu bestimmt sind, im Gedächtnis vieler und nicht nur der Gläubigen eingeprägt zu bleiben: Franziskus, der seine Hand in das Wasser des Jordans taucht, bevor er die palästinensischen, irakischen und syrischen Flüchtlinge umarmt; das Gebet an der Mauer, die Bethlehem durchtrennt; das Gedenken an die Opfer des Terrorismus und das Niederbeugen, um die Hände derer zu küssen, die das unaussprechliche Gewitter der Shoah überlebt haben.

Zeichen, die ganz klar die »päpstliche Politik« zum Ausdruck bringen, die Partei ergreift für jeden leidenden Menschen und die Paul VI. in einer wenige Wochen nach seiner Wahl niedergeschriebenen Meditation als »immer über das Wohl des anderen wachende Initiative« bezeichnet hat. Das haben die weisesten Führungspersönlichkeiten der Region verstanden, die während der Reise übereinstimmend die moralische Autorität des Papstes anerkannt und sich an ihn gewandt haben mit der Bitte um einen Versuch, eine immer unerträglicher werdende Situation zu überwinden. So entstand der Gedanke, Mahmoud Abbas und Shimon Peres in den Vatikan einzuladen, um den Gott des Friedens anzurufen.

Und gerade das Gebet, jenes, das Jesus die Seinen gelehrt hat, ist es, das es erlaubt, wirklich in den Geist der Reise des Papstes einzutreten und die vielleicht expressivsten Momente der Pilgerreise in Verbindung zu bringen. Das von Franziskus in spanischer Sprache – wie er es von seiner Mutter gelernt hat, so erklärte er – auf einen Zettel geschriebene und in der Klagemauer hinterlassene Vaterunser wurde in der Grabeskirche vom Bischof von Rom gemeinsam mit dem Bischof von Konstantinopel gesprochen. Von zwei Brüdern, die sich umarmt haben in Erinnerung und Wiederholung der Begegnung zwischen Athenagoras und Paul VI. in Jerusalem vor einem halben Jahrhundert.

In einer einfachen festlichen Liturgiefeier haben der Bischof von Rom und der Bischof von Konstantinopel nach der Verkündigung des Evangeliums in griechischer und lateinischer Sprache das Vaterunser auf Italienisch gebetet, das anschließend alle Anwesenden laut beteten, jeder in seiner eigenen Sprache. In einer Mischung, die kein Durcheinander ist, sondern vielmehr Feier des einen Gottes, Freund der Menschen, in der Verschiedenheit– wie an Pfingsten.

Giovanni Maria Vian

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23. Juli 2019

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