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Wer ist Jesus für uns?

· Messe in Santa Marta ·

»Es wird eine gute Angewohnheit sein, wenn wir jeden Tag, zu einem bestimmten Zeitpunkt, sagen könnten: ›Herr, lass mich dich erkennen und lass mich mich selbst erkennen‹ und so weitergehen«. Dies war die Anregung von Papst Franziskus bei der Messe am 25. Oktober in Santa Marta. Wir bräuchten keine »Christen nur dem Namen nach«, die das Glaubensbekenntnis »wie ein Papagei« aufsagten, sagte der Papst und lud ein, die Erfahrung zu leben, sich ernsthaft als Sünder zu fühlen.

»Wenn jemand uns fragt«, so begann Franziskus, »›Wer ist Jesus Christus?‹, werden wir sicherlich sagen, was wir in der Katechese gelernt haben, dass er gekommen ist, um die Welt zu retten, wir werden die wahre Lehre über Jesus sagen: Er ist der Retter der Welt, der Sohn des Vaters, Gott, Mensch, das, was wir im Glaubensbekenntnis beten«. Doch »es wird etwas schwieriger sein, die Frage zu beantworten: ›Das ist wahr, aber wer ist Jesus Christus für dich?‹« Und das sei eine »Frage«, die uns »etwas in Verlegenheit bringt, weil ich nachdenken und zu meinem Herzen vordringen muss, um die Antwort zu geben«.

Also, so der beharrte Papst erneut, »wer ist Jesus Christus für mich? Was ist das für eine Kenntnis von Jesus Christus, die ich habe? Wenn ich sage, dass Jesus Christus für mich der Erlöser ist, so trifft das zu, aber jeder von uns muss auch aus dem Herzen heraus antworten, was er von Jesus Christus weiß und spürt, denn wir alle wissen, dass er der Erlöser der Welt ist, dass er der Sohn Gottes ist, der in die Welt gekommen ist, um uns zu retten, und wir können auch viele Stellen des Evangeliums anführen«.

Doch die direkte Frage bleibe: Aber »wer ist Jesus Christus für mich?« Genau »das ist die Arbeit des Paulus«, erklärte Franziskus in Bezug auf die erste Lesung aus dem Brief an die Epheser (3,14-21) und wies darauf hin, dass der Apostel »diese Unruhe in sich trägt, seine eigene Erfahrung von Jesus Christus zu vermitteln«. In der Tat, betonte Franziskus, Paulus »kannte Jesus Christus nicht dadurch, dass er mit theologischen Studien angefangen hätte; dann ging er, um zu sehen, wie Jesus Christus in der Schrift angekündigt worden war«. Vielmehr »lernte er Jesus Christus aus eigener Anschauung kennen, als er vom Pferd fiel, als der Herr direkt zu seinem Herzen sprach«. Und »das, was Paulus spürte, will er, dass auch wir Christen verspüren«.

Wenn es möglich wäre, Paulus zu fragen: »Wer ist Christus für dich?«, dann würde er »einfach seine eigene Erfahrung erzählen: ›Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben‹«. Aber Paulus »ist mit Christus verbunden, der für ihn bezahlt hat«, und »Paulus will, dass die Christen – in diesem Fall die Christen von Ephesus – diese Erfahrung machen, dass sie diese Erfahrung bis zu dem Punktmachen, wo jeder sagen kann: ›Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben‹«. Aber es sei wichtig, »es aus eigener Erfahrung zu sagen«, so der Rat des Papstes.

Franziskus wollte dann noch einmal einen Abschnitt aus dem Brief an die Epheser lesen, der als erste Lesung unterbreitet worden war: »Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet. So sollt ihr mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen – darauf zielt Paulus ab – und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr erfüllt werden in die ganze Fülle Gottes hinein«.

»Paulus möchte uns alle zu dieser Erfahrung hinführen«, erklärte der Papst, weil es »die Erfahrung ist, die er von Jesus Christus gemacht hat: die Begegnung mit Jesus Christus hat ihn dazu gebracht, dieses so Große zu verstehen«.

Doch »wie können wir dahin kommen, welches ist der Weg?«, lautete die vom Papst aufgeworfene Frage. Soll ich vielleicht, so ergänzte er, »viele Male das Glaubensbekenntnis aufsagen? Ja, aber das ist nicht gerade der beste und richtige Weg, um zu dieser Erfahrung zu gelangen: das wird helfen, aber es ist nicht der richtige Weg«. Denn, so bekräftigte Franziskus: »Wenn Paulus sagt, dass Jesus sich für ihn hingeben hat, dass er für ihn gestorben ist, dann will er sagen, dass ›er für mich bezahlt hat‹, und er erzählt oft in seinen Briefen seine eigene Erfahrung: ›Ich war ein Sünder‹, ›Ich habe die Christen verfolgt‹«.

Um dies zu tun, fuhr der Papst fort, »geht er von seiner eigenen Sünde aus, von seiner sündhaften Existenz, und die erste Definition, die Paulus von sich selbst gibt, ist ›Sünder‹: auserwählt aus Liebe, aber Sünder«. Kurz, »der erste Schritt bei der Erkenntnis Christi, um in dieses Geheimnis einzutreten, ist die Erkenntnis der eigenen Sünde, der eigenen Sünden«.

»Wir alle nähern uns dem Sakrament der Versöhnung und sagen unsere Sünden«, fuhr Franziskus fort; »aber es ist ein Ding, die Sünden zu sagen, die Sünden anzuerkennen, und ein anderes ist es, sich selbst als ›Sünder‹ zu erkennen, als Sünder ›von Natur aus‹, der fähig ist, alles zu begehen«. Also: »sich selbst als Schmutz zu erkennen«. Und «Paulus hat diese Erfahrung gemacht«.

Daher bedürfe es des Bewusstseins, dass »der erste Schritt zur Erkenntnis Jesu Christi die Erkenntnis des eigenen Elends ist, das erlöst werden muss, das jemanden braucht, der zahlt: der für das Recht zahlt, sich ›Kinder Gottes‹ zu nennen«. In Wirklichkeit, erklärte der Papst: »sind wir es alle, aber«, um es »zu sagen, um es zu spüren, bedurfte es des Opfers Christi, und Paulus geht mit diesen religiösen Erfahrungen weiter, die er hat, eine nach der anderen, durch das Gebet und die Liebe«.

So bestehe also »der erste Schritt« darin, »sich selbst als Sünder zu erkennen, aber nicht theoretisch, sondern in der Praxis«. Zu sagen, »Ich habe begonnen, dies zu tun, ich bin stehen geblieben, aber wenn ich weiter auf diesem Weg gegangen wäre, dann wäre es mir schlecht, sehr schlecht ergangen«, das sei »die Wurzel der Sünde, die dich vorwärts bringt«. Also, »der erste Schritt ist das: sich selbst als Sünder zu erkennen und sich selbst sein Elend einzugestehen, sich seiner selbst zu schämen: das ist der erste Schritt«.

»Der zweite Schritt, um Jesus zu kennen, ist die Kontemplation, das Gebet«, sagte der Papst und schlug die einfache Anrufung vor: »Herr, lass mich dich erkennen«. Und er fügte hinzu: »Es gibt ein schönes Gebet, das Gebet eines Heiligen: ›Herr, lass mich dich erkennen und lass mich mich selbst erkennen‹«. Es gehe darum, »sich selbst zu erkennen und Jesus zu erkennen«. Und »hier ist diese Beziehung des Heils gegeben: das Gebet«, wiederholte der Papst erneut und forderte dazu auf, »sich nicht damit zufrieden zu geben, drei, vier richtige Worte über Jesus zu sagen«, denn »Jesus zu kennen ist ein Abenteuer, aber im Ernst ein Abenteuer, kein Abenteuer wie für kleine Kinder«.

Jesus zu kennen, fuhr der Papst fort, »ist ein Abenteuer, das dich dein ganzes Leben trägt, weil die Liebe Jesu grenzenlos ist«. Paulus erinnere daran in seinem Brief an die Epheser: »die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen« sei ein Ausdruck, der in der Tat anzeige, dass »sie grenzenlos ist«. Aber »nur mit Hilfe des Heiligen Geistes können wir diese finden: das ist die Erfahrung eines Christen«. Und »Paulus selbst sagt es: ›Er hat die Macht, die unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken können. Er hat die Macht, es zu tun‹«. Doch »wir müssen darum bitten: ›Herr, lass mich dich erkennen; lass es so sein, dass, wenn ich von dir spreche, ich nicht Worte wie ein Papagei aufsage, dass ich Worte sage, die aus meiner Erfahrung stammen‹, und dass ich wie Paulus sagen kann: ›Er hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben‹, und dass ich es mit Überzeugung sage. Gerade das ist unsere Kraft, das ist unser Zeugnis«.

»Christen nur dem Namen nach: davon haben wir viele; auch wir sind viele Male so«, warnte Franziskus. Doch »das ist keine Heiligkeit: Heiligkeit heißt, Christen zu sein, die im Leben das wirken, was Jesus lehrte und was Jesus im Herzen aussäte«. Um dies zu tun, sei es notwendig, »Jesus mit jener Kenntnis zu kennen, die keine Grenzen hat: die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe, alles«.

Der »erste Schritt«, so wiederholte der Papst, bleibe, »sich selbst als Sünder zu erkennen: ohne diese Erkenntnis und auch ohne dieses innere Bekenntnis, dass ich ein Sünder bin, können wir nicht weitergehen«. Dann sei der »zweite Schritt das Gebet zum Herrn, dass er uns mit seiner Macht das Geheimnis Jesu erkennen lasse, das das Feuer ist, das er auf die Erde gebracht hat«.

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13. Dezember 2019

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