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Wer feiert, weil es Krieg gibt

· Wer feiert, weil es Krieg gibt ·

Es hat wenig Sinn, schockiert zu sein über die Millionen von Toten des Ersten Weltkriegs, wenn man nicht auch über die Toten der vielen Kleinkriege unserer Tage schockiert ist. Und dabei handelt es sich um Kriege, die den Hungertod unzähliger Kinder in den Flüchtlingslagern verursachen, während die Waffenhändler Feste feiern. Während der Messe, die der Papst am Dienstag, 25. Februar, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte, appellierte er dafür, den Kriegen, die nach wie vor die Erde mit Blut beflecken, nicht gleichgültig gegenüber zu stehen.

Die Anregung hierfür boten ihm die beiden Schriftlesungen zum Tage, die dem Jakobusbrief (4, 1-10) und dem Markusevangelium (9, 30-37) entnommen waren. Gerade die Lesung aus dem Letzteren, so erläuterte der Papst, sei dazu angetan, uns besonders nachdenklich zu machen. Dort wird berichtet, wie die Jünger »untereinander diskutierten« und sogar auf offener Straße »miteinander stritten. Und sie taten dies, um zu klären, wer von ihnen der Größte sei: aus Ehrgeiz«. Da nun »ein oder zwei von ihnen die Größten sein wollten, fingen sie diese Diskussion an: den Streit«. Auf diese Weise, so erläuterte der Papst, »entfernte sich ihr Herz«. Die Jünger hatten »Herzen, die sich entfernt hatten«, und »wenn die Herzen sich entfernen, dann brechen Kriege aus«. Gerade das, so betonte er, sei die Quintessenz der »Katechese, die uns der Apostel Jakobus heute anbietet«, indem er in seinem Brief diese direkte Frage stellt: »Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten?«

Das seien Worte, die aufgrund ihrer Aktualität »zum Nachdenken anregen«. In der Tat, so merkte der Papst an, »finden wir alltäglich Kriege, wenn wir Zeitung lesen«. Und wir lesen, dass »sich die Menschen an diesem Ort in zwei Lager gespalten haben« und dass es »fünf Tote« gegeben habe, an einem anderen Ort habe es weitere Todesopfer gegeben und so weiter. Das geschähe so oft, dass mittlerweile »die Toten zu einem Teil einer alltäglichen Buchführung geworden zu sein scheinen«. Und wir hätten uns »daran gewöhnt, über diese Dinge zu lesen«. Wenn wir deshalb »nur die Geduld aufbrächten, alle Kriege aufzulisten, die weltweit in diesem Augenblick geführt werden, dann würden wir sicherlich viele Blätter füllen«.

Mittlerweile »hat es den Anschein, dass sich der Geist des Krieges unser bemächtigt habe«. So »finden Gedenkveranstaltungen statt, um des hundertsten Jahrestags des Ausbruchs jenes großen Krieges zu gedenken«, der »viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat«, und »alle sind schockiert«; und doch ereigne sich auch heute noch »dasselbe: statt eines einzige großen Krieges fänden »überall kleine Kriege« statt. Es gebe »gespaltene Völker«, die »sich, um das jeweilige Eigeninteresse zu schützen, umbringen, sie töten sich gegenseitig«.

»Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern«, fragt sich Jakobus. Die Antwort des Papstes lautete: Ja!, der Krieg entstehe »im Innern«. Denn »die Kriege, der Hass, die Feindschaft können nicht auf dem Markt erstanden werden. Sie sitzen hier, im Herzen«. Und er erinnerte daran, dass »wir alle schockiert waren, als man uns in unserer Kindheit im Katechismusunterricht die Geschichte von Kain und Abel erläuterte: er hat seinen Bruder getötet, aber das ist völlig unverständlich!« Und doch »töten sich auch heute viele Millionen von Brüdern, sie töten sich gegenseitig. Aber wir sind daran gewöhnt!« So »schockiert uns der große Krieg des Jahres 1914«, während »dieser große Krieg, der ein bisschen überall stattfindet, der ein wenig – möchte ich sagen – im Verborgenen erfolgt, uns nicht schockiert«. Und indessen »sterben unzählige Menschen für ein Stückchen Land, für eine Ambition, für einen Hass, für eine Eifersucht, die rassistisch bedingt ist. Es sterben Viele!«

»Der Kampf der Leidenschaften«, so fuhr der Papst fort, »führt uns in den Krieg, bringt uns zum Geist der Welt«. So »befinden wir uns für gewöhnlich angesichts eines Konflikts in einer eigenartigen Lage«, die uns dazu drängt, »weiterzumachen, um ihn durch Auseinandersetzungen zu lösen, mit dem Vokabular des Krieges«. Dabei sollte eigentlich »das Vokabular des Friedens« triumphieren. Und was seien die Folgen? Die Antwort des Papstes fiel ganz eindeutig aus: »Denkt an die hungernden Kinder in den Flüchtlingslagern: denkt an nichts anderes als das! Das ist die Frucht des Krieges!« Aber seine Reflexion ging noch weiter. Und er fügte hinzu: »Und wenn ihr wollt, dann denkt an die großen Salons, an all die Feste, die diejenigen feiern, die die Herren der Waffenindustrie sind, die die Waffen herstellen«. Die Konsequenzen des Krieges seien folglich auf einer Seite »das kranke Kind, das in einem Flüchtlingslager darbt«, und auf der anderen Seite »die großen Feste« und das schöne Leben, das die Waffenfabrikanten führen.

»Aber was geht in unserem Herzen vor?«, fragte sich der Papst, indem er den dem Jakobusbrief zugrundeliegenden Gedanken wieder aufgriff. »Der Rat, den uns der Apostel erteilt«, so sagte er, » ist ganz einfach: ›Sucht die Nähe Gottes, dann wird er sich euch nähern‹«. Ein Rat, der jeden einzelnen von uns angehe, denn dieser »Geist des Krieges, der uns von Gott entfernt, herrscht nicht nur fern von uns«, sondern »er herrscht auch bei uns zuhause«. Was beispielsweise die unzähligen »Familien« demonstrieren, die »zerstört werden, weil Vater und Mutter unfähig sind, den Weg des Friedens zu finden und den Krieg vorziehen, den Rechtsstreit«. »Der Krieg zerstört« tatsächlich.

Dies war der Grund, weshalb Papst Franziskus dazu einlud, »für den Frieden zu beten«. Für jenen »Frieden, der nunmehr nur noch ein Wort zu sein scheint und weiter nichts«. Beten also, »damit dieses Wort wieder Handlungsfähigkeit erhalte«. Beten und dem Rat des Apostels Jakobus folgen, der empfahl, »euer Elend« einzugestehen. Eben aus diesem Elend, so warnte der Papst, »entstehen die Kriege: die Kriege in den Familien, die Kriege in den Stadtvierteln, die Kriege überall«.

Die Worte des heiligen Jakobus weisen den Weg zum wahren Frieden. Im Brief des Apostels steht zu lesen: »Klagt und trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer, eure Freude in Betrübnis«. Starke Worte, die der Papst kommentierte, indem er anregte, eine Gewissensprüfung vorzunehmen: »Wer von uns hat geweint, als er bei der Lektüre einer Zeitung oder im Fernsehen jene Bilder so vieler Toter gesehen hat?«

Das also ist es, was Papst Franziskus zufolge »heute – ja, heute, am 25. Februar, heute! – ein Christ angesichts so vieler Kriege überall auf der Welt tun muss«: er müsse sich, wie Jakobus schreibt, »dem Herrn unterwerfen«; er müsse »klagen und trauern und weinen«. Der Papst schloss seine Meditation über den Frieden mit einer Anrufung des Herrn ab, mit der Bitte, er möge »uns das verstehen lassen« und uns davor retten, »uns an Nachrichten über Kriege zu gewöhnen«.

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9. Dezember 2019

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