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Wenn man die Schwachen beleidigt

· ​Messe in Santa Marta ·

Den Schwächeren angreifen und verachten, weil er ein Fremder oder Behinderter ist, ist »eine Spur der Erbsünde« und des »Werkes Satans«. Und es ist beeindruckend, festzustellen, dass es heute auch in den Schulen zu schweren Episoden von Mobbing kommt, und deren Protagonisten sind Kinder und Jugendliche. In der Messe, die Papst Franziskus am Montag, den 8. Januar, in Santa Marta feierte, forderte er, der Grausamkeit und Bosheit nicht nachzugeben, die Schwächeren anzufallen, denen man dagegen mit echtem Mitleid nahestehen müsse. Und er wollte auch eine anrührende persönliche Erinnerung aus der Zeit mitteilen, als er noch ein Kind in Buenos Aires war.

In der »ersten Lesung beginnt die Geschichte des Samuel«, merkte Franziskus sofort in seiner Predigt an, wobei er sich auf die Bibelstelle aus dem ersten Buch Samuel (1,1-8) bezog, »und da ist etwas, das Aufmerksamkeit erregt: dieser Mann, der der Vater Samuels sein sollte, ist ein Mann – er hieß Elkana – und hatte zwei Frauen. Eine hatte Kinder, die andere nicht. Und jene, die Kinder hatte – sie hieß Peninna; die andere hieß Hanna, die die Mutter des Samuel werden sollte – sie hatte keine, sie war unfruchtbar«. Doch Peninna, so der Papst, »statt ihr zu helfen oder sie zu trösten, ließ sie hart darunter leiden. Sie misshandelte und demütigte sie: ›Du bist unfruchtbar‹. Sie verhöhnte sie«.

»Dasselbe geschieht«, so stellte der Papst fest, »mit Hagar und Sara, den Frauen Abrahams, der Sklavin und der Ehefrau. Hagar hatte einen Sohn, Sara war unfruchtbar und Hagar beleidigte sie, sie misshandelte sie, sie machte sich über sie lustig. Denn sie verfügten nicht über jenen Reichtum, der ein Kind ist«. Und weiter: »Wir können, um nicht nur an die Sünden der Frauen zu denken, auch daran denken, wie Goliat, jener große Soldat, der alles hatte, alle Möglichkeiten des Sieges, der der stärkste war, als er David sah, diesen verachtete«. Praktisch sei es so gewesen, dass Goliat »den Schwachen verspottet« habe. Dann, so Franziskus weiter, »können wir auch an die Frau Ijobs denken«, daran, »dass sie ihn, als sie ihn krank, erniedrigt sah, verachtete, ihn misshandelte«. So »auch die Frau Tobits«.

Angesichts dieser Wirklichkeiten, so der Papst, »frage ich mich: was steckt in diesen Menschen? Was ist in uns, das uns dazu bringt, die Schwächeren zu verachten, zu misshandeln, sie zu verspotten?« Denn »man kann es letzten Endes verstehen, dass jemand einen angreift, der stärker ist: es kann der Neid sein, der dich dazu bringt«. Aber warum »die Schwächeren angreifen? Was geht da in uns vor, das uns dazu bringt, uns so zu verhalten?« Es handle sich um »etwas Gewöhnliches, als hätte ich es nötig, den anderen zu verachten, um mich sicher zu fühlen. Als sei es eine Notwendigkeit«.

In diesem Zusammenhang wollte Franziskus eine Episode aus seinem Leben erzählen. »Ich erinnere mich – das kommt auch unter Kindern vor – an meine Kindheit, vielleicht war ich sieben Jahre alt: im Viertel gab es eine Frau, die alleinstehend war, ein bisschen verrückt war sie. Und den ganzen Tag lief sie durch das Viertel, grüßte, sagte Dummheiten, und keiner verstand, was sie sagte, sie tat niemandem was Böses an. Die Frauen des Viertels gaben ihr zu essen, die eine und andere auch Kleidungsstücke. Sie lebte allein. Sie lief den ganzen Tag herum und ging dann auf ihr Zimmer, sie lebte dort in einem armseligen Zimmer«.

Jene Frau, so erinnerte der Papst weiter, »hieß Angiolina, und wir Kinder machten uns über sie lustig. Eines der Spiele, das wir spielten, bestand darin: ›Gehen wir und suchen wir die Angiolina, um ein bisschen Spaß zu haben‹. Wenn ich daran denke, denke ich heute noch: ›Wie viel Bosheit gibt es doch auch in den Kindern! Über den Schwächeren herfallen!‹ Und heute sehen wir das ständig, in den Schulen, mit dem Phänomen des ›bullying‹, des Mobbing in der Schule: den Schwachen angreifen, weil du fett bist, oder weil du so bist oder weil du ein Fremder oder mit dunkler Hautfarbe bist, deshalb angreifen, angreifen. Die Kinder, die Jugendlichen«. Die Schwächeren wurden also nicht »nur von Peninna oder Hagar oder die Frauen Tobits und Ijobs« angegriffen; das tun »auch die Kinder«.

»Das bedeutet, dass da etwas in uns ist, das uns dazu bringt, den Schwächeren anzugreifen«, sagte der Papst. Und »ich glaube, dass das eine der Spuren der Erbsünde ist, denn das – den Schwachen angreifen – war das Werk Satans von Anbeginn: er tat dies auch mit Jesus und er tut es mit uns, mit unseren Schwächen«. Doch »wir tun es mit den anderen. Satan kennt kein Mitleid: da ist kein Platz für das Mitleid. Und wenn man den Schwachen angreift, dann fehlt das Mitleid. Wir haben es da immer mit dem Bedürfnis zu tun, den anderen zu beschmutzen, den anderen anzugreifen, wie dies diese Frau« in der ersten Lesung vom Tag tat.

»Es handelt sich um eine Aggression, die von Innen kommt und den anderen vernichten möchte, weil er schwach ist«, unterstrich der Papst erneut. »Die Psychologen werden gute, tiefgründige Erklärungen geben«, fügte er hinzu, »aber ich sage nur«, dass es »auch die Kinder« tun; und »das ist eine der Spuren der Erbsünde, das ist das Werk Satans«. Und so, »sagen wir, wenn wir ein gutes Verlangen danach verspüren, ein gutes Werk zu tun, ein Werk der Nächstenliebe: ›es ist der Heilige Geist, der mich dazu inspiriert, es zu tun‹. Wenn wir merken, dass wir in uns dieses Verlangen haben, einen anzugreifen, weil er schwach ist, dann haben wir keinen Zweifel: da ist der Teufel im Spiel. Denn das ist das Werk des Teufels: den Schwachen angreifen«.

Abschließend regte der Papst an, »den Herrn zu bitten, dass er uns helfe, diese Grausamkeit zu überwinden«, in dem Bewusstsein, »dass wir alle die Möglichkeit haben, es zu tun: wir alle!« Und er sprach auch den Wunsch aus, dass der Herr »uns die Gnade des Mitleids schenke, dieses stammt von Gott: Gott, der mit uns Mitleid hat, der mit uns leidet und uns hilft, zu weiterzugehen«. 

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21. Juli 2018

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