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Wenn Gott vergisst

· Messe in Santa Marta ·

Die Beichte ist weder ein »Urteil« noch eine »Reinigungsanstalt«, die die Flecken der Sünden entfernt, sondern die Begegnung mit einem Vater, der stets vergibt, der alles verzeiht, der die Schuld, die man in der Vergangenheit begangen hat, vergisst und schließlich gar ein Fest feiert.

Und gerade der konkrete Charakter der versöhnenden Umarmung Gottes war das Thema, mit dem sich der Papst in der Frühmesse auseinandersetzte, die er am Freitag, 23. Januar, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. An der Messfeier nahmen auch Vertreter der in Rom ansässigen philippinischen Gemeinde teil, die auch deshalb zu Franziskus kamen, um die Freude über seine unlängst erfolgte Pastoralreise erneut spüren zu können.

»Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute« (vgl. 2 Kor 5,19): dies war der Ausgangspunkt, mit dem Franziskus seine Reflexion beginnen ließ. »Diese Arbeit Gottes ist schön: die Versöhnung«, betonte der Papst, der sogleich hervorhob, dass Gott »auch uns diese Aufgabe« übertrage, also »sich zu versöhnen, sich immer zu versöhnen.«

Es bestehe kein Zweifel darüber, so merkte er an, dass »der Christ ein Mann oder eine Frau der Versöhnung, nicht aber der Spaltung ist.« Im Übrigen »ist der Teufel der Vater der Spaltung«. Und schließlich sei es Gott höchstpersönlich, der »dieses Beispiel zur Versöhnung der Welt, der Menschen gibt.« Er bezog sich hierbei auf »das, was wir in der ersten Schriftlesung gehört haben«, die dem Hebräerbrief (8,6-13) entstammte, vor allem auf »diese wunderschöne Verheißung: ›Ich werde einen neuen Bund schließen‹«. Das sei ein so entscheidender Punkt, so sagte der Bischof von Rom, dass »in diesem Abschnitt gleich fünf Mal vom Bund die Rede ist«. In der Tat »ist Gott derjenige, der versöhnt, indem er eine neue Beziehung zu uns aufbaut, einen neuen Bund.« Und »aus diesem Grund entsendet er Jesus; der versöhnliche Gott ist der vergebende Gott.«

Der Abschnitt aus dem Hebräerbrief, so fuhr Franziskus fort, »endet mit dieser schönen Verheißung: ›und an ihre Sünden denke ich nicht mehr.‹« Es sei »der vergebende Gott: unser Gott vergibt, versöhnt, schließt einen neuen Bund und vergibt.« Aber »wie vergibt Gott? Vor allem: Gott vergibt immer! Er wird es nicht müde, zu vergeben. Wir sind diejenigen, die es müde werden, um Vergebung zu bitten. Aber er wird es nicht müde, zu vergeben.« Daher sei, »als Petrus Jesus fragte: Wie oft muss ich vergeben? Siebenmal?« die ihm erteilte Antwort höchst eloquent gewesen: »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal« (vgl. Mt 18,21-22). Also »immer«, denn gerade »so vergibt Gott: immer.« »Wenn du« also »ein Leben mit sehr vielen Sünden geführt hast, mit sehr hässlichen Dingen, am Ende aber reuig um Vergebung bittest, dann vergibt er dir sogleich. Er vergibt immer.«

Wir hingegen, so gab Papst Franziskus zu, »verfügen in unserem Herzen nicht über diese Gewissheit und zweifeln sehr oft«, indem wir uns fragten, ob »Gott vergeben werde«. In Wirklichkeit, so erinnerte er, »reicht es, dass man bereut und um Vergebung bittet: nichts weiter! Dafür muss nichts bezahlt werden! Christus hat für uns bezahlt, und er vergibt immer.«

»Ein weiterer«, wichtiger »Punkt«, den der Papst bekräftigen wollte, war, dass Gott nicht nur »immer verzeiht«, sondern dass er auch »alles« vergebe: »es gibt keine Sünde, die er nicht verzeiht.«Vielleicht, so erläuterte er, könne jemand einwenden: »ich gehe nicht zur Beichte, weil ich sehr viele hässliche Dinge getan habe, sehr viele, deshalb wird mir nicht vergeben werden…« Aber »das ist nicht wahr«, so betonte Franziskus, denn Gott »vergibt alles, wenn du reuig hingehst.« Und »oftmals lässt er dich gar nicht zu Wort kommen: du fängst an, um Vergebung zu bitten, und er lässt dich die Freude der Vergebung bereits spüren, noch bevor du damit geendet hast, alles aufzuzählen.« Gerade so, »wie es jenem Sohn ergangen ist, der, nachdem er sein ganzes Erbe durchgebracht hatte, mit einer unmoralischen Lebensführung«, es dann »bereut hat« und sich die Worte zurechtgelegt habe, mit denen er sich bei seinem Vater präsentieren wollte. Aber »als er ankam, ließ ihn der Vater nicht zu Wort kommen, er hat ihn umarmt: denn er vergibt alles. Er hat ihn umarmt.«

Sodann »ist da noch etwas anderes, was Gott tut, wenn er vergibt: er feiert ein Fest.« Und das, so präzisierte der Papst, »ist keine Metapher, Jesus sagt es: ›Im Himmel herrscht Freude, wenn ein Sünder zum Vater kommt.‹« Also »feiert Gott« wirklich »ein Fest«. So »können wir, wenn wir fühlen, dass unser Herz von Sünden schwer ist, sagen: lasst uns zum Herrn gehen und ihm Freude bereiten, damit er mir vergebe und ein Fest feiere.« Gott »verhält sich gerade so: Er feiert immer ein Fest, weil er vergibt.«

Als er seine Reflexionen über den Hebräerbrief fortsetzte, wiederholte der Papst die abschließenden Worte dieses Abschnitts, Die, wie er erläuterte, »etwas sehr Schönes über die Art und Weise« aussagen, »wie Gott vergibt: Gott vergisst.« In anderen Worten, die Heilige Schrift sage auch: »Ja, du wirfst all unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle« (Mi 7,19; Jes 1,18).

Also »vergisst« Gott. Und wenn »einer von uns zum Herrn geht«, und sage: »Erinnerst du dich, in jenem Jahr habe ich diese hässliche Sache getan?«, dann antwort er: »Nein, nein, nein. Ich erinnere mich nicht.« Denn »wenn er erst einmal vergeben hat, dann erinnert er sich nicht mehr, er vergisst«, während wir »sehr oft gegenüber anderen Menschen ein ›Girokonto‹ führen: einmal hat er dies getan, ein andermal das… « Gott hingegen »nicht: er vergibt und vergisst.« Aber, so fragte sich Franziskus: »wenn er vergisst, wer bin denn ich, dass ich mich an die Sünden der anderen Menschen erinnere?« Der Vater »vergisst« also, »er vergibt alles, er feiert ein Fest, wenn er vergibt und vergisst, weil er sich versöhnen will, er will uns begegnen.«

Im Lichte dieser Überlegungen erinnerte der Papst daran, dass »dann, wenn einer von uns – ein Priester, ein Bischof – geht, um die Beichte abzunehmen, er immer daran denken soll: bin ich dazu bereit, alles zu vergeben? Bin ich dazu bereit, immer zu vergeben? Bin ich bereit dazu, freudig ein Fest zu feiern? Bin ich bereit dazu, die Sünden dieses Menschen zu vergessen?« Denn »wenn du nicht dazu bereit bist, dann ist es besser, wenn du an diesem Tag nicht die Beichte abnimmst: gehe er zu einem anderen, denn du hast nicht Gottes Herz, um vergeben zu können.«In der Tat, »bei der Beichte, das ist wahr, wird ein Urteil gefällt, weil der Priester urteilt«, indem er sage: »da hast du schlecht gehandelt, du hast…« Aber, so erläuterte der Papst, »das ist mehr als ein Urteil: es ist eine Begegnung, eine Begegnung mit dem lieben Gott, der immer vergibt, der alles vergibt, der zu feiern versteht, wenn er vergibt und der deine Sünden in dem Augenblick vergisst, wo er dir vergibt.« Und »wir Priester müssen diese Einstellung haben: eine Begegnung herbeiführen.« Dagegen »scheint die Beichte oft eine Amtshandlung, eine Formalität zu sein«, bei der alles »mechanisch« erscheine; aber wenn es so sei, wo sei dann, so fragte sich der Papst, »die Begegnung mit dem Herrn, der versöhnt, dich umarmt und ein Fest feiert? Das ist unser Gott, der so gut ist.«

Es sei wichtig, so betonte der Papst, »dass man auch lehrt, wie man gut beichtet, auf ein solche Art und Weise, dass unsere Kinder, unsere Jugendlichen es lernen«, und sich daran zu erinnern, dass »beichten gehen nicht so ist, als gehe man in eine Reinigung, um sich einen Fleck entfernen zu lassen«: das Beichten »heißt, zu einer Begegnung mit dem Vater zu gehen, der versöhnt, der vergibt und der ein Fest feiert.«

Abschließend forderte Franziskus dazu auf, »an diesen Bund zu denken, den der Herr jedes Mal dann schließt, wenn wir um Vergebung bitten.« Und auch »an unseren Vater« zu denken, »der immer versöhnt: den Gott, der sich in Christus mit der Welt versöhnt hat und uns das Wort der Versöhnung anvertraut hat.«Die Hoffnung sei, so sagte der Papst weiter, dass »der Herr uns die Gnade schenken wolle, heute damit zufrieden zu sein, einen Vater zu haben, der stets vergibt, der alles vergibt, der dann, wenn er vergibt, ein Fest feiert und unsere Geschichte voller Sünden vergesse!«

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