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Wenn der Märtyrer keine Schlagzeilen macht

· Messe in Santa Marta ·

Für die »Märtyrer unserer Zeit«, für die verfolgten und inhaftierten Christen, für die Kirchen, denen die Freiheit verwehrt wird und mit einer speziellen Erwähnung der Kleinsten unter ihnen: Ihnen war die Messintention der Messe zugedacht, die der Papst am Montag, 30. Januar, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. Eingedenk der Tatsache, dass »eine Kirche ohne Märtyrer eine Kirche ohne Jesus ist«, bekräftigte der Papst, dass es gerade die Märtyrer seien, die die Kirche stützten und voranbrächten. Und wiewohl »die Medien es nicht sagen, weil es keine Schlagzeilen macht«, seien heute »unzählige Christen weltweit selig, weil sie nur deswegen verfolgt, geschmäht, inhaftiert werden, weil sie ein Kreuz tragen oder sich zu Jesus Christus bekennen«. Wenn wir uns also darüber beschwerten, dass »es uns an etwas mangelt«, dann sollten wir stattdessen »an diese Brüder und Schwestern« denken, »die heutzutage in noch weitaus größerer Zahl als in den ersten Jahrhunderten das Martyrium erleiden«.

Für seine Predigt stützte sich der Papst in erster Linie auf die Worte des Hebräerbriefes. »Gegen Ende«, so versicherte er, »appelliert der Verfasser an die Erinnerung: ›Ruft euch eure Vorfahren in Erinnerung, ruft euch die ersten Tage eurer Berufung in Erinnerung, erinnert euch, ruft euch die ganze Geschichte des Gottesvolkes in Erinnerung«. Tut es, »um dazu beizutragen, unsere Hoffnung zu festigen: besser erinnern, um besser zu hoffen; ohne Erinnerung gibt es keine Hoffnung«.

Gerade »die Erinnerung an die Dinge, die der Herr unter uns getan hat«, so erläuterte Franziskus, »schenkt uns die Ausdauer wie auch die Standhaftigkeit, um weitergehen zu können«. So »kommt an diesem Ende des Hebräerbriefs, in Kap. 11, also jenem Kapitel, das uns die Liturgie dieser Tage vorgibt, die Erinnerung an die Fügsamkeit vieler Menschen vor, angefangen bei unserem Vater Abraham, der seine Heimat verließ, ohne zu wissen, wohin er ging, er war gefügig: eine Erinnerung an die Fügsamkeit«.

»Heute schließlich ist von zwei Erinnerungen die Rede«, so merkte der Papst an, wobei er ausdrücklich die Erste Lesung der Tagesliturgie zitierte (11,32-40). Vor allem »die Erinnerung an die großen Taten des Herrn, die von Männern und Frauen vollbracht wurden, und der Verfasser des Briefes sagt: ›Die Zeit würde mir nicht reichen, wollte ich von … reden‹«. So »beginnt er Gideon zu nennen, Barak, Simson, Jiftach, David: Viele Menschen, die in der Geschichte Israels große Taten vollbracht haben«. Das »ist, so könnten wir sagen, die Erinnerung an unsere Helden aus dem Volk Gottes«. Und »die dritte Gruppe« – die erste »waren diejenigen, die dem Ruf des Herrn fügsam gehorcht haben«, die zweite »jene, die große Taten vollbracht haben« –wecke »die Erinnerung an jene, die wie Jesus gelitten und ihr Leben gegeben haben«.

Tatsächlich stehe in dem Brief: »Andere haben Spott und Schläge erduldet, ja sogar Ketten und Kerker. Gesteinigt wurden sie, verbrannt, zersägt, mit dem Schwert umgebracht; sie zogen in Schafspelzen und Ziegenfellen umher, Not leidend, bedrängt, misshandelt. Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen, in den Höhlen und Schluchten des Landes.« Kurz, das sei »die Erinnerung an die Märtyrer«. Und die Kirche sei gerade »dieses Gottesvolk, das zwar aus Sündern besteht, aber gefügig ist, das große Taten vollbringt und auch bis zum Martyrium für Jesus Christus zeugt«.

»Die Märtyrer«, so bekräftigte der Papst in diesem Zusammenhang, »sind jene Menschen, die die Kirche voranbringen; es sind jene, die die Kirche stützen, die sie einst gestützt haben und sie auch heute noch stützen. Und heute gibt es ihrer mehr als in den ersten Jahrhunderten«, auch wenn »die Medien es nicht sagen, weil es keine Schlagzeilen macht: weltweit sind heutzutage viele Christen selig, weil sie verfolgt, geschmäht, inhaftiert werden«. Heute, so beharrte Franziskus, »gibt es in den Gefängnissen viele von ihnen, die nur deshalb dort sind, weil sie ein Kreuz tragen oder Jesus Christus bekennen: das ist der Ruhm der Kirche und gleichzeitig auch unsere Demütigung: wir, die wir alles haben, denen alles leicht erscheint, und die sich, wenn uns etwas abgeht, beklagen«. Aber »denken wir an diese Brüder und Schwestern, die heute in weitaus größerer Zahl als in den ersten Jahrhunderten das Martyrium erleiden«.

Der Papst gestand: »Ich kann das Zeugnis jenes Priesters und jener Ordensfrau in der Kathedrale von Tirana nicht vergessen: Jahre um Jahre der Gefängnishaft, der Zwangsarbeit, der Demütigungen, der ihnen vorenthaltenen Menschenrechte«. Man schrieb den 21. September 2014, als dem Papst während des Vespergottesdienstes in der Sankt-Pauls-Kathedrale in Tirana die bewegenden Zeugnisse zweier Überlebender der Christenverfolgungen des Regimes vorgestellt wurden: Schwester Maria Kaleta und Pfarrer Ernest Simoni ergriffen das Wort, den Papst Franziskus dann im Konsistorium vom 19. November des vergangenen Jahres öffentlich zum Kardinal kreiert hat.

Was uns anbelangt, so fuhr der Papst fort, so sei es angemessen, dass »wir zufrieden sind, wenn wir großartige Taten der Kirche sehen, die viel Erfolg hatten, mit Christen, die in Erscheinung treten«. Und das könne auch als eine »Stärke« verstanden werden. Aber »die größte Stärke der Kirche beruht heute in den kleinen, den winzigen Ortskirchen, mit wenigen Menschen, die Verfolgung leiden, deren Bischöfe inhaftiert sind. Das ist heute unser Ruhm und unsere Stärke.« Auch deshalb, so versicherte er, weil »eine Kirche ohne Märtyrer, so möchte ich einmal sagen, eine Kirche ohne Jesus ist«.

Daher forderte Franziskus dazu auf, »für unsere Märtyrer« zu beten, »die sehr leiden, für all jene, die im Gefängnis waren oder noch sind, sie sind unsere Hoffnung«. Bereits »in den ersten Jahrhunderten der Kirche sagte ein antiker Schriftsteller: ›Das Blut der Christen, das Blut der Märtyrer, ist der Same der Christen«. »Durch ihr Martyrium, durch ihr Zeugnis, durch ihr Leiden, auch dadurch, dass sie ihr Leben hingeben, säen« sie »Christen für die Zukunft und in den anderen Kirchen«. Und gerade deshalb wollte der Papst »die Messe unseren Märtyrern, denen, die jetzt gerade leiden, für die leidenden Kirchen, denen die Freiheit verwehrt ist« weihen und dankte »dem Herrn dafür, dass er mit der Stärke seines Geistes in diesen unseren Brüdern und Schwestern präsent ist, die heute für ihn zeugen«.

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10. Dezember 2019

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