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Vor dem Abgrund, der darauf lauert, dich zu verschlingen

· Élisabeth Gilles »Landschaft aus Asche« stellt die ideelle Fortsetzung von »Suite française« dar ·

Ein eindringliches, ergreifendes Buch, das sich mit der Unmöglichkeit auseinandersetzt, zu vergessen, ebenso wie mit der unauslöschlichen Trauer der Überlebenden und mit der Schwierigkeit, die eigene Identität wiederzufinden, nachdem einem alles genommen wurde. So charakterisiert Gaetano Vallini Élisabeth Gilles Un paesaggio di ceneri (»Landschaft aus Asche«, 2000 auf deutsch als Taschenbuch erschienen), in dem die Schriftstellerin endgültig die Distanz zwischen ihrer Erfahrungswelt als ein durch den Wahnsinn des Nationalsozialismus zur Waise gemachtes Kind und jener der Mutter überbrückt, die sie nur ganz kurz gekannt hatte. 

Diese Mutter hatte einen anspruchsvollen Namen getragen: Irène Némirovski, die Autorin des Meisterwerks Suite française (unter demselben Titel 2007 auf deutsch erschienen), eines der schönsten Bücher über den Krieg, das unglaublicherweise gerettet und dem Vergessen entrissen wurde, um dann 2004, sechzig Jahre nach dem in Auschwitz erfolgten Tod seiner Autorin, veröffentlicht zu werden. Denn »Un paesaggio di ceneri«, das am 2. April auf Italienisch herauskommt (Venedig, Marsilio, 2014, € 16), könnte, obwohl der Schreibstil weniger raffiniert und elegant, aber in seiner Nüchternheit keineswegs weniger wirkungsvoll und einprägsam ist, durchaus als eine Art ideeller Fortsetzung gelesen werden, auch wenn es acht Jahre früher veröffentlicht wurde. Korrekterweise müsste eigentlich von einer Art verschleierter Autobiographie die Rede sein, in der unschwer zu sehen ist, dass in der Figur der kleinen Protagonistin Léa die Autorin selbst mit ihrem inneren Drama durchscheint.

Eben aus diesem Grund ist es nicht leicht zu entscheiden, wo man damit beginnen soll, über dieses Buch zu sprechen: ob bei Élisabeths Leben oder bei dem der Léa, einem jüdischen Mädchen, das wie seine Autorin »nichts über sich selber wusste, die weder ihre Herkunft noch ihre Identität kannte. Nichts als verbranntes Land, eine Landschaft aus Asche«. Und im Übrigen fanden nach der Deportation der Mutter Irène und des Vaters Michel Epstein auch Élisabeth Gille und ihre Schwester Denise zunächst Zuflucht in einem katholischen Pensionat und wurden dann bei Freunden der Familie aufgenommen.

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19. Januar 2018

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