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​Von den Wurzeln in die Zukunft

Das stille Gebet vor dem Grabtuch und das Gedenken an Don Bosco waren die Hauptgründe für den Besuch des Papstes in Turin. Außerdem ist Bergoglio in die Region zurückgekehrt, als deren »Enkel« er sich bezeichnete. Der zweitägige Aufenthalt war erfüllt von familiären Begegnungen und Programmpunkten, die nicht nur die Bewohner von Turin und Piemont beeindruckt und berührt haben: die wahrhaft historische – beispiellose – und brüderliche Begegnung mit den Waldensern, das Treffen mit den Jugendlichen und zuvor mit den Kranken im Cottolengo-Institut, mit der Salesianischen Familie, mit der Welt der Arbeit, wobei der Papst, wie es stets der Fall ist, zu allen sprach.

Und wie immer haben auch hier die Menschen die Worte des Papstes verstanden: seine Sorge über die Krise, die immer noch sehr viele Menschen betrifft, und das »nicht nur in Turin und Italien«, sondern weltweit in komplexer Weise; die entschiedene Verurteilung eines »stückchenweisen« Krieges, der das Drama der Zwangsmigration verstärkt und durch Zynismus und Gleichgültigkeit vieler noch schrecklicher wird: »Das Spektakel dieser Tage, in dem Menschen wie Waren behandelt werden, ist zum Weinen«, rief Franziskus aus.

Angesicht der verbreiteten Orientierungslosigkeit verwies der Papst erneut auf den Weg der Solidarität zwischen den Generationen, die vor allem in der Familie verwirklicht wird: der alten und jungen Menschen, die der Reichtum der Erinnerung und die Verheißung der Zukunft sind. Und wie sehr Bergoglio auf die Familie vertraut, war an einer – nicht vorgesehenen und berührenden – Geste erkennbar, als er die kleine Kirche der heiligen Theresa besuchte, in der seine Großeltern geheiratet haben und sein Vater getauft wurde.

An diesem Ort familiärer Erinnerung betete der Papst in Stille – wie vor dem Grabtuch, im Turiner Heiligtum par excellence, »der Consolata«, und dann im Cottolengo-Institut – und hinterließ in schriftlicher Form sein Gebetsanliegen für die kommende Synode über die Familie. Von seiner Familie hat er vor allem in Valdocco gesprochen, wo er in freier Rede ausführlich auf seine Erinnerungen an die Salesianer einging und ein lebendiges Bild von den Schülern Don Boscos zeichnete, die seine menschliche und christliche Ausbildung beeinflusst haben.

Von den eigenen piemontesischen Wurzeln und der historischen Erinnerung an das vergangene Jahrhundert ausgehend, wusste der Papst bei der Begegnung mit den Jugendlichen, in der er in freier Rede auf ihre Fragen antwortete, wirksame und – wie er unterstrich – auch unbequeme Worte zu finden, als er auf die keusche Liebe und die Notwendigkeit, in für den Glauben schwierigen Situationen gegen den Strom zu schwimmen, hinwies – wie das im 19. Jahrhundert in Piemont der Fall war und wie das seine Heiligen getan haben. Um nach vorne zu schauen, ohne dem Götzendienst des Geldes zu verfallen und ohne den Blick von den aktuellen Notwendigkeiten abzuwenden, wie dies im 20. Jahrhundert oft geschah.

Offen für die Zukunft war auch die einfache und festliche Begegnung in der Waldenserkirche, die sich ebenso in diesem Fall auf die gelebte Erfahrung des Papstes stützen konnte. Bergoglio sprach von »den Freunden aus der Waldenserkirche von Río de la Plata«, deren »Spiritualität und Glaube« er »geschätzt« und von denen er »viele gute Dinge gelernt« habe. Die Ökumene, die »auf dem Weg« ist, verbinde bereits, trotz der Unterschiede. Sie veranlasste den Papst, um Vergebung für unchristliche und unmenschliche Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber den Waldensern zu bitten – um den Weg gemeinsam zu gehen und gemeinsam in der Welt Zeugnis zu geben für das Evangelium.

Giovanni Maria Vian

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6. Dezember 2019

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