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Vitale Minderheiten

Eine Viertelstunde reichte dem Papst aus, um sich so vom Volk Myanmars zu verabschieden, wie er es sich vorstellte, sprich in einer informellen Begegnung. Tatsächlich gestattete das frühzeitige Ende der Eucharistiefeier in der Kathedrale von Yangon dem Papst, die schöne, Ende des 19. Jahrhunderts errichtete neugotische Kirche zwischen einem jubelnden Spalier junger Männer und Frauen zu durchmessen. Ohne Eile und gestützt auf den Kreuzstab Pauls VI., hielt dessen Nachfolger inmitten vieler Hunderte junger Menschen inne, die Dutzenden unterschiedliche Volksgruppen angehörten, um sie aus nächster Nähe zu grüßen. Und sie erwiderten den Gruß, versuchten, die von Franziskus gebotene Hand zu schütteln bzw. das Kreuz mit der Gestalt Christi zu berühren, auf das sich der Papst stützte, wobei sie unentwegt in einem Durcheinander der Sprachen »Papa Francis, we love you« skandierten. Dabei herrschte eine enthusiastische Stimmung, die Bergoglio sehr gefiel und die ihn kurz vor seinem Aufbruch nach Bangladesch, wo er dann am frühen Nachmittag landete, mit einer Welle der Zuneigung und der Herzlichkeit umbrandete.

Was die beiden Länder, die der Papst aus dieser Asien-Reise besuchte, miteinander gemein haben ist die Tatsache, dass die Katholiken und die Christen überhaupt verschwindend kleine Minderheiten darstellen. Minderheiten, mit denen Bergoglio zusammentreffen will, um sie zu unterstützen und sie zu einem nicht anmaßenden und insofern umso wirksameren missionarischen Zeugnis zu ermutigen. »Habt keine Angst, wenn ihr manchmal das Gefühl habt, dass ihr nur wenige seid und weit verstreut. Das Evangelium wächst immer aus kleinen Wurzeln. Macht euch deswegen bemerkbar! Ich möchte euch bitten zu schreien – aber nein, nicht mit der Stimme – ich möchte, dass ihr mit dem Leben schreit, mit dem Herzen, so dass ihr Zeichen der Hoffnung seid für die Mutlosen, eine ausgestreckte Hand für den, der krank ist, ein einladendes Lächeln für den, der fremd ist, eine zuvorkommende Stütze für den, der alleine ist«, so sagte er den in der Kathedrale von Yangon versammelten jungen Menschen.

Die Lebenswirklichkeit von Minderheiten, die allerdings höchst vital sind und die auch in der ersten Ansprache wieder thematisiert wurde, die der Papst in Dhaka hielt. Dort hielt er im Präsidentenpalast eine Ansprache vor den Vertretern der Regierung des überaus bevölkerungsreichen und weitgehend muslimischen Landes, nachdem er vom Präsidenten empfangen worden war. »Auch wenn die Katholiken Bangladeschs zahlenmäßig wenige sind, versuchen sie doch, eine konstruktive Rolle bei der Entwicklung des Landes zu spielen, vor allem durch ihre Schulen, die Kliniken und die Sanitätsstationen«, sagte der Papst. Anschließend spielte er auf die hohe Wertschätzung an, die ihrem traditionellen Engagement auf dem Gebiet der Erziehung entgegengebracht wird, und zwar in den katholischen Schulen, wo »die breite Mehrheit der Schüler und viele der Lehrer an diesen Schulen« anderen Religionen anhängen und wo sich die Kirche, die keine Unterschiede macht und auf die in der Verfassung des Landes verankerte Freiheit zählt, bemüht, »eine Kultur der Begegnung fördern, welche die Studenten befähigt, ihre eigene Verantwortung im Leben der Gesellschaft zu übernehmen«, so hob er hervor.

Während er zu der Tragödie der Flüchtlinge zurückkehrte, fast ausnahmslos Muslimen aus dem benachbarten Rakhaing-Staat, die von Bangladesch großzügig »unter den Augen der ganzen Welt« aufgenommen wurden, beschrieb der Papst, »wie prekär die Lebensbedingungen so vieler unserer Brüder und Schwestern, hauptsächlich Frauen und Kinder, [sind], die sich in den Flüchtlingslagern drängen« und appellierte erneut an die internationale Gemeinschaft. Die aktiv werden müsse: auf politischer Ebene, um die Krise zu meistern, und auf humanitärer Ebene, um den Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen.

g.m.v.

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15. Dezember 2017

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