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Vier Vertreter des amerikanischen Volkes

Zum ersten Mal sprach der Papst vor dem Amerikanischen Kongress und zum ersten Mal ist es ein Papst, der sagen konnte: »[Ich bin] ein Sohn dieses großen Kontinentes.« Ein Ereignis also, das in die Geschichte eingehen wird: aufgrund dieser noch nie dagewesenen Umstände, aber vor allem aufgrund der fast einstündigen Ansprache des Papstes an die ranghöchsten Vertreter der amerikanischen Demokratie. Die in Englisch vorgetragene Rede wurde insgesamt 38 Mal von meist einstimmigem Applaus unterbrochen, der sich zu Beginn, am Ende und weitere zehn Mal in Ovationen verwandelte, bei denen der größte Teil der Versammlung sich als Zeichen der Zustimmung von den Sitzen erhob.

Politik und Gesetzgebung sind aufgerufen, für das Volk Sorge – ein Ausdruck, den Bergoglio häufig verwendet – zu tragen. Daher begann der Papst mit einem Hinweis auf die Gestalt des Mose, den Gesetzgeber Israels, Symbolfigur der Einheit und zugleich mahnende Erinnerung an die transzendente Würde jedes Menschen. Dann verwies Franziskus vor allem auf vier große Vertreter des amerikanischen Volkes, von denen unterschiedliche Jahrestage begangen werden: Präsident Abraham Lincoln, den »Hüter der Freiheit«; Martin Luther King mit seinem Traum von der Gleichberechtigung aller Afro-Amerikaner; Dorothy Day, die Gründerin der katholischen Sozialbewegung Catholic Worker Movement und leidenschaftliche Aktivistin an der Seite der Unterdrückten; der Mönch Thomas Merton, ein Mann des Gebets und des Dialogs.

Indem Bergoglio über ihre Persönlichkeiten und Träume sprach, listete er die Probleme von globaler Tragweite auf, die heute zu bewältigen sind. Die Zunahme von Gewalt und Grausamkeiten, die häufig im Namen der Religion verübt werden; mit der daraus folgenden Notwendigkeit, jede Art von Fundamentalismus zu bekämpfen, aber zugleich nicht zu vergessen, dass es wichtig ist, weiterhin auf die Stimme des Glaubens zu hören, wie das die politische Geschichte der Vereinigten Staaten positiv gezeigt hat, seit der Unabhängigkeitserklärung, die in der Ansprache zitiert wurde. Weiter sprach der Papst – der daran erinnerte, dass er selbst Sohn von Einwanderern ist – das Problem der Massenmigration an, wie es das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben habe.

Zudem unterstrich er die Dringlichkeit, in der ganzen Welt die Todesstrafe abzuschaffen und die Armut zu bekämpfen. Abschließend verwies er auf das Problem des Klimawandels, das den ganzen Planeten und vor allem die Ärmsten bedroht, sowie auf die wirtschaftlichen Interessen, die den Waffenhandel fördern. Der Papst sprach kurz die Bedeutung und Schönheit der Familie an – Thema des Welttreffens in Philadelphia –, die heute wie nie zuvor bedroht ist, mit gravierenden Konsequenzen vor allem für die jungen Menschen. Abschließend wünschte er, dass der Geist des amerikanischen Volkes weiterhin die Träume der Amerikaner beflügeln möge. Zuletzt begegnete der Papst in Washington einer Gruppe Obdachloser, die er in einer bewegenden Meditation mit der Familie Jesu verglich.

Das erste Treffen im Zentrum von New York, wo ihn Tausende auf den Straßen erwarteten, war dem Gebet der Vesper in der frisch restaurierten Kathedrale St. Patrick gewidmet. Zu Beginn der Predigt richtete er anlässlich des Opferfestes einen herzlichen Gruß an die Muslime und brachte sein Mitgefühl über die Tragödie in der Nähe von Mekka zum Ausdruck. Vor den zahlreich anwesenden Ordensleuten ließ der Papst sich die Gelegenheit nicht entgehen, unter dröhnendem Beifall die US-amerikanischen Ordensschwestern zu loben: »Was wäre die Kirche ohne euch? Starke Frauen, Kämpferinnen – mit diesem mutigen Geist, der sie an die vorderste Front der Verkündigung des Evangeliums stellt.« Und diesen »Schwestern und Müttern« des amerikanischen Volkes sagte Franziskus »ein ganz großes ›Danke!‹«, wobei er hinzufügte, dass er sie sehr gern habe.

Giovanni Maria Vian

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25. April 2018

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