Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Vier Modelle

· Messe des Papstes in Santa Marta ·

Die Menschen folgen dem, der lehrt wie Jesus, der die Neuheit des Wortes Gottes, der Liebe Gottes mit sich bringt. Und nicht dem – sei er nun Laie, Christ, Priester oder Bischof –, der verdorben ist und ein verdorbenes Herz hat. Papst Franziskus sprach erneut über das Zeugnis des Glaubens, das diejenigen ablegen müssen, die, gerade auch aufgrund ihres Auftrags dazu aufgerufen sind, diesen dem Volk Gottes zu übermitteln. Und in der Predigt, die er heute früh, Dienstag, 14. Januar, in der Kapelle von Santa Marta hielt, wiederholte er, dass es keinen anderen Weg gebe als den, den uns Christus gelehrt habe.

Mit dieser Lehre befassen sich die beiden Schriftlesungen zum Tage, die dem ersten Buch Samuel (1,9-20) bzw. dem Markusevangelium (1,21b-28) entnommen sind. Dort, so bemerkte der Papst, seien »viel Modelle gläubiger Prediger beschrieben: Jesus, die Schriftgelehrten, der Priester Eli, und nach diesem – das wird nicht explizit gesagt, aber sie sind da – die beiden Söhne des Eli, die auch Priester sind.«

Die Schriftgelehrten hätten gelehrt und gepredigt, indem sie den Menschen schwere Lasten aufgebürdet hätten. »Und das arme Volk«, so sagte der Papst, »konnte so nicht vorankommen.« Der Vorwurf, den Jesus ihnen dafür mache, sei, dass sie keinen Finger dafür rührten, diesen Leuten zu helfen. Und er habe dann zum Volk gesagt: »Tut, was sie sagen, aber nicht, was sie tun!« Die Schriftgelehrten und die Pharisäer seien Leute gewesen, die sich inkonsequent verhielten, erläutert der Papst, sie hätten ein Verhalten an den Tag gelegt, »als prügelten sie auf die Menschen ein.« Und Jesus habe sie gewarnt, »indem er ihnen sagte: Aber so verschließt ihr ihnen die Tür des Himmelreichs! Ihr lasst niemanden eintreten, und auch ihr werdet nicht eintreten!«

Und auch heute noch, so betonte der Papst, werde diese falsche Art zu predigen, zu unterweisen, den eigenen Glauben zu bezeugen, angewandt. »Und wie viele«, so klagte er, »denken, dass der Glaube so sei!«

Dann befasste sich der Bischof von Rom mit Elis Verhaltensweise, »einem alten … bedauernswerten« Mann, dem er, wie der Papst gestand, »eine gewisse Sympathie entgegen bringe«, der aber trotzdem »kein wirklich guter Mann gewesen sei: er war ein armer Priester, schwach, lau, und er hat halt machen lassen, er hatte keine Kraft. Er ließ es zu, dass seine Söhne viele hässliche Dinge taten.« Der Heilige Vater erzählte die Geschichte, wie Eli eine bedauernswerte Frau, die ein stilles Gebet verrichtete und dabei kaum ihre Lippen bewegte, um den Herrn um die Gnade eines Sohnes zu bitten, für eine Betrunkene gehalten habe. Sie »betete so, wie das einfache Volk betet, ganz einfach, von Herzen, voller Verzweiflung, und sie bewegte dabei die Lippen. Viele gute Frauen beten so in unseren Kirchen und in unseren Wallfahrtsorten. Und diese Frau betete auf diese Art, sie bat um ein Wunder. Und der Alte, Eli, der Ärmste, hatte gerade nichts zu tun. So schaute er sie an und dachte: das ist eine Betrunkene. Und er verachtete sie. Er war der Vertreter des Glaubens«, der, der sie ihm Glauben hätte unterweisen sollen, aber »sein Herz brachte nicht viel Empfindung auf, und er verachtete diese Frau. Er sagte zu ihr: Geh weg, schlaf deinen Rausch aus!«

»Wie oft geschieht es«, so stellte der Heilige Vater fest, dass das Volk Gottes sich ungeliebt fühlt seitens derer, die als Christen, als christliche Laien, als Priester, als Bischöfe Zeugnis ablegen sollten!«

Wieder zu Eli zurückgekehrt, erläuterte Papst Franziskus, weshalb er eine gewisse Sympathie für diesen aufbringe: »Denn in seinem Herzen hatte er immer noch die Salbung. Als die Frau ihm ihre Lage schildert, sagt Eli zu ihr: ›Geh in Frieden. Der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast.‹ Da kommt seine Salbung zum Priester wieder zum Vorschein. Armer Mann, er hatte sie hinter seiner Faulheit versteckt. Er ist ein lauer Priester. Und er nimmt ein übles Ende, der Ärmste!«

In dieser Schriftlesung, so bemerkte der Papst, treten Elis Söhne nicht auf, aber sie waren diejenigen, die den Tempel verwalteten. »Sie waren Räuber. Sie waren Priester«, so sagte er, »aber Räuber. Sie rannten der Macht und dem Geld hinterher; sie beuteten das Volk aus, sie veruntreuten die Almosen und die Opfergaben. Die Bibel sagt, dass sie die besten Stücke des Opferfleisches nahmen, um es selbst zu essen. Sie beuteten aus. Der Herr bestraft diese beiden hart!«

Sie stellen für den Papst »die Gestalt des verdorbenen Christen, des verdorbenen Laien, des verdorbenen Priesters, des verdorbenen Bischofs dar. Sie nutzen die Lage aus, das Privileg, das der Glaube ihnen einräumt, das Privileg, Christen zu sein. Und am Ende ist ihr Herz verdorben. Denken wir an Judas: beim ersten Mal fing er vielleicht aus Eifersucht, aus Neid an, seine Hand in den Geldbeutel zu stecken«, und so »begann sein Herz, zu verderben. Johannes – der gute Apostel, der alle Welt liebt, der die Liebe predigt – sagt über Judas: Er war ein Dieb. Punkt. Es ist ganz klar: er war verdorben. Und aus einem verdorbenen Herzen kann auch der Verrat kommen. Er verrät Jesus.«

Und schließlich gebe es dann noch Jesu Art und Weise, zu predigen. Was sei so besonders an ihr? Warum sage das Volk: »Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet«? »Jesus«, so bekräftigte der Papst, »hat das Gesetz gelehrt, er hat Moses und die Propheten gelehrt. Wo ist da das Neue? Er hatte Macht, die Macht der Heiligkeit, da die unreinen Geister vor ihm flohen. Die Neuheit Jesu besteht darin, dass er das Wort Gottes mitbringt, die Botschaft Gottes, also die Liebe Gottes für jeden Einzelnen von uns. Er bringt Gott den Menschen näher. Und um das zu tun, ist er es, der sich annähert. Er ist den Sündern nahe, geht mit Matthäus zu Tisch, einem Dieb, einem Vaterlandsverräter; er vergibt der Ehebrecherin, die dem Gesetz zufolge hätte bestraft werden müssen; er unterhält sich mit der Samariterin, die kein »Engel« war, die eine Geschichte hatte, über Theologie.« Folglich suche Jesus »das Herz der Menschen, Jesus nähert sich dem verwundeten Herzen der Menschen. Jesus ist nur am Menschen und an Gott interessiert. Und er versucht, Gott den Menschen und die Menschen Gott näherzubringen.«

Und weiter: »Jesus ist wie der barmherzige Samariter, der die Wunden heilt, die das Leben geschlagen hat. Jesus ist der Mittler, der, wenn er auf den Berg geht, um zu beten, das ausschließlich für die Menschen tut, und er gibt sein Leben für die Menschheit. Jesus will, dass die Menschen näherkommen, und er sucht sie; und er ist gerührt, als er sie als eine Herde ohne Hirten sieht. Diese ganze Haltung ist es, was die Menschen als ein neues Verhalten definieren. Nein, es ist keine neue Lehre, sondern die Art, wie er die Dinge tut, ist neu. Die Transparenz des Evangeliums.«

»Bitten wir den Herrn«, so schloss Papst Franziskus, »dass diese beiden Schriftlesungen uns in unserem christlichen Leben helfen mögen», damit keiner von uns in der Rolle, die er in der Sendung der Kirche auszufüllen berufen sei, nur ein Gesetzesvertreter sei, der zwar rein sei, aber ein Heuchler wie die Schriftgelehrten und Pharisäer. Die Aufforderung des Papstes lautet, »nicht verdorben zu sein wie die Söhne des Eli; nicht lau zu sein wie Eli; sondern zu sein wie Jesus, mit dessen Eifer, die Menschen zu suchen, sie zu heilen, sie zu lieben.«

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

5. Dezember 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN