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Verstockte Herzen

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Ein verstocktes Herz versteht selbst die größten Wunder nicht. Aber, »wie entsteht ein verstocktes Herz?« Das fragte sich Papst Franziskus in der heiligen Messe, die er am Freitag, den 9. Januar in Santa Marta feierte.

Über die Jünger heiße es im Abschnitt des Tagesevangeliums nach Markus (6,45-52), »dass sie nicht zur Einsicht gekommen waren, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt«. Und doch, erklärte Franziskus, »waren es die Apostel, die engsten Vertrauten Jesu. Aber sie verstanden nicht.« Obwohl sie beim Wunder anwesend gewesen seien, obwohl sie »gesehen hatten, dass all diese Menschen – über fünftausend –mit fünf Broten zu essen hatten«, hätten sie nicht verstanden. »Warum? Weil ihr Herz verstockt war.«

Sehr häufig spreche Jesus »im Evangelium von der Härte des Herzens«, er tadele das »störrische Volk«, weine über Jerusalem, »das nicht verstanden hat, wer er ist«. Der Herr setze sich mit dieser Härte auseinander. Der Papst unterstrich: »Jesus hat sehr viel Arbeit, um dieses Herz gefügiger werden zu lassen, seine Härte wegzunehmen, es liebevoll zu machen.« Eine »Arbeit«, die nach der Auferstehung weitergehe, bei den Emmausjüngern und vielen Anderen.

Aber, so fragte der Papst: Wie entsteht ein verstocktes Herz? Wie ist es möglich: diese Menschen, die immer, tagtäglich mit Jesus zusammen waren, ihn hörten, ihn sahen … und ihr Herz war verstockt. Wie kann ein Herz so werden?« Und Franziskus erzählte: »Gestern habe ich meinen Sekretär gefragt: Sag einmal, wie entsteht ein verstocktes Herz? Er hat mir geholfen, ein wenig darüber nachzudenken.« Anschließend wies der Papst auf eine Reihe von Umständen hin, die jeder mit seiner persönlichen Erfahrung vergleichen könne.

Vor allem verhärte sich das Herz »aufgrund schmerzlicher Erfahrungen, aufgrund harter Erfahrungen«. Das sei die Situation derer, die »eine sehr schmerzliche Erfahrung gemacht haben und kein neues Risiko eingehen wollen«. Genau das sei nach der Auferstehung den Emmausjüngern widerfahren, deren Überlegungen der Papst sich vorstellte: »›Es gibt viel zu viel Gerede, gehen wir ein wenig weg, denn…‹ Denn was? ›Oh, wir haben gehofft, dass er der Messias wäre. Er war es nicht. Ich will mir nicht noch einmal etwas vormachen, ich will mir keine Illusionen machen!‹«

Das sei das Herz, das aufgrund einer »schmerzlichen Erfahrung« verhärtet sei. Dasselbe habe Thomas erlebt: »Nein, nein, das glaube ich nicht. Wenn ich meinen Finger nicht dorthin lege, dann glaube ich nicht daran!« Das Herz der Jünger sei verstockt gewesen, »weil sie gelitten hatten«. In diesem Zusammenhang erinnerte Franziskus an ein argentinisches Sprichwort: »Wenn jemand sich an der Milch verbrannt hat, dann weint er, wenn er eine Kuh sieht.« Das heiße, so erklärte er: »Jene schmerzliche Erfahrung hält uns davon ab, das Herz zu öffnen.«

Ein weiterer Grund für die Verhärtung des Herzens sei dann »die Verschließung in sich selbst: in sich selbst eine Welt konstruieren«. Es geschehe, wenn der Mensch »in sich selbst, in seiner Gemeinschaft oder in seiner Pfarrei verschlossen ist«. Es handle sich um eine Abkapselung, die »um sehr viele Dinge kreisen kann: Stolz, Selbstzufriedenheit, Eitelkeit oder Überheblichkeit, weil man denkt, man sei besser als die anderen«. Der Papst erläuterte: »Es gibt den ›Spiegel-Mann‹ oder die ›Spiegel-Frau‹, die in sich selbst verschlossen sind, um sich unaufhörlich selbst zu betrachten.« Man könne sie als »religiöse Narzissten« bezeichnen. Diese »haben ein hartes Herz, weil sie verschlossen sind. Sie sind nicht offen. Und mit diesen Mauern, die sie um sich herum errichten, versuchen sie, sich zu verteidigen.«

Es gebe einen weiteren Grund für die Verhärtung des Herzens: die Unsicherheit. Das erlebe jener, der denkt: »Ich fühle mich nicht sicher und suche nach etwas, an das ich mich klammern kann, um sicher zu sein.« Das sei die typische Haltung von Menschen, »die sehr am Buchstaben des Gesetzes hängen«. So sei das der Fall gewesen »bei den Pharisäern, den Sadduzäern, bei den Schriftgelehrten zur Zeit Jesu«. Diese hätten eingewandt: »Aber das Gesetz sagt dieses, es sagt: bis hierhin…« und so »schufen sie ein neues Gebot«. Letztendlich »bürdeten die Armen sich 300 bis 400 Gebote auf und fühlten sich sicher«.

In Wirklichkeit seien dies »Menschen, die sich sicher fühlten, aber so wie eine Frau oder ein Mann hinter Gittern in der Gefängniszelle sicher sind: es ist eine Sicherheit ohne Freiheit.« Dabei sei Jesus gerade gekommen, um uns die Freiheit zu bringen. Der heilige Paulus habe Jakobus und auch Petrus getadelt, »weil sie die Freiheit nicht annehmen, die Jesus uns gebracht hat«.

Das sei die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: »Wie entsteht ein verstocktes Herz?« Denn wenn das Herz sich verhärte, »dann ist es nicht frei, und wenn es nicht frei ist, dann deshalb, weil es nicht liebt«. Ein Gedanke, der in der ersten Lesung des Tages zum Ausdruck komme (1 Joh 4,11-18), wo der Apostel von der »vollkommenen Liebe« spricht, die »die Furcht vertreibt«: »Furcht gibt es in der Liebe nicht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet. Er ist nicht frei. Er hat immer Angst, dass etwas Schmerzliches, etwas Trauriges passiert« und »es uns dann schlecht geht im Leben oder wir unser ewiges Heil aufs Spiel setzen«. In Wirklichkeit seien dies nur »Einbildungen«, weil dieses Herz ganz einfach »nicht liebt«. Das Herz der Jünger, erklärte der Papst, »war verstockt, weil sie noch nicht gelernt hatten zu lieben«.

Da könne man sich fragen: »Wer lehrt uns zu lieben? Wer befreit uns von dieser Härte?« Das könne »nur der Heilige Geist«, stellte Franziskus klar und präzisierte: »Du kannst tausend Katechesekurse machen, tausend Kurse in Spiritualität besuchen, tausend Yoga-, Zen-Kurse und was sonst noch. Aber das alles wird nie in der Lage sein, dir die Freiheit der Kinder zu schenken.« Nur der Heilige Geist »bewegt dein Herz, ›Vater‹ zu sagen«. Er allein »ist in der Lage, diese Härte des Herzens zu vertreiben, zu durchbrechen« und es »fügsam gegenüber dem Herrn zu machen. Fügsam für die Freiheit der Liebe.« Nicht ohne Grund sei das Herz der Apostel »bis zum Tag der Himmelfahrt verstockt« geblieben, da sie zum Herrn gesagt hätten: »Jetzt findet die Revolution statt und das Reich wird kommen!« In Wirklichkeit »verstanden sie nichts«. Und »erst als der Heilige Geist kam, haben die Dinge sich geändert«.

Abschließend sagte der Papst: »Bitten wir den Herrn also um die Gnade, ein fügsames Herz zu haben: dass er uns befreien möge von der Sklaverei des verhärteten Herzens« und »uns voranbringe in dieser schönen Freiheit der vollkommenen Liebe, der Freiheit der Kinder Gottes, die nur der Heilige Geist geben kann«.

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18. Januar 2020

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