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Verschiedenheit in Harmonie

· Messe in Santa Marta ·

Ein kleines pro memoria zur Kirche: das Fundament ist Christus, der Heilige Geist darf kein Unbekannter sein und die Gemeinden dürfen nicht zu einem Marktplatz der Weltlichkeiten zwischen Geld und Eitelkeiten werden. Der Aufruf, »die Kirche zu errichten, zu bewahren und zu reinigen« wurde von Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 9. November, lanciert.

»Heute gedenken wir der Weihe der Kathedrale dieses Bistums«, rief der Papst in Erinnerung und bezog sich dabei auf das Fest des Weihetags der Lateranbasilika. »Wir alle«, erklärte er, »gehören zur Diözese Rom, unsere Kathedrale feiert heute den Tag ihrer Weihe, und da sie die Kathedrale Roms ist, des Primatssitzes, wird sie die »Mutter aller Kirchen« genannt: so nennen sie unsere Kathedrale«.

»Das darf für uns kein Grund zum Stolz sein, sondern zum Dienst und zur Liebe«, erklärte Franziskus. »Unsere Kathedrale«, so unterstrich er, »ist die Mutter aller Kirchen, und wenn man an die Kirche von Rom denkt, an den Tag ihrer Kathedrale, und an die anderen Kirchen der Welt, und wenn man über die heutigen Lesungen nachdenkt, dann meine ich, dass wir von drei Worten sprechen können: die Kirche errichten, die Kirche bewahren und die Kirche reinigen«.

Vor allem »die Kirche errichten«. »Paulus ist in diesen wenigen Versen aus dem Brief an die Korinther klar«, den die heutige Liturgie vorlegt (3,9-11.16-17): »Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter«. Also: »die Kirche errichten, die Kirche erbauen«, so der Papst, der erneut unterstrich: »Jesus Christus ist das Fundament der Kirche, es gibt kein anderes«. Vielleicht könnte da einer sagen: »››ch kenne eine Frau, die eine Seherin ist, und ihr ist die Gottesmutter erschienen und hat ihr das gesagt‹: es ist in Ordnung, dass die Seher von ihren Dingen reden, doch das Fundament ist Jesus Christus, er ist der Eckstein dieses Gebäudes«.

»Ohne Jesus Christus gibt es keine Kirche, weil es dann kein Fundament gäbe«, so der Papst. Und »wenn man eine Kirche – denken wir an eine materielle Kirche – ohne Fundament errichtet, was passiert? Alles stürzt ein«. Ebenso: »wenn der lebendige Jesus Christus nicht in der Kirche ist, stürzt sie sein, und aus diesem Grund sagt Paulus: ›Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus‹«.

»Das Fundament wird nicht geändert«, erklärte Franziskus und fügte hinzu: »Und wir sind lebendige Steine – sagt der Apostel Petrus in seinem Brief –, die dieses Gebäude wachsen lassen: wir denken dabei in Bezug auf ein Gebäude, doch diese Gemeinschaft lässt mit dem eigenen Leben wachsen«. Und »bei einem Bau, wenn man ein Haus, einen Tempel baut, versucht man, dies so zu tun, dass die Steine gut einer neben den anderen gesetzt werden, dass sie in einer Reihe stehen: nicht gleich, denn dem Maß nach muss der eine kleiner, der andere größer sein, um so viel breiter, aber nicht mehr…«. Deshalb ist jeder der Steine anders, ein jeder von uns ist anders; und das ist der Reichtum der Kirche«. So sehr, dass »ein jeder von uns entsprechend der Gabe baut, die Gott ihm gegeben hat. Wir können nicht an eine uniforme Kirche denken: das ist nicht die Kirche«.

»In diesen Tagen«, fuhr Franziskus fort, »sprach Paulus zu uns von den Charismen, im elften, zwölften bis dreizehnten Kapitel des Briefs an die Korinther«. Er sagt, dass »ein jeder von uns ein Charisma hat, eine eigene Seinsweise: wer die Gabe der Lehre hat, soll lehren; wer die Gabe der Heiligung hat, soll heiligen; wer diese andere hat, der soll das tun«. Denn »es ist wie im Leib: die Hand braucht die Nase und die Augen, um zu sehen, wie sie etwas ergreift: sie ergänzen sich«. Und »ein jeder von uns leistet seinen Beitrag bei dieser gegenseitigen Ergänzung. Deshalb kann die Kirche nicht uniform sein; sie muss verschieden sein, doch in dieser Harmonie auf dem Fundament Jesus Christus geeint«.

Gerade das, so Franziskus weiter, »ist es auch, was an der Basis der Synodalität steht: die Kirche muss synodal sein, denn ein jeder von uns hat seine Charismen im Dienst der Einheit der Kirche«. Aus diesem Grund dürfe man nicht »vor den Unterschieden erschrecken: im Gegenteil, Schrecken ist angesagt, wenn jemand alles gleich machen will: nein, das geht nicht, das ist nicht Kirche«.

»Wir haben kein Trikot wie eine Fußballmannschaft«, so unterstrich der Papst: vielmehr »haben wir den Geist und ein unterschiedliches Charisma, doch in der Einheit«. So also »errichtet man die Kirche, erbaut man die Kirche: auf dem Eckstein, der Jesus Christus ist – und das kann nicht geändert werden – zusammen mit der harmonischen Unterschiedlichkeit, in Harmonie«. Und »die Harmonie ist unsere Liebe: wenn wir uns nicht gern haben, dann wird es keine Harmonie geben; wenn wir gegeneinander kämpfen, wenn wir schwätzen, wird es keine Harmonie geben und das Gebäude wird einstürzen«.

Und wenn »das erste Wort lautet: die Kirche erbauen, so ist lautet das zweite Wort: die Kirche bewahren«, erklärte der Papst. Doch »bewahren, damit es gut geht«, bedeutet gewiss nicht, »jedes Jahr« neue Farbe aufzutragen, um »sie zu tünchen«. Dagegen »bedeutet bewahren etwas anderes, es heißt, das wahre Leben der Kirche zu bewahren«. Paulus stelle sie so vor: »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?«. Es handelt sich also darum, »den Geist zu bewahren, der in uns wohnt, in der Kirche, in einem jeden von uns: den Heiligen Geist«. Aus diesem Grund »fragte Paulus, als er zu den ersten christlichen Gemeinden kam, mit großer Demut: ›Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?‹ – ›Aber wer ist das denn?‹«, sagten sie zu ihm, denn »sie wussten nicht einmal, dass es einen Heiligen Geist gibt«.

Eine Frage, die nicht nur jene erste christliche Gemeinde betrifft. »Wie viele Christen«, kommentierte der Papst, »wissen heute, wer Jesus Christus ist, wer der Vater ist, weil sie das Vaterunser beten; doch wenn du vom Heiligen Geist sprichst«, antworten sie: »›Ja, ja, ach ja, das ist die Taube‹, und damit endet es«.

Doch, so der Papst, »der Heilige Geist ist das Leben der Kirche, er ist dein Leben, mein Leben«. Und »wir sind der Tempel des Heiligen Geistes und müssen den Heiligen Geist bewahren, was so weit geht, dass Paulus den Christen rät, ›den Heiligen Geist nicht zu beleidigen‹, das heißt kein Verhalten zu zeigen, das gegen die Harmonie ist, die der Heilige Geist in uns und in der Kirche schafft«.

Der Heilige Geist ist daher »die Harmonie, er schafft die Harmonie in diesem Gebäude«. Doch »das Fundament ist nicht der Heilige Geist: das Fundament ist Christus«. Dagegen »schafft der Heilige Geist die Harmonie«. Während »die Herrlichkeit für den Vater ist«.

Es sei somit erforderlich, »die Kirche zu bewahren«, wiederholte der Papst, »weil der Heilige Geist in ihr ist; zu wissen, dass er es ist, der uns inspiriert: ›Wir machen das, wie machen das andere‹«. Denn »wenn uns diese guten Ideen kommen: ›der da ist gekommen, ich spreche mit dem anderen, aber lasst uns…‹, dann ist es der Geist, der bewegt«. Aus diesem Grund also sei es wichtig, »den Geist zu bewahren und ihn nicht zu betrüben«.

Nach »dem Errichten der Kirche und dem Bewahren der Kirche« lautete das dritte vom Papst hervorgehobene Wort »die Kirche reinigen«. Gerade »das Evangelium«, so Franziskus in Bezug auf den Abschnitt aus dem Johannesevangelium (2,13-22), »zeigt uns, was es heißt, die Kirche zu reinigen: als der Herr sah, was da am Eingang des Tempels geschah, sagte er nichts: er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus«.

»Wir sind alle Sünder: wir alle«, so der Papst, der hinzufügte: »Wenn es jemand von euch nicht ist, dann erhebe er die Hand, denn dass wäre ein schönes Kuriosum: wir alle sind es, und aus diesem Grund müssen wir uns ständig reinigen, und auch die Gemeinschaft reinigen: die Diözesangemeinschaft, die christliche Gemeinschaft, die universale Gemeinschaft der Kirche, um sie wachsen zu lassen«.

Das Evangelium berichte, dass Jesus sagt: »Schafft diese Dinge hier weg«. Aber »was waren das für ›Dinge‹? Die Rinder für das Opfer, die Tauben und das Geld der Geldwechsler«. Die einschüchternden Worte des Herrn lauteten: »Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!« Es sei »der Marktplatz der Weltlichkeiten, die Markthalle des Geldes, der Markt der Eitelkeiten: viele Märkte, die durch die Sünde in die Kirche eindringen«.

Deshalb also sei es notwendig, »sie immer zu reinigen«. Es gebe da Leute, gab der Papst zu, dieso weit gingen, um zu sagen: »Ich hätte Lust, eine Geißel zu nehmen, wenn ich einige Pfarrsekretariate mit ihrem Preisverzeichnis sehe: für eine Taufe« und so weiter. »Das aber ist nicht die Kirche, das ist eine Markthalle«, sagte der Papst. »Das ist ein Beispiel«, fügte er hinzu, »doch das ist der Markt der Eitelkeiten, der Markt, dass ich jener Vereinigung beitrete und dann Karriere machen will«. Statt dessen müsse man »reinigen, doch nicht mit dem Blick auf die Sünden der anderen, des anderen: auf meine Sünde. Und meine Sünde ist es, die aus der Kirche eine Markthalle macht«.

Abschließend bat der Papst darum, »diese drei Worte aus den heutigen Lesungen« nicht zu vergessen: »die Kirche auf dem Fundament Jesu Christi errichten; die Kirche bewahren, das heißt den Heiligen Geist bewahren; und die Kirche reinigen, in uns und auch in den Institutionen, zu denen wir gehen«. Und er lud zum Gebet »für die Kirche ein, da sie unsere Mutter ist: wir sind Söhne und Töchter der Kirche«, weshalb »der heilige Ignatius zu sagen liebte: ›Unsere heilige hierarchische Mutter Kirche‹«.

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