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Vergebung und Mission

Das Vaterunser – das Gebet, das der eine und einzige Herr die Jünger gelehrt hat – war die Herzmitte der Papstreise nach Genf. Es war ein Besuch von wenigen Stunden, für den sich Bergoglio entschieden hat, um »persönlich«, wie er selbst betont hat, an den Feiern zum siebzigsten Jahrestag der Gründung des Weltrats der Ökumenischen Kirchen teilzunehmen. Die zentrale Rolle des Vaterunsers trat in zwei Momenten besonders deutlich hervor: bei dem zu Herzen gehenden Notre Père von Rimski-Korsakow, gesungen in französischer Sprache von den Vertretern der über 300 christlichen Konfessionen, die den Papst willkommen hießen, und dann in der Abschlussmesse mit 40.000 Katholiken aus der ganzen Schweiz, wo Franziskus in der Predigt drei Worte dieses Gebetes par excellence kommentierte.

Es war eine sehr kurze, aber dennoch sehr positive Reise, die der Papst in seiner Bilanz während der Pressekonferenz auf dem Rückflug nach Rom in einem Wort zusammengefasst hat: Begegnung. Diese liegt Franziskus am Herzen, weil sie ein wesentliches Merkmal seines Pontifikats und zuvor noch seiner Lebenserfahrung als Christ, Jesuit und Bischof zum Ausdruck bringt, das heißt die Mission, jenen Auftrag, der diejenigen, die Christus nachfolgen wollen, dazu führt, aus sich selbst herauszugehen, um ihn in der Welt zu verkünden und zu bezeugen.

In der Ansprache zum siebzigsten Jahrestag des Ökumenischen Weltrats der Kirchen ging der Papst gerade von dieser Zahl aus, die in der Heiligen Schrift auf Vergebung, aber auch auf die Mission anspielt. Diese beiden Aspekte hat Bergoglio herausgehoben, denn Vergebung ist auch zwischen Christen notwendig, die sich im Lauf der Jahrhunderte aufgrund von Konflikten und Streitigkeiten getrennt haben: eine von der »diabolischen Spirale fortdauernder Zersplitterung« gezeichnete Geschichte, deren Richtung umgekehrt werden muss, wie dies die vielen Pioniere der Ökumene getan haben. Nur »die Liebe [kann] die Furcht vollständig vertreiben«, denn »das, was rettet, [ist] gerade die Einheit«, sagte der Papst mit einem Zitat des heiligen Gregor von Nyssa, einem Theologen und Mystiker aus der Zeit vor den großen Spaltungen in der Kirche.

Der Papst brachte dann in seinen Worten an die im Genfer Sitz der ökumenischen Institution vereinte christliche Welt eine große Sorge zum Ausdruck, dass nämlich »die Ökumene und die Mission nicht mehr so eng miteinander verbunden sind wie am Ursprung«. Sicherlich müsse man daran erinnern, »dass die Kirche Christi durch Anziehung wächst«, unterstrich Franziskus, aber »an Jesus Christus glaubt man nicht mittels einer Sammlung von Ja-Stimmen, und das Volk Gottes ist nicht auf den Rang einer NGO herabzustufen«. Er fügte hinzu, auf die Verkündigung des Evangeliums Bezug nehmend: »Wir wären der uns anvertrauten Sendung nicht treu, wenn wir diesen Schatz auf den Wert eines rein diesseitigen Humanismus reduzieren würden, der sich den Moden des Augenblicks anpasst.« Genauso wenig dürfe man diesen Schatz zurückhalten aus Angst vor den Herausforderungen der Welt, »unserer geliebten und geplagten Welt«, wie der Papst sie nannte.

Wir brauchen einen »neuen Schwung bei der Evangelisierung« betonte Franziskus und zeigte sich »überzeugt, dass, wenn der missionarische Schub wachsen wird, auch die Einheit unter uns wachsen« und »ein neuer ökumenischer Frühling« anbrechen wird, der erblüht im gemeinsamen Gehen, Beten und Arbeiten.

g.m.v.

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22. September 2018

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