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Vergeben, um Vergebung zu erlangen

· ​Messe in Santa Marta ·

»Leider« und »vorausgesetzt, dass«: mit diesen beiden Ausdrücken erklärte Papst Franziskus, was die Vergebung ist und wie sie wirklich zutiefst gelebt wird. Bei der Messe in Santa Marta am Dienstag, den 6. März, riet der Papst dazu, sich der Selbstanklage nicht zu schämen, »leider« ein Sünder zu sein. Und er rief in Erinnerung, dass der Herr immer bereit ist, uns zu vergeben, »vorausgesetzt, dass« wir den anderen vergeben.

»Immer auf diesem Weg der Umkehr, der die Fastenzeit ist, lässt uns die Kirche heute über die Vergebung nachdenken«, erklärte der Papst sofort, der sich fragte: »Was ist die Vergebung? Woher kommt die Vergebung?« Um auf diese Fragen zu antworten, ging Franziskus von den »beiden Lesungen vom Tag« aus, die »wir mit zwei einfachen Worten klären können: leider und vorausgesetzt, dass«. Gerade dies seien »die beiden Worte der heutigen Botschaft: leider und vorausgesetzt, dass«.

In der ersten Lesung aus dem Buch Daniel (3,25.34-43) »betet Asarja im glühenden Feuerofen zum Herrn bittet: ›Verwirf uns nicht für immer, Herr, schau auf uns‹«. Asarja »war im glühenden Feuerofen, weil er das Götzenbild nicht anbeten wollte: er betete allein Gott an«. Und in der Tat, »er tadelt Gott nicht, er sagt nicht: ›Da schau her, ich habe mich für dich preisgegeben, ich habe mein Gesicht für dich hingehalten, und auf diese Weise zahlst du es mir zurück?‹« Asarja also »spricht nicht so; er geht an die Wurzel« und frage: »Warum geschieht dies mir und unserem Volk? Weil wir gesündigt haben. Du bist groß, Herr, du bist groß. Du hast uns immer gerettet, aber leider haben wir gesündigt. Wir wollen dir dienen, aber leider sind wir Sünder«.

Gerade »in jenem Moment«, so der Papst weiter, »bekennt Asarja seine Sünde; die Sünde des Volkes. Er klagt sich selbst an«. Und tatsächlich »ist die Selbstanklage der erste Schritt hin zur Vergebung: ›Herr, nimm deine Barmherzigkeit nicht von uns weg. Wir sind klein geworden, wir haben Sünden. Ach könnten wir doch reuigen Herzens aufgenommen werden, mit gedemütigtem Geist!‹« Das also sei die Selbstanklage: »Wir haben gesündigt, du bist groß, leider habe ich gesündigt«.

»Sich selbst anklagen ist Teil der christlichen Weisheit«, unterstrich der Papst erneut. Gewiss: »Die anderen anzuklagen ist keine christliche Weisheit«. Dagegen sei es notwendig, »sich selbst« anzuklagen und zu sagen: »ich habe gesündigt«. Und »wenn wir zur Beichte gehen«, so der Rat des Papstes, müsse man »dies im Sinn haben: der große Gott, der uns so viel gegeben hat, und leider habe ich gesündigt, ich habe den Herrn beleidigt und bitte um das Heil«. Doch »wenn ich dem Sakrament der Beichte, der Buße nahetrete und beginne, von den Sünden der anderen zu reden, weiß ich nicht, was ich suche«, so der Papst: gewiss »suche ich keine Vergebung«. Vielmehr »trachte ich danach, mich zu rechtfertigen, und keiner vermag sich selbst zu rechtfertigen, allein Gott rechtfertigt uns«.

»Mir kommt da«, so gestand Franziskus, »jene historische Anekdote einer Frau in den Sinn, die zur Beichte ging und begann, von der Schwiegermutter zu reden: was die Schwiegermutter machte, wie sie sie leiden ließ«. Und »nachdem eine viertel Stunde vergangen war, sagt der Beichtvater zu ihr: ›Frau, ist gut, Sie haben die Sünden ihrer Schwiegermutter gebeichtet, beichten Sie jetzt die ihren!‹«

»Viele Male bitten wir den Herrn um Vergebung und rechtfertigen uns dabei, indem wir sehen, was die anderen uns Schlechtes angetan haben«, unterstrich der Papst erneut. Doch die rechte Haltung bestehe darin, anzuerkennen, dass »ich leider gesündigt habe«. Also »sich selbst anklagen«. Und »das gefällt dem Herrn, da der Herr das reuige Herz aufnimmt«. Diesbezüglich seien die Worte Asarjas deutlich: »Wer dir vertraut, wird nicht beschämt«. Denn »das reuige Herz sagt dem Herrn die Wahrheit: ›Ich habe das getan, Herr. Ich habe gegen dich gesündigt‹«. Doch »der Herr hält ihm den Mund zu, wie der Papa mit dem verlorenen Sohn, er lässt ihn nicht zu Wort kommen: seine Liebe bedeckt ihn, er vergibt alles«.

»Sich selbst anklagen« also. »Wenn ich zur Beichte gehe, was mache ich da? Rechtfertige ich mich oder klage ich mich an?«, so lautete die Frage, die Franziskus stellte. Verbunden mit dem Rat, »sich nicht zu schämen, er rechtfertigt uns: ›Herr, du bist groß, du hast mir vieles gegeben, leider habe ich gesündigt‹«.

»Der Herr vergibt uns, immer und nicht nur einmal«, so der Papst. »Er sagt uns«, so fügte er hinzu, »siebzigmal siebenmal zu vergeben, immer, weil er immer vergibt: ›Ich vergebe dir, aber vorausgesetzt, dass du den anderen vergibst‹«. Und mit Bezug auf den Abschnitt aus dem Matthäusevangelium (18,21-35) merkte der Papst an: »wenn du hingehst, um den Herrn wie jener Angestellte um Vergebung zu bitten, dann vergibt dir der Herr! Doch wenn dann der Angestellte seinem Kollegen nicht vergibt…«. Und so, fügte er hinzu, »wird die Vergebung Gottes mächtig in uns, vorausgesetzt, dass wir den anderen vergeben«. Doch, so warnte Franziskus, »es ist nicht leicht, das zu tun, denn der Groll nistet sich in unseren Herzen ein, und immer ist dann da diese Bitterkeit«. Denn »viele Male tragen wir ein Verzeichnis der Dinge mit uns herum, die uns angetan wurden: der da hat mir das getan, und das andere, und das auch. Ohne zu vergeben«.

»Ein Beichtvater«, fuhr der Papst fort, »hat mir davon erzählt, wie er einmal in Schwierigkeiten war, als er zu einer alten Frau ging, die im Sterben lag, um ihr die Beichte abzunehmen. Die alte Frau hat eine gute Beichte abgelegt und auch Geschichten aus ihrer Familie erzählt. Und er hat zu ihr gesagt: ›Aber Frau, vergeben Sie ihren Angehörigen?‹ – ›Nein, ich vergebe nicht‹«. Die Frau, so der Papst, »hing am Hass, der Teufel hatte sie an jenen Hass gekettet«. Und so »sagte jene alte – alte! – Frau, die im Sterben lag: ›ich vergebe nicht‹«. Der Beichtvater habe dann versucht, zu ihr von Jesus zu sprechen, »der gut war, und sie sagte: ja, er war gut, und so ging er um diesen Punkt herum und sagte zu ihr: ›Glauben Sie, dass Jesus gut ist?‹ – ›Ja, ja‹«. Und der Beichtvater »hat ihr die Lossprechung gegeben, aber der Hass versklavte sie«.

»Ich vergebe dir, vorausgesetzt, dass du den anderen vergibst: das sind die zwei Dinge, die uns helfen werden, den Weg der Vergebung zu verstehen«, so der Papst abschließend. Und dann müsse man »dem Herrn die Ehre erweisen: ›Du bist groß, Herr, viel Gutes hast du mir getan, leider habe ich gesündigt. Vergib mir‹ – ›Ja, ich vergebe dir, siebzigmal siebenmal, vorausgesetzt, dass du den anderen vergibst‹«. Der Herr »möge uns dies begreifen lassen«.

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