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Vergangenheit und Zukunft

Tirana und Sarajevo sind als Reisen von Papst Franziskus innerhalb Europas deutliche Zeichen für seine Entscheidung, dorthin zu gehen, wo noch vor gar nicht allzu langer Zeit das Leid am größten war. Das konnte man gleich sehen, als er beschloss, dass die erste Reise seines Pontifikats nach Lampedusa führen sollte, einen symbolischen Ort für die wiederholten Tragödien der Immigration, angesichts derer es nicht erlaubt ist, untätig zu bleiben oder sich zu verschließen, wie das leider oft der Fall ist. Und das zeigten auch seine Ansprachen in Straßburg vor den europäischen Institutionen, um die Politiker zu ermutigen, sich der Schwachen anzunehmen.

Bote des Friedens in einem Land, das noch unter den Folgen des ersten schweren europäischen Konflikts nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs leidet. Bergoglio hat den verantwortlichen Politikern gegenüber wiederholt – sich dabei aber an alle Einwohner von Bosnien und Herzegowina gewandt –, dass der Friede mit der Geduld und der Leidenschaft von Handwerkern Tag für Tag aufgebaut werden muss. Für dieses Anliegen hat er besonders in der heiligen Messe gebetet, zu der sich die katholische Minderheit versammelt hatte, die verfolgt wurde und deren Zahl in der letzten Zeit stark gesunken ist. Aber diese Minderheit wusste und weiß den Glauben durch die Vergebung zu bezeugen.

Wie bereits in Tirana war die Begegnung mit den Ordensleuten und dem Klerus in der Kathedrale sehr bewegend. Sie begann mit den Zeugnissen von Don Zvonimir Matjevic, Fra Jozo Puskaric und Schwester Ljubica Sekerija: Persönlich erlebte Begebenheiten der Verfolgung und des Martyriums, in denen dennoch das Licht zutiefst menschlicher Gesten einer Muslimin und sogar eines Verfolgers erstrahlte. Sichtlich bewegt umarmte und küsste der Papst die drei mittlerweile alt gewordenen Zeugen, die gezeichnet waren von den schweren Folgen der erlittenen Gewalt.

Der Papst übergab den vorbereiteten Text nur in schriftlicher Form und hielt stattdessen eine Meditation: diese Zeugnisse eines »Jesu Christi würdigen Lebens« sprechen für sich und dürfen nicht vergessen werden, aber um »Frieden zu stiften, um zu lieben, wie die Verfolgten geliebt haben«, indem sie den Glauben gelebt und weitergegeben haben. Es war eine Geschichte voller Grausamkeiten, aber: »Tut immer das Gegenteil der Grausamkeit, mit Zärtlichkeit, dem Beispiel dieser Märtyrer folgend«, sagte der Papst. Im Gedenken an die Vergangenheit, um gemeinsam mit den christlichen, muslimischen und jüdischen Gläubigen – mit denen Franziskus anschließend zusammentraf – eine andere Zukunft aufzubauen, eine Zukunft des Friedens.

Eine Zukunft, die Bergoglio bei der letzten Begegnung mit Hunderten nicht nur katholischer Jugendlicher erahnen konnte: Er beantwortete ihre Fragen zu einem Thema, das kennzeichnend ist für die zeitgenössische Gesellschaft, nämlich jenes der sich immer weiter ausbreitenden Kommunikation über die Medien. Aus eigener Erfahrung sprechend und seinen jungen Gesprächspartnern in die Augen blickend, wertete der Papst die neuen Medien nicht ab, aber er sagte, dass man wählen müsse und dass man wissen muss, was man wählen soll, denn auf dem Spiel stünden Freiheit und Würde des Menschen.

Was der Papst den jungen Menschen mit auf den Weg gab, betrifft sicherlich nicht nur diese leidgeprüfte Stadt und ebenso wenig allein Bosnien und Herzegowina. Mit dem Blick auf die Zukunft dürfen keine Mauern gebaut werden, sondern nur Brücken, sagte Bergoglio. Um in diesem schwierigen und langen Winter, der nicht enden zu wollen scheint, einen neuen Frühling einzuläuten, in dem der Friede erblüht.

Giovanni Maria Vian

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25. April 2019

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