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​Um die Geschichte wiedergutzumachen

Die kurze und wichtige Schweden-Reise des Papstes zum Gedenken an den 500. Jahrestag der Reformation bekräftigt, dass der Weg zur Einheit der Christen irreversibel ist. Ein Weg, der nicht verlassen werden darf, auch wenn sich abzeichnet, dass er noch lange und hindernisreich sein wird. Dieser so lange erhoffte und herbeigesehnte Weg hat dank des Wirkens und der Gebete von Frauen und Männern aller Konfessionen geduldig und hartnäckig Fortschritte gemacht. Bis er sich dann in den letzten Jahrzehnten – im katholischen Bereich vor allem im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil – klarer abgezeichnet hat, auch wenn die Hindernisse nicht einfach verschwunden sind. Heute wird uns immer klarer bewusst, dass das, was die Christen eint, weitaus mehr ist als das, was sie trennt, und gerade die Geschichte der Spaltungen, die oft seitens der Vertreter der weltlichen Macht noch verschärft wurden, müsste als Lehre herangezogen werden, um für die Zukunft zu arbeiten. Aber es ist die Geschichte selbst, deren Gewicht die Beziehungen zwischen den verschiedenen Konfessionen belastet, auch wenn in den vergangenen fünfzig Jahren wichtige Fortschritte erzielt worden sind, vor allem auf theologischer und lehrmäßiger Ebene.

Deshalb ist angesichts der Spaltungen jede neue Geste wichtig, wie beispielsweise dieses gemeinsame Gedenken der vor nahezu fünf Jahrhunderten von Luther eingeleiteten Reformation, der letzten der großen Spaltungen unter den Christen. Beide Seiten, Katholiken wie Lutheraner, wollen – trotz des Widerstandes in gewissen Kreisen, die sich darauf versteifen, auf die Vergangenheit zu pochen – diese neue Chance zur Begegnung in einer Art und Weise wahrnehmen, die am ehesten der Botschaft des Evangeliums entspricht, nämlich dem Eingeständnis der jeweiligen Verantwortung und der möglichen wechselseitigen Bereicherung. Auch dank eines theologischen Dialogs, der es in jüngster Zeit fertiggebracht hat, viele Kontroversen und Missverständnisse zu überwinden und der im Vorfeld des Großen Jubiläums des Jahres 2000, des ersten Millenniumsjubiläums in der Geschichte der Christenheit, in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre gegipfelt ist.

Nun muss weiter auf diesem Weg vorangegangen werden, eben weil »wir uns mit der Spaltung nicht abfinden können«, wie der Papst in Schweden wiederholt hat. Und zweifellos wird dieser Weg unterstützt durch die geistliche Ökumene, der die Homilie des Papstes in der Kathedrale von Lund ebenso neuen Ausdruck verliehen hat wie das Blut, das die Märtyrer aller Konfessionen in unserer Zeit vergossen haben wie auch die Ökumene der Nächstenliebe, die von Christen unterschiedlicher Konfession geübt wird. Also ist auch die neue gemeinsame Erklärung wichtig, die nun von Caritas Internationalis und dem Lutheran World Federation– World Service unterzeichnet wurde.

Vor allem aber ist es angesichts einer immer stärker säkularisierten Welt äußerst dringlich, dass sich die christlichen Bekenntnisse über ihre Verantwortung hinsichtlich des Zeugnisses und der Verkündigung des Evangeliums Christi befragen. Die Antwort des Papstes auf eine Frage, die während des Rückflugs nach Rom gestellt wurde, war in ihrer Bestätigung dieser dringlichen Frage, die letztlich einem Anliegen unzähliger Frauen und Männer unserer Zeit entspricht, symptomatisch. Der Papst hat erneut an die für die Kirche überaus ernste Gefahr der Verweltlichung, der Anpassung an die Mentalität der Welt, erinnert. Und er hat seine größte Sorge betont, die dem eigentlichen Sinn des ökumenischen Weges entspricht: eben dass das Evangelium wahrhaftig von einem jeden Christen bezeugt und verkündet werde.

g.m.v. 

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8. Dezember 2019

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