Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

So ist es beim Menschen, weil es bei Gott so ist

· Das Dokument der Internationalen Theologenkommission über Monotheismus und Gewalt ·

Wer erinnert sich nicht an die berühmte Kant’sche These, der zufolge »aus der Dreieinigkeitslehre, nach den Buchstaben genommen, sich schlechterdings nichts fürs Praktische machen [lässt], wenn man sie gleich zu verstehen glaubte (…). Ob wir in der Gottheit drei oder zehn Personen zu verehren haben, wird der Lehrling mit gleicher Leichtigkeit aufs Wort annehmen, weil er von einem Gott in mehreren Personen (Hypostasen) gar keinen Begriff hat, noch mehr aber, weil er aus dieser Verschiedenheit für seinen Lebenswandel gar keine verschiedene Regeln ziehen kann.«

Nach einem langen und ausgesprochen komplexen Prozess hatte sich das Europa der Aufklärung am Ende von der christlichen Gotteserfahrung entfernt. Seine intellektuellen Eliten waren folglich zu dem Schluss gelangt, dass die Dreifaltigkeit nicht nur schon an und für sich unverständlich, sondern auch für das Leben der Menschen und der Völker überflüssig sei.

Der Glaube an einen Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist fügte der vernünftigen Erkenntnis des einzigen Gottes des Deismus überflüssige Komplikationen hinzu. Komplikationen, die sich überdies in Subtilitäten übersetzten, die fürs Gemeinwohl schädlich waren. Darüber beschwerte sich Goethe: »Ich glaubte an Gott, an die Natur und an den Sieg des Guten über das Böse; aber den frommen Seelen war das nicht genug; ich sollte auch glauben, dass drei eins ist und eins drei; das widersprach dem Gefühl der Wahrheit in meiner Seele; noch sah ich, wie mir das im geringsten nützen sollte.«

Der Text der Internationalen Theologenkommission über Monotheismus und Gewalt will sich dieser Schwierigkeiten annehmen, die auch heute noch nicht wenige unserer Mitbürger teilen, vor einem Horizont, der wohl stärker noch damals gezeichnet ist durch den kulturellen und religiösen Pluralismus. Sie untersucht sie sowohl vom spekulativen Gesichtspunkt aus als von jenem ihrer anthropologischen und moralischen Implikationen. Während sich die ersten vier Kapitel der Aufgabe widmen, den trinitarischen Monotheismus zu rechtfertigen, wobei sie von dessen in Jesus Christus offenbarter Originalität ausgehen und dies theologisch und philosophisch vertiefen – vor allem, um sich mit dem weitverbreiteten Vorwurf auseinanderzusetzen, der Monotheismus – und vor allem der christliche Monotheismus –, sei intolerant und potentiell gewalttätig, erkundet das fünfte Kapitel einige Aspekte des Glaubens an den dreieinigen Gott, die mit dem persönlichen Leben des Menschen und der Gesellschaft zu tun haben.

Von Javier Maria Prades López

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

20. August 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN