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Rigide, aber wenigstens ehrlich

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Ein Gebet für die »heuchlerischen« Christen, die heute mit ihrem »Doppellleben« durch die Rigidität verblendet sind und »Sünden und Krankheiten der Persönlichkeit« verdecken, was so weit geht, dass sie niemanden respektieren, nicht einmal die Kinder: so lautete die Bitte von Papst Franziskus bei der Messe in der Kapelle von Santa Marta am Freitag, den 5. Mai. Mit einem Gedanken auch für all jene in der Kirche – vor allem für die jungen Menschen –, die der »Versuchung der Rigidität« verfallen, aber trotz dieses Fehlers »ehrlich« sind. »Der Herr – so die Hoffnung des Papstes – helfe ihnen, auf dem Weg der Milde zu wachsen.«

Bei seinen Betrachtungen ging Franziskus »vom Abschnitt aus der Bibel« aus dem Buch der Apostelgeschichte (9,1-20) aus, den die heutige Liturgie unterbreitete und den »wir viele Male gehört haben«. Und wenn wir ihn vielleicht kommentiert haben, »haben wir an das gedacht, was Saulus geschehen ist, und dann dabei zu einer gewissen Person gesagt: ›dem täte es gut, vom Pferd zu fallen‹«.

»Das erste Mal, dass der Name Saulus in Erscheindung tritt, ist bei der Steinigung des Stephanus«, erklärte der Papst. Saulus »war ein rigider, idealistischer Junge, mit der Rigidität des Gesetzes, das er in der Schule des Gamaliel gelernt hatte«. Und »er war überzeugt davon: deswegen war er dort und schaute, wie Stephanus – der für ihn die Sünde der Gotteslästerung begangen hatte – gesteinigt wurde«. Und »er billigt die Steinigung«.

Saulus, »dieser rigide Junge, war ehrlich: mit jener Rigidität, die zwar falsch ist, aber doch ehrlich«. Kurz »er glaubte und handelte«. Dagegen, so der Papst, »musste Jesus viele Male die Rigiden verurteilen, die nicht ehrlich waren«. Und »von diesen Gesetzeslehrern sagt er uns: ›Tut, was sie sagen, aber nicht, was sie tun.‹« Denn, unterstrich Franziskus, es »gibt da die Rigiden mit einem Doppellleben: sie lassen sich sehen, als seien sie schön, ehrlich, doch wenn sie keiner sieht, dann tun sie Hässliches«.

Das allerdings ist nicht der Fall bei Saulus: »Dieser Junge dagegen war ehrlich: er glaubte aufrichtig.« Und »wenn ich das sage, dann denke ich an die vielen jungen Menschen, die heute in der Kirche der Versuchung der Rigidität verfallen sind: Einige sind ehrlich, sie sind gut, wir müssen beten, dass der Herr ihnen helfe, auf dem Weg der Milde zu wachsen.« Gewiss: »Andere nutzen die Rigidität, um ihre Schwächen, Sünden, Krankheiten ihrer Persönlichkeit zu verdecken, und sie nutzen die Rigidität, um sich gegenüber den anderen zu behaupten.«

Als Saulus aufwuchs, war er »immer ehrlich, rigide« und »hatte den Eifer für das Gesetz: er initiierte Drohungen und Massaker gegen die Jünger des Herrn«. Im übrigen war für ihn das, was die Apostel predigten, »eine Häresie«, die nicht »toleriert« werden konnte. Und so »ist er zum Hohenpriester gegangen« und bat ihn, wie in der Apostelgeschichte zu lesen ist, um »Briefe für die Synagoge von Damaskus, dies mit dem Ziel, autorisiert zu werden, all jene in Ketten nach Jerusalem zu überführen, die er gefunden hätte, Männer und Frauen, die zu diesem Weg gehörten«. Saulus aber »ließ wenigstens die Kinder am Leben: heute – nicht einmal das!«

Saulus also »ist mit diesem Eifer nach Damaskus gegangen, um die Christen gefangen zu nehmen, damit sie in Ketten vor ihren Richter geführt und, wenn notwendig, auch gesteinigt werden«. Und so »kommt es dort zu der Begegnung jenes Mannes, der Drohungen und Massaker initiiert, mit einem anderen Mann, der in einer Sprache der Milde spricht: ›Saul, Saul, warum verfolgst du mich?‹« Und sofort fragt er: »Wer bist du, Herr?« Immer »mit Milde« die Antwort: »Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.«

So »wurde der rigide Junge, der zu einem rigiden – aber ehrlichen! – Mann geworden ist, zum Kind« und ließ sich »dahin führen, wohin ihn der Herr gerufen hatte: das ist die Kraft der Milde des Herrn«. Saulus »war blind nach dieser Vision« und wurde »an der Hand nach Damaskus geführt«. In seiner »Ehrlichkeit hat er nicht geklagt: er blieb in Stille«. Und »da er das Gesetz kannte, wusste er, dass der Weg das Gebet und Fasten war, und drei Tage betete und fastete er: blind, im Dunkeln, wartend«.

Dann betritt der »alte Hananias« die Szene, »der sich ein wenig beim Herrn beklagt«, da er gehört hatte, was Saulus den Christen in Jerusalem angetan hatte. Doch der Auftrag des Herrn an Hananias ist klar: »Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.«

»Jesus – so der Kommentar des Papstes – sagt zu Paulus nicht: ›Komm mit mir, ich werde dich zu einem König machen, ich werde dir Macht geben.‹« Im Gegenteil, er sagt zu ihm: »Du wirst leiden«, und »Paulus akzeptiert«. Also »sind die Kraft der Gnade des Herrn und die Ehrlichkeit des Paulus einander begegnet«. Und »so predigt dieser Mann ausgehend von der eigenen Erfahrung den anderen, von der einen Seite zur anderen: verfolgt, mit vielen Problemen, auch in der Kirche. Er hat auch erleiden müssen, dass seine Christen untereinander streiten.« Doch »er, der den Herrn mit dem Eifer des Gesetzes verfolgt hatte, wird zu den Christen sagen: ›Damit, womit ihr euch vom Herrn entfernt habt, habt ihr gesündigt, mit dem Geist, mit dem Leib, mit allem, mit denselben Gliedern seid nun vollkommen und verherrlicht Gott.‹«

So »gibt es also den Dialog zwischen der Genügsamkeit, der Rigidität und der Milde«, erklärte der Papst. Das heißt, »den Dialog zwischen einem ehrlichen Mann und Jesus, der zu ihm voll Milde spricht: So beginnt die Geschichte dieses Menschen, den wir als jungen Mann bei der Steinigung des Stephanus kennengelernt haben und der am Ende von den Christen verraten wird.« Vielleicht »ist das Leben dieses Mannes für einige ein ›Scheitern‹: schaut, was für ein Ende er genommen hat!« Auch weil »für einige« sogar »das Leben Jesu ein ›Scheitern‹ ist«, wenn man sich anschaut, »wie er endete«. Aber »das ist der Weg des Christen: vorwärts gehen in den Spuren, die Jesus hinterlassen hat, Spuren der Verkündigung, Spuren des Leidens, die Spur des Kreuzes, die Spur der Auferstehung«. Und gerade der Fürsprache des Saulus empfahl der Papst »heute, in besonderer Weise« »die Rigiden in der Kirche«, sowohl die »Rigiden und Aufrechten, wie Saulus es war, die voller Eifer sind, aber irren«, als auch die »rigiden Heuchler, jene, die ein Doppellleben führen, jene, zu denen Jesus sagte: ›Tut, was sie sagen, aber nicht was sie tun‹«. Deshalb »wollen wir heute für die rigiden Menschen beten«.

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15. Dezember 2019

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