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Reliquien unter dem Mikroskop

· Wissenschaft und Heiligenverehrung in einem Buch von Guido Barbujani ·

Im Allgemeinen pflegt man sich nie die Frage zu stellen, ob die Reliquien, die ehrfürchtig in einer Kirche aufbewahrt werden, authentisch sind: den Gläubigen und dem örtlichen Klerus reicht es, zu wissen, dass sie seit Jahrhunderten verehrt werden, dass sie Wunder vollbracht haben, und dass ihnen folglich durch eine lange Verehrung ein Zeugnis ausgestellt wurde. 

Aber der Bischof von Padua fasste 1998 den mutigen Entschluss, die Kapelle öffnen zu lassen, die die verehrten Überreste des heiligen Lukas enthielt, die in der Basilika Santa Giustina aufbewahrt werden, und sie einer Reihe interdisziplinärer Analysen unterziehen zu lassen, um im Rahmen des Möglichen festzustellen, ob sie wirklich die des Evangelisten sein könnten, oder ob es sich um einen jener unzähligen Betrugsfälle handle, die in der Geschichte der Christenheit den Verkauf oder Diebstahl von Reliquien begleitet haben.

Diese zugleich fesselnde und packende Forschungsarbeit wird von dem Genforscher Guido Barbujani in seinem Buch Lascia stare i santi. Una storia die reliquie e scienziati (wört.: »Lass die Heiligen in Ruhe. Eine Geschichte der Heiligen und der Wissenschaftler«; Turin, Einaudi 2014, 184 S., €EUR 16,50)€nacherzählt. Der Autor ist zwar nicht gläubig, aber das Problem, das seine Untersuchungen des DNAs des Skeletts, die Lektüre der Geschichte sowie Gespräche mit anderen Experten, die am Schluss zur Lösung führten, begleitete, hatte ihn neugierig gemacht.

Barbujani ist mehr am Lösungsweg als am Ergebnis interessiert: eine wissenschaftliche Untersuchung, die in auch für Fachfremde verständlicher Weise rekonstruiert wird und die den Genetiker auf der Suche nach biologischem Vergleichsmaterial für das aus einem Zahn des Körpers des (höchstwahrscheinlich aus Syrien stammenden) mutmaßlichen Lukas gewonnene DNA bis nach Syrien führt. Die Abenteuer der Reise, die in dieser Zeit erfolgten Begegnungen, die kurzen, aber intensiven Erfahrungen, die eine keineswegs nur touristische Reise mit sich bringt, werden allesamt humorvoll und mit literarischem Geschick nacherzählt.

Druckausgabe

 

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18. Juli 2018

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