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Päpstliche Politik

Die umfassende Sichtweise und das große Herz, die den Dienst der Kardinäle der Kirche von Rom kennzeichnen müssen und zu der Papst Franziskus sie explizit in einem eigenhändigen Brief auffordert, ist es auch, die die traditionelle Ansprache an das Diplomatische Korps, das heißt an die ganze Welt, durchzieht. 

Eine Ansprache, die einen Ausdruck aus der langen Notiz ins Gedächtnis ruft, die Paul VI. am 5. August 1963 in Castel Gandolfe niederschrieb, wenige Wochen nach der Wahl, gleichsam ein geistliches Programm des eben begonnenen Pontifikats: »Immer für das Wohl der anderen aufmerksame Initiative: päpstliche Politik«.

Und die päpstliche Politik, so unterstrich Franziskus, entspringt seinem »Herzen als Hirte« und der Aufmerksamkeit »gegenüber den Freuden und Leiden der Menschheit«, Worte, die das Echo des Beginns eines der bekanntesten Konzilsdokumente sind: Gaudium et spes. Und diese Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf die Familie, die der Familie des neugeborenen Jesuskindes ähneln muss: eine für alle offene Gemeinschaft, wo man die Brüderlichkeit erlernen kann.

Dem Bischof von Rom entgehen keineswegs die Schwierigkeiten, denen die Familie heute gegenübersteht, von der Schwächung des Zugehörigkeitsgefühls bis zu den allzu oft prekären Situationen, und daher fordert er politische Maßnahmen, welche die Familie unterstützen und festigen. Erneut lenkte der Papst die Aufmerksamkeit auf die Schwäche zweier gesellschaftlicher Gruppen – die alten Menschen und die Jugendlichen. Sie werden in der Tat ausgegrenzt von einer Kultur der Kurzlebigkeit, die sich letztendlich in einem gierigen und kurzsichtigen Konsum erschöpft und dabei die Zukunft vieler Gesellschaften gefährdet.

Und diese Abschottung ist es, die bekämpft werden muss, zugunsten einer Kultur der Begegnung. So in Syrien, wo der Krieg täglich Zerstörung, Gräueltaten und Tod sät. Der vom Papst im September ausgerufene Tag des Fastens und des Gebets war wichtig und hat unerwartete Zustimmung gefunden, aber auf diesem Weg bedarf es jetzt »eines erneuten gemeinsamen politischen Willens, um dem Konflikt ein Ende zu setzen«, während die »Genf 2«-Konferenz näher rückt. Und während die Diplomaten den Worten des Papstes zuhörten, fand in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften hinter verschlossenen Türen ein Seminar über diese tragische Situation in Syrien statt.

Auf internationaler Ebene finden die Sorgen um die Spannungen und die Gewalttaten im Libanon, im Irak und in Ägypten, in Afrika und Asien, ein positives Gegengewicht in den Anstrengungen, um den Millionen von Flüchtlingen aus Syrien zu helfen, die sich im Libanon und in Jordanien befinden, sowie in den Fortschritten in der iranischen Nuklearfrage. Und das ist der Königsweg, auf den der Heilige Stuhl, seit über einem Jahrhundert an der Front des Friedens aktiv, unermüdlich hinweist. Dafür setzte sich auch Benedikt XV. gegen das »nutzlose Blutbad« ein, hervorgerufen von dem schrecklichen Weltkrieg, auf dessen 100. Jahrestag sich Papst Franziskus bezog.

Vertrauensvoll und beharrlich weist der Papst auf jedes positive Anzeichen hin, aber er verhehlt nicht die Anprangerung von wiederholten und anhaltenden Tragödien, die weiterhin zahllose Opfer fordern, vor allem unter den Kindern, aufgrund von Hunger, Abtreibung, Krieg, Menschenhandel, »ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Der Friede – wiederholte Paul VI., an den sein Nachfolger heute erinnerte – ist in der Tat nicht nur die Abwesenheit von Krieg und »muss Tag für Tag aufgebaut werden«. Aber dafür ist der Beitrag aller notwendig, ohne Unterschied.

g.m.v

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18. Januar 2020

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