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​Orthodoxe Frauen

Sebastiana Papa (Auszug aus dem Buch »La Repubblica delle Donne«, Postcart/iccd 2013)

Nach der den evangelischen Frauen gewidmeten Monatsbeilage, die sich zu jener über jüdische Frauen hinzugesellt, und in Erwartung einer Nummer, die sich mit muslimischen Frauen befasst, sind wir nun bei der Ausgabe angelangt, die sich mit den orthodoxen Frauen beschäftigt. Ihre Erstellung entpuppte sich als eine Überraschung, die uns sehr bereichert hat. Denn das Kaleidoskop, das sich aus den Prismen der Stimmen und der Geschichten aus unserer Zeit und der Vergangenheit zusammensetzt, die hier erzählt werden – von der US-Amerikanerin Gayle Woloschak, einer weltberühmten Wissenschaftlerin und Theologin, bis hin zu der heiligen Mat’Marija [Mutter Maria Skobtsova], einer in Riga geborenen, in Sankt Petersburg aufgewachsenen und 1943 in Ravensbrück umgekommenen Mutter und Nonne – ist wirklich reichhaltig und faszinierend.

Von ihrer jeweiligen Ausbildung, ihrem Leben und ihrem Aktionsradius einmal völlig abgesehen, ergibt sich daraus ein Drang, die Rolle des Protagonisten zu spielen, der eine Folge des gleichermaßen einfachen wie radikalen Wunsches ist, den Gayle Woloschak folgendermaßen zusammenfasst: »Ich bin orthodox, eine praktizierende Christin, und interessiert daran, was in meiner Kirche geschieht.« Dieses leidenschaftliche Interesse – das es fertigbringt, zugleich kritisch, konkret und operativ zu sein – bringt (wie auch die Geschichte der Élisabeth Behr-Siegel demonstriert, die 1907 als Tochter eines aus dem Elsass stammenden lutheranischen Vaters und einer aus Böhmen stammenden jüdischen Mutter geboren wurde) die orthodoxen Frauen dazu, sich unablässig über die Art und Weise zu befragen, wie jede einzelne ihr Charisma innerhalb der Gemeinschaft ausleben könne.

Und während wir dem Zeugnis der Gattin eines Popen lauschen (»Es gibt Augenblicke, in denen du das exklusive Recht auf Liebe zu verlieren wähnst, natürlich nicht in der Substanz, sondern im Alltag«) oder die Worte der Prostituierten Sonja Marmeladowa aus Schuld und Sühne nachlesen (»der einzigen geistigen Leiterin« des von Gewissensbissen umgetriebenen Raskolnikow, wie Simonetta Salvestroni sie definiert), wird uns bewusst, wie viel uns dieses weibliche Universum in Wirklichkeit lehren könnte, das uns, obwohl es uns so nah ist, nach wie vor unbekannt ist .

(Giulia Galeotti)

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12. Dezember 2018

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