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Ohne Uhr zur Messe

· Messe in Santa Marta ·

Zur Messe geht man nicht mit der Uhr in der Hand, als müsse man die Minuten zählen oder einer Aufführung beiwohnen. Man geht vielmehr hin, um an Gottes Mysterium teilzunehmen. Und das gilt auch für alle, die nach Santa Marta zur Messe des Papstes kommen und die – wie der Papst heute früh, Montag, 10. Februar, den in der Kapelle seiner Residenz anwesenden Gläubigen sagte – »keine touristische Veranstaltung ist. Nein! Ihr kommt hierher, und wir versammeln uns hier, um ins Mysterium einzutreten. Und zwar in die Liturgie«.

Um den Sinn dieser nahen Begegnung mit dem Mysterium zu erläutern, erinnerte Papst Franziskus daran, dass der Herr nicht nur mit Worten zu seinem Volk gesprochen hat. »Die Propheten«, so sagte er, »übermittelten die Worte des Herrn. Die Propheten verkündeten. Der große Prophet Mose gab die Gebote, die das Wort Gottes sind. Und viele andere Propheten sagten dem Volk das, was der Herr wollte«. Gleichwohl, so fügte er hinzu, »hat der Herr auch auf eine andere Weise und in einer anderen Form zu seinem Volk gesprochen: durch die Theophanien (Selbstoffenbarungen Gottes). Also wenn er sich dem Volk nähert und spüren lässt, dass er da ist, wenn er seine Gegenwart genau mitten unter dem Volk spüren lässt«. Und abgesehen von der biblischen Geschichte, die Gegenstand der ersten Schriftlesung war (1 Kön 8, 1-7.9-13), erinnerte er auch an einige Stellen, die andere Propheten betreffen.

»Dasselbe geschieht auch in der Kirche«, erläuterte der Papst. Er tut dies durch Sein Wort, das im Evangelium und in der Bibel überliefert ist; er spreche zu uns durch die Katechese, durch die Predigt. Er spreche nicht nur zu uns, sondern er »wird auch gegenwärtig«, so präzisierte er, »inmitten seines Volkes, inmitten seiner Kirche. Es ist die Gegenwart des Herrn. Des Herrn, der sich seinem Volke nähert; der sich gegenwärtig macht und ein wenig Zeit mit seinem Volk verbringt«. Das geschehe während der liturgischen Feier, die mit Sicherheit »kein guter sozialer Akt« sei, wie der Bischof von Rom weiter erklärte, »und es ist keine Versammlung von Gläubigen, um miteinander zu beten. Es ist etwas anderes«, weil »in der Eucharistiefeier Gott gegenwärtig ist« und sich, wenn möglich, »noch näher« gegenwärtig macht. Es handle sich dabei, so sagte der Papst weiter, »um eine Realpräsenz«. Und »wenn ich von der Liturgie spreche«, so präzisierte der Papst, »dann beziehe ich mich in erster Linie auf die Heilige Messe. Wenn wir die Messe feiern, dann geben wir keine Vorstellung des Letzten Abendmahles«. Die Messe »ist keine Vorstellung; sie ist etwas anderes. Sie ist gerade das Letzte Abendmahl selbst; in ihre erlebt man erneut das Leiden und den Erlösungstod des Herrn. Sie ist eine Theophanie: der Herr wird auf dem Altar gegenwärtig, um dem Vater für das Heil der Welt dargebracht zu werden«.

Darauf brachte der Papst, wie es seine Gewohnheit ist, wieder ein unter den Gläubigen übliches Verhalten zur Sprache: »Wir hören oder sagen: ›Nein, ich kann jetzt nicht, ich muss zur Messe gehen, ich muss gehen, um die Messe zu hören‹. Die Messe hört man nicht, man nimmt an ihr teil. Und man nimmt an dieser Theophanie teil, an diesem Mysterium der Gegenwart des Herrn unter uns«. Es ist etwas anderes als unsere anderen Formen der Devotion, führte er weiter aus, indem er das Beispiel der lebenden Krippe anführte, »die wir an Weihnachten in den Pfarreien darstellen, oder der Kreuzweg, den wir in der Karwoche gehen«. Das, so erläuterte er, seien Darstellungen; die Eucharistie hingegen sei »ein reales Gedächtnis, also eine Theophanie. Gott nähert sich und ist unter uns gegenwärtig, und wir nehmen teil am Mysterium der Erlösung«.

Der Papst hob dann eine weitere Verhaltensweise hervor, die unter den Christen weit verbreitet sei: »Wie oft«, so merkte er in der Tat an, »zählen wir die Minuten … ›ich habe nur eine halbe Stunde, ich muss zur Messe gehen …‹«. Das »ist nicht die angemessene Haltung, die die Liturgie von uns fordert: die Liturgie ist Zeit Gottes und Raum Gottes, und wir müssen dort hineingehen, in die Zeit Gottes, in den Raum Gottes, und nicht auf die Uhr schauen. Die Liturgie besteht gerade darin, in Gottes Mysterium einzutreten; sich zum Mysterium tragen zu lassen und im Mysterium zu sein«.

Und an die Teilnehmer der Messe gewandt fuhr er fort: »Ich bin mir beispielsweise sicher, dass ihr alle hierherkommt, um ins Mysterium einzutreten. Aber vielleicht hat jemand gesagt, ›ich muss nach Santa Marta in die Messe gehen, weil es Teil des touristischen Rundgangs in Rom ist, dass man jeden morgen den Papst in Santa Marta besucht … Nein! Ihr kommt hierher, wir versammeln uns hier, um ins Mysterium einzutreten. Und das ist die Liturgie, die Zeit Gottes, der Raum Gottes, die Wolke Gottes, die uns alle umhüllt«.

Dann teilte Papst Franziskus noch einige seiner Kindheitserinnerungen mit den Anwesenden: »Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, dass man uns, als wir uns auf die Erstkommunion vorbereiteten, singen ließen ›O heiliger Altar, behütet von den Engeln‹, und das machte uns verstehen, dass der Altar von den Engeln behütet wurde, es vermittelte uns ein Gefühl für die Herrlichkeit Gottes, für den Raum Gottes, die Zeit Gottes. Und dann, als sie uns für die Kommunion proben ließen, brachten sie die Hostien, um zu proben, und sagten zu uns: ›schaut, das hier sind nicht diejenigen, die ihr erhalten werdet; diese hier sind nichts wert, weil sie erst noch konsekriert werden müssen‹. Sie brachten uns bei, gut das eine vom anderen zu unterscheiden: die Erinnerung vom Gedenken«. Folglich bedeute das Feiern der Liturgie »diese Bereitschaft zu haben, in Gottes Mysterium einzutreten«, in seinen Raum, in seine Zeit.

Und indem er zum Schluss kam, lud der Papst die Anwesenden ein, »den Herrn heute darum zu bitten, uns allen dieses Gespür für das Heilige zu geben, dieses Gespür, das uns verstehen lässt, dass es eine Sache ist, zu Hause zu beten, in der Kirche zu beten, den Rosenkranz zu beten, viele schöne Gebete zu sprechen, den Kreuzweg zu gehen, die Bibel zu lesen; etwas anderes ist hingegen die Euchariefeier. In der Messe treten wir in das Mysterium Gottes ein, in jenen Weg, den wir nicht kontrollieren können: Er allein ist der Einzige, Er ist die Herrlichkeit, Er ist die Macht. Bitten wir um diese Gnade, dass der Herr uns lehren möge, in das Mysterium Gottes einzutreten.

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5. Dezember 2019

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