Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Niemand kann über dich urteilen

· Messe in Santa Marta ·

Wer bin ich, dass ich über andere urteile? So lautet die Frage, die man an sich selbst stellen muss, um der Barmherzigkeit Raum zu verschaffen, dem richtigen Verhalten, um Frieden unter den Menschen, unter den Nationen und in unserem Inneren stiften zu können. Und um barmherzige Männer und Frauen sein zu können, müssen wir zunächst zugeben, dass wir Sünder sind, um dann unser Herz weit zu machen, um die uns zugefügten Beleidigungen vergessen zu können.

Gerade die Barmherzigkeit stand im Mittelpunkt der Predigt, die der Papst am Montag früh, 17. März, während der Messe in der Kapelle des Hauses Santa Marta hielt. Unter Berufung auf die Lesungen aus dem Buch des Propheten Daniel (9,4-10) und aus dem Lukasevangelium (6, 36-38) erläuterte der Heilige Vater, dass »die Aufforderung Jesu, barmherzig zu sein, dazu diene, uns ihm anzunähern, um besser unserem Gottvater nachfolgen zu können: seid barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist«. Aber, wie der Papst unverzüglich zugab, »es ist nicht leicht, diese Einstellung der Barmherzigkeit zu verstehen, denn wir sind daran gewöhnt, den anderen die Rechnung zu präsentieren: Du hast dieses getan, daher musst du jetzt jenes tun«. Kurz gesagt, »wir urteilen, wir haben diese Angewohnheit, und wir sind nicht Menschen«, die »Spielraum für das Verständnis und auch für die Barmherzigkeit« lassen.

»Um barmherzig sein zu können, bedarf es zweier innerer Einstellungen«, so bekräftigte der Papst. Die erste bestehe in »der Selbstkenntnis«. In der ersten Schriftlesung berichtet Daniel über das Gebet des Volkes, das vor Gott bekennt, gesündigt zu haben und sagt: »Wir haben dies getan, aber du bist im Recht; uns aber steht die Schamröte im Gesicht«. Der Papst erläuterte diese Bibelstelle so, dass »die Gerechtigkeit Gottes sich angesichts des reuigen Volkes in Erbarmen und Vergebung verwandelt«. Und bezieht auch uns mit ein, indem er uns dazu auffordert, »dieser Einstellung etwas Platz einzuräumen«. Also bestehe der »erste Schritt, um barmherzig zu werden, darin, einzugestehen, dass auch wir viele Dinge getan haben, die nicht gut sind: wir sind Sünder!« Man müsse dazu imstande sein, zu sagen: »Herr, ich schäme mich dessen, was ich in meinem Leben getan habe«. Denn auch wenn »keiner von uns einen Menschen umgebracht hat«, so hätten wir doch »jeden Tag viele Sünden begangen«. So »ist es eine Gnade, zuzugeben, etwas gegen den Herrn getan zu haben und sich dessen vor Gott zu schämen: es ist die Gnade, ein Sünder zu sein!« Es sei einfach, zugleich aber auch »sehr schwer«, zu sagen: »Ich bin ein Sünder und ich schäme mich vor dir und bitte dich um Verzeihung«.

»Unser Vater Adam«, so versicherte der Papst, »hat uns ein Beispiel dafür gegeben, was man nicht tun darf«. In der Tat gebe er der Frau die Schuld, die Frucht gegessen zu haben und rechtfertige sich, indem er sage: »Ich habe keine Schuld«, sie sei es, »die mich auf diesen Weg gebracht hat!« Dasselbe tue dann aber auch Eva, die die Schuld der Schlange zuschiebe. Es sei hingegen wichtig, so betonte der Heilige Vater, einzugestehen, dass man gesündigt habe und dass man der Vergebung Gottes bedürfe. Man dürfe nicht nach Ausreden suchen und »die Schuld auf die anderen abwälzen«. Es könne sein, so fuhr der Papst fort, »dass der andere mir vielleicht dabei geholfen hat«, zu sündigen, »dass er mir den Weg dazu geebnet hat: aber ich habe es getan!« Und »wenn wir das tun, dann folgen daraus viele gute Dinge: wir werden Männer sein!« Im Übrigen »sind wir dank dieser inneren Einstellung der Reue besser dazu befähigt, barmherzig zu sein, denn wir spüren das Erbarmen Gottes auf uns«. Deshalb beten wir im Vaterunser nicht nur: »Vergib uns unsere Schuld«, sondern sagen auch: »wie auch wir vergeben unseren Schuldigern«. In der Tat, »wenn ich nicht vergebe, dann stelle ich mich ein wenig ins Abseits«.

Die zweite innere Einstellung, um barmherzig zu sein, bestehe darin, »das Herz zu weiten«. Gerade »die Scham, die Reue weitet das kleine, egoistische Herz, denn dies räumt dem barmherzigen Gott den Platz ein, um uns zu vergeben«. Was aber bedeute »das Herz zu weiten? Vor allem schaue man, wenn man zugebe, ein Sünder zu sein, nicht auf das, was die anderen getan haben. Und die eigentliche Frage sei diese: »Wer bin ich, dass ich über diesen Menschen urteile? Wer bin ich, dass ich über jenen tratsche? Wer bin ich, der ich dasselbe oder Schlimmeres getan habe?«

Im Übrigen »sagt der Herr im Evangelium: richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließenden Maß wird man euch beschenken«. Das sei die »Großzügigkeit des Herzens«, die der Herr uns zeige mit Hilfe »des Bildes der Menschen, die Korn holen gingen und ihre Schürze aufhielten, um noch mehr Korn zu empfangen«. In der Tat, »wenn du ein weites Herz hast, dann wirst du mehr empfangen!« Und ein »großes Herz mischt sich nicht in das Leben der anderen ein, es verurteilt nicht, sondern es vergibt und vergisst«, gerade so, wie »Gott meine Sünden vergeben und vergessen hat«.

Um barmherzig zu sein, müsse man also den Herrn anrufen – »denn es ist eine Gnade« – und »diese beiden Verhaltensweisen an den Tag legen: voller Scham die eigenen Sünden eingestehen« und die Sünden und Beleidigungen der anderen vergessen. So »haben der barmherzige Mann und die barmherzige Frau ein weites Herz: sie entschuldigen stets die anderen und denken an ihre eigenen Sünden«. Und wenn jemand zu ihnen sage: »hast du gesehen, was der getan hat?«, dann seien sie so barmherzig, zu erwidern: »aber mir reicht bereits das, was ich selber getan habe«.

Das, so empfahl der Papst, sei »der Weg der Barmherzigkeit, um den wir bitten sollen«. Wenn »wir alle, die Völker, die Menschen, die Familien, die Stadtviertel, dieses Verhalten an den Tag legen würden«, so rief er aus, »wie viel Frieden würde dann auf der Welt herrschen, wie viel Friede würde in unseren Herzen regieren, weil uns die Barmherzigkeit den Frieden bringt!« Und er schloss: »Erinnert euch stets: Wer bin ich, dass ich urteile? Sich schämen und das Herz weit machen: möge uns der Herr diese Gnade gewähren!«

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

15. September 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN