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Nie im Sitzen

· ​Morgenmesse in Santa Marta am 4. Mai ·

Eine Kirche, die »nicht sitzen bleibt«, die »die Unruhe der Menschen zu hören weiß« und die wie eine »Mutter« ihre Kinder zeugt, »ohne Proselytismus zu betreiben«, indem sie »die Freude« bezeugt, »Christ zu sein«. Dies ist die Sendung der Kirche, wie sie Papst Franziskus in der Predigt bei der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 4. Mai, umrissen hat. Eine Sendung, die nicht allein die Kirche von heute betrifft, sondern die Kirche aller Zeiten, wie dies der Lektüre der ersten Kapitel der Apostelgeschichte zu entnehmen ist, die die Liturgie in dieser Zeit unmittelbar nach Ostern unterbreitet.

Apostel, die – wie der Papst unterstrich – von Jesus als erstes eine Verheißung empfangen haben: »Ich werde alle Tage bei euch sein bis zum Ende der Welt«. Eine Bestätigung findet sich im Markusevangelium. Dort ist zu lesen, »dass die Apostel predigten und der Herr mit ihnen wirkte und das Wort mit wunderbaren Zeichen bestätigte«. Also, sagte Franziskus: »der Herr, Zeuge aus Gehorsam, ist in der Verkündigung gegenwärtig; von Anfang an begleitet er die Jünger, nie lässt er sie allein, auch nicht in den hässlichsten Momenten. Nie«.

Auf dieser Grundlage nimmt die Geschichte der Kirche ihren Anfang, die gut »in den »ersten acht Kapitel der Apostelgeschichte« zusammengefasst wird. Denn dort »sind die Verkündigung, die Taufe, die Bekehrungen, die Wunder, die Verfolgungen, die Freude und auch jene hässliche Sünde derer, die sich der Kirche nähern, um ihre eigenen Geschäfte zu machen, jene Wohltäter der Kirche, die am Ende dann die Kirche betrügen«. So findet sich in diesen ersten Kapiteln die Geschichte mit Hananias und Saphira.

In der Liturgie vom Tag wird ein Abschnitt aus der Apostelgeschichte vorgelegt (8,26-40), in dem von der »Bekehrung eines ›Wirtschaftsministers‹« die Rede ist, eines Funktionärs und Kämmerers der Königin von Äthiopien. »Der Geist sagt Philippus, zu ihm zu gehen«, so der Papst, der die Anwesenden einlud, persönlich die ganze Lesung zu lesen – »drei Minuten: lest sie in Ruhe, das wird euch gut tun«. Franziskus ging dann auf »drei Worte« ein, auf drei Schlüsselworte.

Vor allem machte er darauf aufmerksam, dass »der Geist, der Engel, zu Philippus sagt: ›Steh auf und geh‹«. Es handelt sich, so der Papst, um das »Zeichen der Evangelisierung, es ist dies ein Zeichen der Kirche«. Und weiter: »die Berufung der Kirche ist die Evangelisierung; das ist ihr großer Trost: evangelisieren«. Aber wie? »Steh auf und geh«. Der Papst erklärte: »Er sagt nicht: ›Bleib ruhig bei dir zuhause sitzen‹. Nein! Um dem Herrn immer treu zu sein, muss die Kirche auf den Füßen und unterwegs sein: ›Steh auf und geh‹«. Denn »eine Kirche, die nicht aufsteht, die nicht unterwegs ist, wird krank und endet in einer Verschlossenheit mit vielen psychologischen und spirituellen Traumata, verschlossen in der kleinen Welt des Geredes, der Dinge... verschlossen ohne Horizonte«. Dagegen ist die Aufforderung eindeutig: »Steh auf und geh, auf den Füßen und unterwegs«.

Fährt man in der Erzählung fort, tritt das zweite Wort hervor. Der Geist nämlich lädt Philippus ein, sich dem Wagen des Funktionärs zu nähern, »der ein jüdischer Proselyt war. Aus Äthiopien war er gekommen, um in Jerusalem Gott anzubeten«. Aus dem Text geht hervor, »dass sein Herz unruhig war, da er die Schrift las, während er im Wagen fuhr«. Und – merkte der Papst an – der Geist sagt zu Philippus nicht: »Predige ihm«, sondern »Trete näher, höre zu«.

Hier ist also ein weiteres Schlüsselwort, der »zweite Schritt«: der Schritt der »Kirche, die es versteht, zuzuhören, der Kirche, die darum weiß, dass in einem jeden Herzen Unruhe ist: alle Männer, alle Frauen haben eine Unruhe im Herzen, eine gute oder eine schlechte, doch die Unruhe ist da. Sie hört auf diese Unruhe«. Man muss also hören, was die Leute fühlen, was das Herz dieser Leute fühlt, was sie denken«. Auch wenn sie »Falsches« denken, denn es ist notwendig »zu verstehen, wo die Unruhe liegt«. Denn »wir alle haben die Unruhe in uns« und die Kirche muss »die Unruhe der Menschen finden«.

Eine Dynamik, die gut in dem Teil erzählt wird, in dem zu lesen ist, dass der Funktionär, als sich ihm Philippus näherte, die zu einer Frage inspiriert wurde: ›Sag mir, von wem redet diese Person?‹ – ›Der Prophet‹. Und er lässt ihn in den Wagen steigen«. Philippus »begann zu predigen, voll Sanftmut zu erklären. Und jene Unruhe fand eine Erklärung, die die Hoffnung jenes Herzens erfüllte«. All dies, so Franziskus, »ist möglich gewesen, weil Philippus nahe getreten ist und zugehört hat«. Und der Papst unterstrich erneut: »Zuhören, die Unruhe unserer Leute kennen«.

Schließlich ist da ein drittes Wort, und dieses lautet »Freude«. Der Papst ging den Abschnitt erneut durch und verdeutlichte die Evolution der Szene: »Jener Minister hörte und der Glaube, der Geist arbeitete in ihm; der Herr arbeitete dort. Er hörte und begriff, dass sich jene Prophezeiung auf Jesus bezieht, und der Glaube an Jesus wuchs in ihm bis zu dem Punkt, dass« er, als sie ans Wasser gelangt waren, »um die Taufe bat. Denn der Geist hatte in seinem Herzen gearbeitet«. Also »lassen wir den Geist im Herzen der Leute arbeiten«, so die Einladung des Papstes.

Daher also das wichtige Finale: nachdem er den Funktionär getauft hatte, wird Philippus vom Geist »anderswohin geführt, nach Aschdod«, und der Kämmerer »zog voll Freude weiter«. Das also ist das dritte Wort: »Die Freude des Christen«.

Papst Franziskus beendete seine Betrachtungen, indem er die wichtigsten Schritte zusammenfasste: vor allem »die Kirche auf den Füßen, die aufbricht: ›Steh auf und geh!‹«; dann »die Kirche – Schwester, Mutter, die zuhört, um die Unruhe zu finden, und mit der Gnade des Heiligen Geistes, mit dem Herrn, der dort ist, der das Wort mit den Zeichen bestätigt, findet sie das Wort, das zu sagen ist»; und dann »die Kirche und Mutter, die viele Kinder hervorbringt«, mit einer »Methode, die keinen Proselytismus betreibt«, sondern »die Methode des Zeugnisses aus Gehorsam ist«. Eine Kirche, »die heute sagt: ›Freue dich‹«.

Und »die Freude, Christen zu sein«, beschloss der Papst, lebt man »auch in den hässlichen Momenten««. Denn »nach der Steinigung des Stephanus brach eine große Verfolgung aus und die Christen verstreuten sich überall, wie der Same, den der Wind verweht. Und gerade sie sind es gewesen, die das Wort Jesu verkündeten«.

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20. November 2018

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