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Neuer Wein, neue Schläuche

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Keine Angst davor, die Dinge den Geboten des Evangeliums entsprechend zu verändern: »Die Kirche fordert uns alle zu einigen Veränderungen auf. Sie fordert uns auf, hinfällige Strukturen aufzugeben. Sie sind überflüssig.« Hingegen müsse »dem Gesetz der Seligpreisungen«, der »Freude« und der »Freiheit, die uns die Neuheit des Evangeliums bringt«, mehr Platz eingeräumt werden. Dies bekräftigte Papst Franziskus in der Frühmesse, die er am 5. September in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte.

Der Papst ging bei seiner Reflexion von dem in der Liturgie verlesenen Abschnitt aus dem Lukasevangelium (5,33-39) aus. »Diese Schriftgelehrten, diese Pharisäer«, sagte er, »wollten Jesus in Schwierigkeiten bringen und ihm eine Falle stellen.« Indem sie ihn daran erinnert hätten, dass Johannes und seine Jünger gefastet hätten, hätten sie ihm eine Frage gestellt: »Aber warum tut ihr nicht dasselbe – du, der du so eng mit Johannes befreundet bist, und deine Jünger, die Freunde von dessen Jüngern sind und Gerechte zu sein scheinen?« Eine Frage, die »Jesus dadurch beantwortet, dass er über zwei Dinge spricht: Er spricht von einem Fest, und er spricht von der Neuheit.«

Zunächst, so erläuterte der Papst, »spricht er über das Fest, ein Hochzeitsfest, und sagt: Aber wir sind doch in einer Zeit des Feierns! Hier ist etwas Neues, es gibt ein Fest! Etwas, das zusammengebrochen ist und etwas, das erneuert wird, das neu wird.« Und es sei »seltsam«, so merkte der Papst an, dass Jesus »am Schluss das Bildes des Weines gebraucht«, so dass man, »wenn man diesen Abschnitt liest, nicht umhin kann, dieses Hochzeitsfest mit dem neuen Wein von Kana in Verbindung zu bringen«. Im Grunde »ist das alles ein Symbol«, das »uns von der Neuheit berichtet«. Vor allem dann, wenn Jesus sage: »Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen.« Also »neue Schläuche für neuen Wein«. Gerade das sei »die Neuheit des Evangeliums«. Im Übrigen, so fragte sich Franziskus: »Was bringt und das Evangelium? Freude und Neuheit.«

»Diese Schriftgelehrten« hingegen, so fuhr er fort, »hatten sich in ihren Geboten, in ihren Vorschriften verschlossen.« Deshalb sage »uns der heilige Paulus, als er über sie spricht, dass wir alle gehütet waren unter dem Gesetz wie Gefangene, bevor der Glaube – also Jesus – gekommen ist«. Aber dieses Gesetz sei nicht schlecht gewesen: »Gehütet, aber Gefangene, in Erwartung, dass der Glaube komme.« Eben »dieser Glaube, der in Jesus selbst geoffenbart werden sollte«.

»Das Volk«, so bekräftigte der Papst, »hatte das Gesetz, das Mose gegeben hatte. Und dann noch viele dieser Bräuche und kleinen Gesetze, welche die Schriftgelehrten, die Theologen kodifiziert hatten.« Daher »hütete sie das Gesetz, aber so wie Gefangene. Und sie warteten auf die Freiheit, auf die endgültige Freiheit, die Gott seinem Volk durch seinen Sohn schenken sollte.«

Der heilige Paulus sage uns weiter, so der Papst, dass »Gott, als sich die Zeit erfüllt hatte, seinen Sohn sandte, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, um uns loszukaufen«. Und »die Neuheit des Evangeliums besteht hierin: uns loszukaufen vom Gesetz«. Hierzu merkte der Papst an: »Jemand von euch könnte zu mir sagen: Aber Vater, haben die Christen kein Gesetz? Doch! Jesus hat gesagt: Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen.« Und »die Fülle des Gesetzes besteht beispielsweise in den Seligpreisungen, im Gesetz der Liebe, der allumfassenden Liebe, so wie er, Jesus, uns geliebt hat«.

Deshalb, so fuhr der Bischof von Rom fort, »tadelt Jesus, als er diese Leute, diese Schriftgelehrten, zurechtweist, sie dafür, das Volk nicht mit dem Gesetz gehütet zu haben«, sondern es zum »Sklaven vieler kleiner Gesetze« gemacht zu haben, »vieler kleiner Dinge, die befolgt werden mussten«. Und dass sie dies getan hätten »ohne die Freiheit, die Jesus uns durch das neue Gesetz bringt, das Gesetz, das er durch sein Blut bestätigt hat«.

Das also »ist die Neuheit des Evangeliums, das Fest ist, das Freude ist, das Freiheit ist«. Es sei »gerade der Loskauf, auf den das gesamte Volk wartete, als es unter dem Gesetz stand – aber als Gefangene«. Und das sei auch »das, was Jesus uns sagen will: Jesus, was sollen wir jetzt tun?« Die Antwort laute: »Neuheit für die Neuheit; neue Schläuche für den neuen Wein.« Aus diesem Grund, so erläuterte der Papst, solle man sich nicht »davor fürchten, die Dinge den Geboten des Evangeliums entsprechend zu ändern, das ein Gebot des Glaubens ist«. Der heilige Paulus »nimmt eine gute Unterscheidung vor: Kinder des Gesetzes und Kinder des Glaubens. Neue Schläuche für neuen Wein.« Aus diesem Grund »fordert die Kirche von uns allen einige Veränderungen. Sie verlangt von uns, auf hinfällige Strukturen zu verzichten: sie sind überflüssig! Und neue zu Schläuche zu benutzen, jene des Evangeliums.«

Aus diesem Grund wies Papst Franziskus darauf hin, dass »man die Mentalität beispielsweise dieser Schriftgelehrten, dieser pharisäischen Theologen aus dem Geist des Evangeliums nicht verstehen kann. Das sind ganz verschiedene Dinge.« In der Tat »ist der Stil des Evangeliums ein anderer Stil, der das Gesetz zur Vollendung führt«, aber »auf eine neue Art: Es ist neuer Wein in neuen Schläuchen.«

Auf die Frage der Pharisäer und Schriftgelehrten, so stellte der Papst weiter fest, habe Jesus praktisch geantwortet: »Während wir ein Fest feiern, können wir nicht so wie ihr fasten. Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein.« Und als er das gesagt habe, habe er »an sein Leiden gedacht, er dachte an die Zeiten des Leidens für viele Christen, auch an unsere Leiden, überall wo das Kreuz sein würde«.

Gleichwohl bleibe die Tatsache bestehen, dass »das Evangelium Neuheit ist, dass das Evangelium ein Fest ist. Und nur mit einem freudigen und erneuerten Herzen kann man das Evangelium ganz leben.« Aus dieser Perspektive bat der Papst den »Herrn um die Gnade der Befolgung des Gesetzes: das Gesetz befolgen – das Gesetz, das Jesus zur Vollendung geführt hat – im Gebot der Liebe, in den Geboten, die sich aus den Seligpreisungen ableiten: jene Gebote des durch die Neuheit des Evangeliums erneuerten Gesetzes.« Der Herr, so schloss er, »möge uns die Gnade schenken, keine Gefangenen zu bleiben. Und er schenke uns die Gnade der Freude und Freiheit, welche die Neuheit des Evangeliums uns bringt.«

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11. Dezember 2019

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