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Nein zu den ideologischen Kolonialisierungen

· Messe in Santa Marta ·

Der Christ muss sein Zeugnis ablegen angesichts der »ideologischen und kulturellen Ideologisierungen«, die wie richtiggehende »Gotteslästerungen« klingen und wütende »Verfolgungen« auslösen. Sie führen schlechte »Neuheiten« ein und gelangen bis zu dem Punkt, es für normal zu erachten, »Kinder zu töten« oder »Völkermorde« zu verüben, um »die Unterschiede auszumerzen«, sie versuchen, mit Gott »aufzuräumen«, mit der Vorstellung, »modern« zu sein und mit der Zeit zu gehen. Als konkretes Zeichen, als Antwort auf die »kulturellen und geistlichen Kolonialisierungen«, die uns angetragen werden, verwies Papst Franziskus, wie dies die Liturgie bei der Messe am Dienstag, den 21. November, nahelegte, auf Eleasar.

»In der ersten Lesung«, merkte der Papst sogleich an und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem zweiten Buch der Makkabäer (6,18-31), »haben wir vom Martyrium eines Mannes gehört, der aufgrund seiner Treue zu Gott, zum Gesetz während einer Verfolgung zum Tod verurteilt wurde: es gibt viele Gründe für eine Verfolgung, doch wir können drei Hauptgründe nennen«.

Vor allem gebe es »eine Verfolgung aus rein religiösen Gründen: ich wende mich gegen deinen Glauben, weil mein Glaube nein sagt, und mit der Macht, die ich habe, führe ich eine Vorfolgung durch«, erklärte Franziskus. »Eine weitere Verfolgung, ein weiterer Grund beruht auf einem religiösen, kulturellen, geschichtlichen, politischen, religiös-politischen Motiv, wenn das Religiöse mit dem Politischen vermischt wird«, fügte er hinzu und forderte auf, »an den Dreißigjährigen Krieg, an die Bartholomäusnacht« zu denken: »diese religiös und politisch motivierten Kriege«.

Und weiter »gibt es ein rein kulturelles Motiv für Verfolgung: es kommt eine neue Kultur, die alles neu machen will, und mit den Traditionen, der Geschichte und auch mit der Religion eines Volkes aufräumt: das, wozu es in der heutigen Lesung kommt, das Martyrium Eleasars, ist gerade von dieser kulturellen Art«.

»Gestern begann die Erzählung von dieser kulturellen Verfolgung«, erklärte Franziskus und bezog sich dabei auf die Lesungen aus der Bibel des Wortgottesdienstes. »Einige«, fuhr er fort, »sahen die Macht und auch die großartige Schönheit von Antiochus Epiphanes, und auch die Kultur, die aus diesem Eck kam, und sagten: ›Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben, wir sind modern, diese sind moderner, diese sind richtig ›auf dem Stand der Zeit‹; wir hingegen machen weiter mit unseren Traditionen, die zu nichts nützen‹«.

Diesbezüglich wollte Franziskus gerade die Worte der Heiligen Schrift wiederholen: »Dieser Vorschlag gefiel ihnen, und einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben«. Und so, fügte Franziskus hinzu, baten sie nicht etwa darum, »die Ideen oder die Götter einzuführen, nein: die Institutionen, das heißt dieses Volk, das um das Gesetz des Herrn herum, um die Liebe des Herrn herum entstanden und gewachsen war, lässt durch seine Anführer neue Gesetze, eine neue Kultur eindringen, die mit allem aufräumt: mit der Kultur, der Religion, dem Gesetz, mit allem. Alles ist neu«.

»Die ›Modernität‹ ist eine wahre kulturelle Kolonialisierung, eine ideologische Kolonialisierung«, unterstrich der Papst erneut. Und »so will sie dem Volk Israel diese einheitliche Sitte auferlegen, alles wird so gemacht, es gibt keine Freiheit für anderes«. Doch »einige akzeptierten, da es ihnen als etwas Gutes erschien: ›Nein, es stimmt ja, wir müssen wie die anderen sein‹«. Und »diese Leute, die zu den neuen Institutionen kamen, machen reinen Tisch, räumen mit den Traditionen auf und das Volk beginnt, auf andere Weise zu leben«.

Gerade also »um die Geschichte zu verteidigen, um die Treue des Volkes zu verteidigen, um die Traditionen zu verteidigen, die wahren Traditionen, die guten Traditionen des Volkes, wird Widerstand geleistet, etwas Widerstand«. Die erste Lesung vom Tag, so erklärte Franziskus, sagt uns, dass »Eleasar nicht will: er war ein würdiger, ein hochgeachteter Mann, und er will es nicht tun«. Und wie er auch »viele andere, im Buch der Makkabäer wird die Geschichte dieser Märtyrer, dieser Helden berichtet«.

»Auf diese Weise«, fuhr er fort, »geht eine Verfolgung immer weiter, die aus einer kulturellen Kolonisierung, aus einer ideologischen Kolonisierung heraus entstanden war, die zerstört, alle gleich macht, die außerstande ist, Abweichungen zu tolerieren«. Besonders »ist da ein Schlüsselwort in der gestrigen Lesung – aus dem Buch der Makkabäer –, als diese Erzählung beginnt: ›In jenen Tagen ging ein besonders gottloser Spross hervor‹«, und »zwar Antiochus Epiphanes«. Es wird also »der Spross des Volkes Israel weggenommen und dieser Spross eingepfropft, der als gottlos qualifiziert wird, weil er im Volk Gottes diese neuen, heidnischen, weltlichen Sitten wachsen lässt und dies mit der Macht, mit der Herrschaft tut«. Und »das ist der Weg der kulturellen Kolonialisierungen, die schließlich auch die Gläubigen verfolgen«.

Im Übrigen, sagte der Papst, »müssen wir nicht in allzu weite Ferne gehen, um einige Beispiele hierfür zu sehen: denken wir an die Völkermorde des vergangenen Jahrhunderts, etwas Kulturelles, etwas Neues: ›Alle gleich, und raus mit denen, die kein reines Blut haben und mit denen…‹. Alle gleich, es gibt keinen Platz für Unterschiede, es ist kein Platz für die anderen, es ist kein Platz für Gott«. Das also ist »der gottlose Spross«. »Angesichts dieser ideologischen Kolonialisierungen, die aus der Perversion eines ideologischen Sprosses entstehen», so Franziskus, wird Eleasar selbst zum Spross: es ist interessant, Eleasar stirbt und denkt dabei an die Jugend«. Denn »drei Mal ist am Ende der heutigen Erzählung von der Jugend die Rede«. Eleasar sagt: »Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Der Jugend aber hinterlasse ich ein leuchtendes Beispiel, wie man mutig und mit Haltung für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines schönen Todes stirbt«. Und weiter: »weitere zwei Male spricht er von der Jugend«. Also: »Eleasar, der Märtyrer, er, der sein Leben aus Liebe zu Gott und zum Gesetz hingibt, wird zum Spross für die Zukunft: das heißt er schenkt Leben, lässt wachsen, lässt das Volk wachsen, und gegenüber jenem gottlosen Spross, der aufkeimte und diese ideologische und kulturelle Kolonisierung hervorbrachte, ist da dieser andere Spross, der sein Leben hingibt, um die Zukunft wachsen zu lassen«.

»Richtig, was aus dem Reich des Antiochus kam, war eine Neuheit«, fügte der Papst hinzu und forderte auf, sich zu fragen, ob »die Neuheiten alle einfache schlecht sind«. Die Antwort laute »nein«. Im Übrigen »ist das Evangelium eine Neuheit, Jesus ist eine Neuheit, er ist die Neuheit Gottes«. Daher also »muss man die Neuheiten unterscheiden: diese Neuheit – ist sie vom Herrn, kommt sie vom Heiligen Geist, kommt sie aus dem Spross Gottes, oder entstammt sie einem gottlosen Spross?« Und so »früher, ja, da war es Sünde, man durfte keine Kinder töten; doch heute darf man, das ist kein großes Problem, das ist eine perverse, gottlose Neuheit«.

Mehr noch: »Gestern waren die Unterschiede, wie sie Gott geschaffen hat, klar, die Schöpfung wurde respektiert. Doch heute sind wir ein wenig moderner: du machst, du verstehst, die Dinge sind nicht so viel anders und man vermischt die Dinge«. Und »das ist der gottlose Spross: die Neuheit Gottes vermischt nie, sie verhandelt nie; sie ist Leben, sie kommt heraus, sie ist der gute Spross, sie lässt wachsen, sie schaut in die Zukunft«.

Dagegen, so der Papst, »haben die ideologischen und kulturellen Ideologisierungen nur die Gegenwart im Blick, sie verleugnen die Vergangenheit und schauen nicht in die Zukunft: sie leben im Augenblick, nicht in der Zeit, und deshalb können sie uns nichts versprechen«. Und »mit dieser Haltung, alle gleich zu machen und die Unterschiede auszulöschen, sündigen sie, sie begehen die hässlichste Sünde der Lästerung Gottes, des Schöpfers«. Deshalb, rief der Papst in Erinnerung: » sündigt man jedes Mal, wenn es zu einer kulturellen und ideologischen Kolonialisierung kommt, gegen Gott, den Schöpfer, weil man die Schöpfung ändern will, wie er sie gemacht hat«.

Wie dem auch sei, so der Hinweis des Papstes, »gegen diese Tatsache, zu der es im Lauf der Geschichte viele Male gekommen ist, gibt es nur eine einzige Medizin: das Zeugnis, das heißt: das Martyrium«. Es gebe einige Menschen wie Eleasar, die »das Zeugnis des Leben geben und an die Zukunft denken, an das Erbe, das ich mit meinem Beispiel hinterlassen werde. In der Mehrheit das Zeugnis des Lebens: ich lebe so, ja, Dialog mit denen, die anders denken, doch mein Zeugnis ist so, nach dem Gesetz Gottes, nach dem, was Gott mir angeboten hat«.

Franziskus riet dazu, auf das Beispiel des Eleasar zu blicken: »In jenem Augenblick dachte er nicht: ›ich hinterlasse das Geld hier dem, ich hinterlasse das‹, nein, er dachte an die Jugend, er dachte an die Zukunft, er dachte an das Vermächtnis seines Zeugnisses, er dachte, dass jenes Zeugnis für die Jugend eine Verheißung der Fruchtbarkeit sein werde, und angesichts des gottlosen Sprosses wird er selbst zum Spross, um den anderen Leben zu schenken«. Deshalb, so der Papst abschließend, »möge uns dieses Beispiel in den Momenten der Verwirrung gegenüber den kulturellen und geistlichen Kolonialisierungen helfen, die uns vorgeschlagen werden«.

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13. Dezember 2017

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