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Mit allen ins Gespräch kommen

Dass Bergoglios Pontifikat auf den Spuren des in den vergangenen 50 Jahren vom Römischen Stuhl Gesagten entschieden die Sorge für die Umwelt zur Sprache bringen würde, war sofort zu spüren. Und zwar schon als der Papst bei seiner ersten Begegnung mit den Journalisten die Wahl seines gerade angenommenen Namens erläuterte: er bezog sich dabei auf die Liebe zu den Armen und zu den Geschöpfen, denen der Heilige von Assisi jenen wundervollen Lobgesang widmete, von dem nun die zweite Enzyklika des Papstes ihren Namen erhält.

Laudato si’ ist ein langes, stellenweise poetisches und bewegendes Dokument, das gut die radikale Neuheit – die zu den »radices«, den Wurzeln, das heißt zum Wesentlichen des Glaubens vordringt – von Papst Franziskus zeigt, in klarer Kontinuität mit der christlichen Tradition und mit seinen Vorgängern. In der Tat enthält der mit Ungeduld erwartete Text nicht wenige Neuheiten, während er in gewissen Kreisen a priori kritisiert und aus ideologischen Gründen zurückgewiesen wurde, was bis zu dem Versuch ging, seine Vorstellung durch Spielchen störend zu verdunkeln, die sicherlich weder uneigennützig noch unschuldig waren und sich wenig um das Fairplay des Journalismus kümmerten.

Jetzt ist die Enzyklika veröffentlicht und jeder, der sie lesen und darüber ehrlich diskutieren will, kann nicht umhin, deren Neuheiten wahrzunehmen. Das beginnt schon bei den Adressaten, zum ersten Mal richtet sie sich an »jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt«, und setzt sich fort in der Absicht: Wie im anderen großen persönlichen Dokument Bergoglios, Evangelii gaudium, beabsichtigt er, »einen immer noch ausstehenden Reformprozess in Gang zu setzen« und will deshalb »in Bezug auf unser gemeinsames Haus mit allen ins Gespräch kommen«.

Als Ergebnis breit gefächerter Erfahrungen und Forschungen kommt der Enzyklika das Verdienst zu, die christliche Reflexion der letzten 50 Jahre über die Umwelt mit der kulturellen und wissenschaftlichen Debatte zu verknüpfen, einer sehr lebhaften und von gegensätzlichen Extremismen gekennzeichneten Debatte, die in einem Kontext stattfindet, in dem Schwäche und Untätigkeit der Politik immer besorgniserregender werden. Und vor allem gelingt es dem Dokument, die aktuelle ökologische Sensibilität in der Tradition zu verwurzeln: von der Heiligen Schrift über Thomas und Bonaventura bis hin zu den Beiträgen zweier zeitgenössischer Theologen wie Romano Guardini und Pierre Teilhard de Chardin. Daneben öffnet es sich auch für nicht-christliche geistliche Autoren, darunter ein muslimischer Mystiker.

Wie in keinem anderen Papsttext zuvor bekommt die Stimme der Bischöfe der ganzen Welt Gewicht, denn nicht weniger als 20 Mal verweist Laudato si’ auf in den vergangen 30 Jahren von Bischofskonferenzen oder Bischöflichen Kommissionen veröffentlichte Dokumente oder zitiert daraus. Ohne die Bedeutung zu vergessen, die die Enzyklika den Traditionen des östlichen Christentums zumisst, und insbesondere dem zeitgenössischen orthodoxen Denken. Denn lange schon haben die Reflexionen von Patriarch Bartholomaios maßgebliche Bedeutung gewonnen, und vielsagend ist auch die Tatsache, dass die Enzyklika im Vatikan unter anderen von Ioannis Zizioulas vorgestellt wurde, einem bedeutenden Theologen, der heute Metropolit von Pergamon ist.

Mit dieser Enzyklika bringt Papst Franziskus sicherlich ein von vielen Menschen in der ganzen Welt über jede Religionszugehörigkeit hinweg geteiltes Empfinden zum Ausdruck. Er möchte einen Beitrag anbieten, der »nicht beansprucht, die wissenschaftlichen Fragen zu lösen, noch die Politik zu ersetzen«, sondern der »zu einer ehrlichen und transparenten Debatte« auffordert, in der ein sakrosanktes Prinzip wie das der Vorbeugung in die Praxis umgesetzt werden soll. Auf dem Spiel stehen das Schicksal der Erde, des »gemeinsamen Hauses«, und die Zukunft der Armen, die am stärksten betroffen sind vom Verfall der Umwelt, den zu leugnen unsinnig wäre. Daher fordert der Papst zu ihrer Bewahrung auf – in der Erwartung und in der Kontemplation des Schöpfers.

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15. Dezember 2019

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