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In dieser Welt der Sklaven

· Messe in Santa Marta ·

Wir leben in »einer Welt von Sklaven«, von »Frauen und Männern«, die durch kulturelle Kolonisierungen, Kriege, Hunger »verfolgt werden«, die physisch wie auch im Hinblick auf die Würde zerstören: Um diese gewaltigen Ungerechtigkeiten zu erklären, ist es notwendig, zu verstehen, dass hinter all dem der Teufel steht. Eine starke Einladung, »das Bild Gottes, das in uns ist, wiederherzustellen«, lancierte Papst Franziskus bei der Feier der heiligen Messe in Santa Marta am Freitag, 1. Juni.

»Der Apostel Petrus lenkt die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf die Tatsache der Verfolgung«, erklärte der Papst, der die ersten Worte des Abschnitts aus dem ersten Brief des Apostels Petrus (4,7-13) zitierte: »Geliebte, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße«. Denn »die Verfolgung ist nichts Ungewöhnliches, sagt Petrus: wundert euch nicht, sie ist nichts Ungewöhnliches«.

»Die Verfolgung«, so Franziskus, »ist Teil des christlichen Lebens, mehr noch: verfolgt zu werden, ist eine Seligpreisung: ›Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Selig seid ihr‹«. Und »auch Jesus wurde verfolgt und in der Verfolgung getötet«. Das gehe so weit, erklärte der Papst in Bezug auf den Abschnitt aus dem Markusevangelium (11,11-25), dass, »als er das im Tempel tut, zur Reinigung des Tempels, ihn die Hohepriester – das ist die oberste anwesende Autorität – und die Schriftgelehrten hörten, und nach einer Möglichkeit suchten, ihn umzubringen«. Also wurde Jesus »aufgrund seiner Treue zum Vater verfolgt«. Und außerdem, so der Papst: »Vom ersten Augenblick an, nach dem Martyrium des Stephanus, brach eine große Verfolgung in der ganzen Kirche aus: von Anfang an«.

»Die Verfolgung ist ein wenig ›die Luft‹, die der Christ auch heute atmet«, so der Papst, »denn auch heute gibt es viele Märtyrer, viele, die der Liebe zu Christus wegen verfolgt werden«. Heute »haben die Christen in vielen Ländern keine Rechte: wenn du ein Kreuz trägst, dann kommst du ins Gefängnis, und da sind Leute im Gefängnis; da sind heute Menschen, die zum Tod verurteilt werden, weil sie Christen sind«. Franziskuserinnerte: »Menschen sind getötet worden, und die Zahl sehr viel höher als die der Märtyrer der ersten Zeiten. Höher!«

Und dennoch »ist das keine Nachricht wert, und aus diesem Grund veröffentlichen die Nachrichtensendungen, die Zeitungen diese Sachen nicht«. Doch »die Christen werden verfolgt und auch das muss uns über unser Christsein nachdenken lassen«. Das Problem sei, dass ich schließlich »ein ruhiger Christ bin, dass ich mein Leben voranbringe, ohne diese Brüder und Schwestern zu bemerken, die verfolgt werden«.

Gerade »aus diesem Grund hilft uns das Wort des Petrus, umzudenken, über das Christsein nachzudenken: ›Geliebte, lasst euch durch die Feuersglut – die Feuersglut –, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße‹«. Die Verfolgung »ist eine Sache aller Tage auch heute, und heute mehr als in den ersten Zeiten«, wiederholte der Papst. Und »das ist die Verfolgung gegenüber den Christen, die eine Seligpreisung ist«.

»Aber es gibt heute auch noch eine weitere Verfolgung in der Welt«, warnte Franziskus: »eine andere Verfolgung, nicht die der Christen, weil sie Christen sind, sondern die eines jeden Mannes und einer jeden Frau, weil sie lebendiges Bild Gottes sind«. Denn »hinter jeder Verfolgung – sowohl der Christen als auch der Menschen schlechthin – steht der Teufel, steht Satan, der versucht, das Bekenntnis zu Christus in den Christen und das Bild Gottes im Mann und in der Frau zu zerstören«.

Im Übrigen habe der Teufel »von Anfang an versucht– das können wir im Buch Genesis lesen –, jene Harmonie zwischen Mann und Frau zu zerstören, die der Herr geschaffen hat, jene Harmonie, die daher rührt, Bild und Gleichnis Gottes zu sein«. Und »es ist ihm gelungen, dies zu tun, durch Täuschung, durch Verführung, mit den Waffen, deren er sich bedient: immer handelt er so«. Doch »auch heute gibt es eine Kraft, ich würde sagen eine Art verbissenen Kampfes gegen den Mann und gegen die Frau, denn anders ließe sich diese anwachsende Welle von Zerstörungen gegenüber dem Mann, der Frau, dem Menschlichen nicht erklären«.

»Denken wir an das Phänomen des Hungers«, sagte der Papst. Der Hunger »zerstört Mann und Frau, weil sie nichts zu essen haben«. Und dennoch »gibt es viel Nahrung in der Welt, doch viele Leute haben nichts zu essen«. Für den Papst »erklärt sich diese Ungerechtigkeit daraus, dass es da einen gibt, der dafür sorgt, dass sie nichts zu essen haben«. Und er riet: »denkt an die Ausbeutung des Menschen, an die verschiedenen Formen der Sklaverei, die es heute gibt: der Mann, die Frau, Sklaven der anderen, um sie zu zerstören«. Und »die Zahl der Sklaven in der Welt ist groß«.

Aus dieser Perspektive gestand der Papst: »Vor kurzem konnte ich einen Film sehen, der heimlich über ein Gefängnis gedreht wurde, das Migranten aufnimmt, die geflohen waren und auf dem Meer wieder aufgegriffen wurden: die Folter, die Zerstörung jener Leute, um sie zu Sklaven zu machen, heute, siebzig Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte. Heute!« Es finde »eine Verfolgung des Mannes und der Frau [statt], um sie zu zerstören«. Dann, fuhr er fort, »denken wir an die kulturellen Kolonisierungen, wenn die Imperien Verordnungen ihrer Kultur gegen die Unabhängigkeit aufzwingen, gegen die Kultur der Menschen, sie zwingen Dinge auf, die nicht menschlich sind, um zu zerstören: sie erlegen den Tod auf, die Zerstörung«.

»Der Herr verstand diesen Weg gut: was Satan will, ist die Zerstörung der Würde, und deshalb verfolgt er«, erklärte der Papst. »Der Herr«, unterstrich er, »verstand das gut, als er ihn da nach oben brachte, über den Tempel. Er ließ ihn alle Reiche der Welt sehen: ›Das wird dein sein, wenn du mich anbetest, wenn du verleugnest, Bild Gottes zu sein‹«.

»Und am Ende«, so Franziskus weiter, »können wir an die Kriege als Instrument der Zerstörung der Menschen, des Bildes Gottes denken«. Aber »auch an die Menschen, die Kriege stiften, die sie planen, um Macht über die anderen zu haben: es gibt Menschen, die viele Waffenfabriken betreiben, um die Menschheit zu zerstören, um das Bild des Mannes und der Frau zu zerstören, sowohl physisch als auch moralisch als auch kulturell«. Und »man wird heute nicht nur verfolgt, weil man Christ ist«, wiederholte der Papst, sondern auch weil man »Bild Gottes ist, und aus diesem Grund verfolgt der Teufel sie, und die Imperien setzen die Verfolgungen heute fort«.

»Wir dürfen es uns nicht erlauben, naiv zu sein«, warnte der Papst: »heute werden in der Welt nicht nur die Christen verfolgt: die Menschen, der Mann und die Frau, werden verfolgt, weil es der Vater einer jeden Verfolgung nicht toleriert, dass sie Bild und Gleichnis Gottes sind. Und er greift an und zerstört jenes Bild«. Franziskus erkannte an, dass »es nicht leicht ist, das zu verstehen. Man muss viel Beten, um es zu verstehen«. Deshalb sprach der Papst den Wunsch aus, »dass der Herr uns heute das verstehen lasse, diese große kulturelle Verfolgung durch die kulturellen Kolonisierungen, durch den Krieg, durch den Hunger, durch die Sklaverei. Der Herr lasse uns verstehen: heute ist die Welt eine Welt von Sklaven; heute ist es nicht leicht, frei zu sein«.

Daher lautete abschließende Gebet des Papstes: »Der Herr schenke uns die Gnade, hiergegen anzukämpfen und mit der Kraft Jesu Christi das Bild Gottes, das in uns allen ist, wiederherzustellen – denn dazu ist er gekommen, um neu zu schöpfen, um wiederherzustellen«. 

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21. März 2019

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