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Medien und Missbrauch

Fast täglich gibt es in den Medien in verschiedenen Teilen der Teil wenigstens eine Nachricht, die die Kirche betrifft. Im Allgemeinen geht es dabei jedoch nicht um Informationen über die zahllosen Hilfsdienste und karitativen Werke oder über Maßnahmen, die dem Recht zum Durchbruch verhelfen sollen und die den Maßnahmen staatlicher oder auch der internationaler Institutionen oft tendenziell entgegenwirken, sondern um die Anklage mehr oder weniger lange zurückliegender Fälle von sexuellem Missbrauch, die skandalös verschwiegen oder vertuscht wurden. Und dadurch, dass die Medien heute so allgegenwärtig sind, vor allem auf den digitalen Datenträgern, hat ein weit verbreitetes Interview mit einem Opfer die Macht, viel stärkere Erschütterung und Empörung hervorzurufen als ein anklagender Artikel.

In den letzten Jahren wird die Kirche als Institution zunehmend von dieser medialen Welle überrollt. Sie erscheint unversöhnlich und unerbittlich, auch weil sie aus der Enttäuschung heraus entsteht, die schwarzen Löcher eines Organismus zu entdecken, die in den Augen der Welt eine wichtige moralische Instanz darstellt. In Gesellschaften, in denen die Sexuelle Revolution sich seit Jahrzehnten gefestigt hat und wo die Säkularisierung ein schon lange vorhandenes Phänomen ist, ist das, was Empörung auslöst, nicht so sehr das sexuelle Fehlverhalten oder die menschliche Schwäche, die sich in der Unfähigkeit zeigt, eine eingegangene Verpflichtung einzuhalten, sondern vielmehr das Machtgefüge, das diese Fälle durchzieht und auch das Schweigen erklärt, mit dem sie gedeckt wurden und immer noch gedeckt werden.

Insgesamt darf diese mediale Welle jedoch nicht als böswilliger Angriff gegen die Institution, als aggressiver Wille, den Skandal um jeden Preis zu suchen, verstanden werden. Den Skandal gibt es tatsächlich, er ist vorhanden, und er besteht nicht so sehr im sexuellen Fehlverhalten als vielmehr im Machtmissbrauch sowie im Schweigen und in fehlenden Sanktionen gegenüber den Verantwortlichen: ein Schweigen und eine Straffreiheit, die die Opfer demütigen. Die Medien mit ihren Nachforschungen und Interviews zwingen alle, die Tatsachen im Sande verlaufen lassen und vergessen machen wollten, für Gerechtigkeit zu sorgen, und rufen in Erinnerung, dass die Opfer eine Würde haben, die geachtet und geschützt werden muss.

Fast immer, auch jetzt, wenn es um den Missbrauch von Ordensfrauen geht, melden sich Opfer zu Wort, die – im Allgemeinen erfolglos – versucht haben, innerhalb einer Institution, der sie angehören, der Kirche, Gerechtigkeit zu erlangen. Man muss daran denken, dass auch sie, die Opfer, der Kirche angehören, genau wie die für den Missbrauch Verantwortlichen, die oft durch Schweigen gedeckt wurden, im Namen einer Institution, die geschützt werden soll. Aber welche Institution sollte auf diese Weise geschützt werden?

Wir wissen natürlich, dass die Anklagen nicht immer begründet sind, dass zwischenmenschliche Beziehungen sehr komplex sind und es sicher nicht so einfach ist, sie auf der Grundlage von Dynamiken zu definieren, die zwischen Opfern und Tätern stattfinden, besonders wenn es sich um Erwachsene und nicht um Minderjährige handelt. Aber Klarheit dient allen – auch dazu, jene, die zu Unrecht beschuldigt werden, vor unbegründetem Verdacht und anklagenden Blicken zu verteidigen.

So helfen die Medien paradoxerweise der Kirche, Klarheit zu schaffen und sich komplexen und schmerzhaften Problemen zu stellen, die aufgeschoben, wenn nicht sogar begraben wurden. Und man darf zu Recht hoffen, dass ein entsprechender Wille zu seriöser Information auch auf die positiven Beiträge einer Jahrtausende alten Institution ausgeweitet wird, die natürlich aufgerüttelt werden muss, deren Grundlage aber eine frohe Botschaft ist, die nie vergessen werden darf.

Von Lucetta Scaraffia

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20. September 2018

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