Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

​Märzausgabe Predigende Frauen

Zu Jesu Zeiten gab es keine Ärmeren unter den Armen als die Witwen, Frauen also, die keinen Mann hatten und die somit weder Rechte hatten noch auf Schutz hoffen durften. Die Welt und die Gesellschaft, in denen Jesus lebt und sich bewegt, sind grundsätzlich nach einem patriarchalischen System aufgebaut. 

Frauen sind gesellschaftlich unsichtbar: jene Unsichtbarkeit, die typisch ist für den juristischen Status der Unmündigkeit, ja der Ausgrenzung. Die Originalität des Verhaltens Christi muss in diese historische Wahrheit eingefügt werden. Tatsächlich sieht, betrachtet, beobachtet Jesus, und er verbindet sein Leben mit jenem der Frauen, die ihm nachfolgen, die ihn lieben und bis zum Tod begleiten. Während, wie Maria dell’Orto schreibt, der Blick Simons des Pharisäers (vgl. Lk 7, 36) sieht und richtet, bewertet und zum Ausschluss verurteilt, richtet der Blick Christi wieder auf, identifiziert und akzeptiert. Durch diese Verhaltensweise fordert er alle Menschen, Frauen und Männer, zur Unterscheidung auf, er fordert dazu auf, sich Fragen zu stellen und mahnt zur Gemeinschaft. Aus dieser Perspektive bringt uns ein Überblick über die Geschichte des Christentums dazu, jene prophetischen und charismatischen Frauengestalten zu berücksichtigen, die in unruhigen Jahrhunderten dank ihrer persönlichen Autorität dazu beitrugen, eine noch heidnische Welt und/oder eine feindselige und gespaltene Kirche zu evangelisieren: die heiligen Genoveva, Chlothilde, Jeanne d’Arc, Hildegard von Bingen, Katharina von Siena…

Die völlig unbeteiligte und zugleich vollkommen integrierte Dominikanerin Madeleine Fredell führt uns mitten ins Zentrum der christlichen Predigt ein, also in die ganz konkrete Liebe: die Beziehung, die Einschließung aller, und in den Wortgottesdienst. In der Tat ist das Predigen zunächst keine Frage der Worte oder der Begriffe, ja noch nicht einmal eine Frage der Regeln oder der Gesetze, sondern es basiert auf einer freien Begegnung der Liebe, die liebt und angenommen wird. Es handelt sich zunächst also um eine Frage der Freude und des Mitteilungsbedürfnisses, das – ganz wie ein Fluss, den man nicht aufhalten kann – für die Predigenden (Männer und Frauen) zu einem lebensnotwendigen Bedürfnis zum Zeugnisablegen, zur Lehre, zur Verkündigung und zum Dienst wird.

Es gibt bereits Frauen, die predigen, die Exerzitien leiten und an Orten Vorträge halten, wo die Männer dies schon seit langem tun. Stellen wir uns ganz ehrlich eine Frage: Warum also können sie nicht auch im Rahmen der Messfeier vor der ganzen Gemeinde predigen? Enzo Bianchi erinnert uns daran: Es gibt in der Bibel kein Verbot, das es den Frauen untersagen würde, diese Aufgabe zu übernehmen, und es ist also keineswegs unmöglich, sie damit zu betrauen. Alle Männer und Frauen, die diese offenherzige Begegnung mit Jesus erlebt haben, können nicht umhin, hinzugehen und darüber zu sprechen, es zu verkündigen, es von den Dächern zu rufen. Denn Christus ist derjenige, der alle Männer und alle Frauen, denen er auf seinem Weg begegnet, zu Zeugen, Boten und Aposteln macht. Es geht also darum, die Kirche als reiche und offene Gemeinschaft zu erleben, der es darum geht, auch abweichende Stimmen anzuhören und sie sich noch lebendiger und einladender zu gestalten.

Von Catherine Aubin

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

18. Oktober 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN