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Lob der Frau

Die ersten Worte des Papstes in Paraguay waren eine bewegte Huldigung an all die Tausende einfacher Menschen – »es fällt einem nicht schwer, sich in diesem so gastfreundlichen Land zu Hause zu fühlen«, hatte Franziskus gerade bekannt –, »deren Namen nicht in den Geschichtsbüchern aufscheinen, die aber echte Hauptfiguren ihres Volkes waren«. Gleich anschließend erinnerte er »bewegt und voll Bewunderung« an die Rolle der Frauen. In dramatischen Zeiten »haben sie als Mütter, Ehefrauen und Witwen die größte Last auf ihren Schultern getragen, waren sie in der Lage, ihre Familien und ihr Land voranzubringen, während sie den jungen Generationen die Hoffnung auf ein besseres Morgen einflößten. Gott segne die paraguayische Frau«, rief er aus.

Nicht zum ersten Mal lobt Bergoglio die Frauen dieses Landes, in dem seine Lateinamerikareise zu Ende geht, wie Präsident Horacio Cortes in seinen herzlichen Grußworten bemerkte. Angespielt wurde dabei auf die Situation, die in Paraguay als Folge des blutigen – vom Papst als »ungerecht« bezeichneten – Krieges gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay in den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden war. Damals war die männliche Bevölkerung fast ausgelöscht worden und allein die Frauen wussten diese große Katastrophe in Angriff zu nehmen und zu beheben.

Das Lob des Papstes fügt sich ein in eine mittlerweile lange Reihe von eindrücklichen Aussagen zur besonderen und wichtigen Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft, die mehrfach mit Wertschätzung unterstrichen und aufgegriffen wurden. Ein Beispiel sind die Worte am vorletzten Tag seines Besuchs in Bolivien, die er in der heiligen Messe in Santa Cruz de la Sierra sagte: »Es bewegt mich, wenn ich die vielen Mütter sehe, die ihre Kinder auf dem Rücken tragen. Wie es hier viele von euch machen. Sie tragen das Leben auf ihren Schultern, die Zukunft ihres Volkes«, indem sie »die Freude und den Schmerz eines Landes auf sich nehmen«: mit einem Wort »das Gedächtnis eures Volkes«, das gerade die Frauen »von einer Generation an die andere« weiterzugeben wissen, »ein weiter wanderndes Gedächtnis«.

Und sehr viele Frauen waren es – in einer durchschnittlich sehr jungen Bevölkerung –, die auf die Straßen von Asunción strömten, um den Papst zu erwarten und ihn zu begrüßen mit einem Empfang, der zeitweise von Regen begleitet war. Er fand seinen Höhepunkt in der Aufführung von Barockmusik, die in den Jesuitenreduktionen entstanden ist, höchster künstlerischer Ausdruck jenes »glücklichen Christentums«, das von Muratori Mitte des 18. Jahrhunderts wenige Jahre vor dessen Zerstörung beschrieben wurde, welche wiederum einer der schwerwiegenden Gründe für die dramatische Aufhebung des Jesuitenordens war.

Papst Franziskus kehrte in seiner immer wieder von Applaus unterbrochenen Ansprache auf ein Thema zurück, das ihm sehr am Herzen liegt: das Gedächtnis, das er in diesem Fall auf die von Kriegen und Ungerechtigkeit geprägte Vergangenheit bezog. Eine Vergangenheit, die heute den Aufbau eines Friedens von Tag zu Tag«, »den Frieden des täglichen Lebens« erforderlich macht, der Verständnis, Dialog und Zusammenarbeit fördern muss. Damit unterstützte der Papst explizit den »soliden und stabilen demokratischen Entwurf« und – so fügte er hinzu – den »festen Willen«, »die Korruption heute aus der Welt zu schaffen«, politische Entscheidungen, die seit einigen Jahren für Paraguay kennzeichnend sind und denen Bergoglio offen seine Unterstützung gewähren wollte.

Giovanni Maria Vian

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16. Juli 2019

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