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Kraftprobe mit Gott

· ​Messe in Santa Marta in Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten Mattarella ·

Ernstes Beten bedeute, mit Gott sogar ein »Armdrücken« zu wagen oder auch »zu stottern«: das Wichtige sei, dass man es nicht wie die Papageien mache, indem man meine, sich mit zwei kleinen Worten aus der Affäre ziehen zu können, die »nichts« seien. Und »da setze ich alles ein« ist der Ausdruck, den Papst Franziskus gewählt hat, um die richtige Einstellung im Gebet wie in jedem anderen Aspekt des Lebens zu zeigen, »denn zum Beten ist Mut erforderlich«. So lautet ist der Rat, den der Papst am Donnerstagmorgen, 4. April, bei der Messe in Santa Marta unterbreitete. Der Präsident der italienischen Republik, Sergio Mattarella, war bei der Feier in privater Form präsent.

»In der Fastenzeit bereiten wir uns mit drei Werken auf Ostern vor: mit dem Gebet, dem Fasten und der Nächstenliebe«, erklärte der Papst gleich zu Beginn. »Heute in der ersten Lesung« – er bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem Buch Exodus (32,7-14) – »spricht die Kirche zu uns vom Gebet und besonders vom Fürbittgebet: das heißt vom Fürbittgebet des Mose. Wir können sagen, der Herr war wütend geworden: ›Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt‹, sagt Gott hinsichtlich des Volkes, das sich ein Goldenes Kalb gemacht hatte«. Und »Mose, der das Volk retten will, weil er sich als einer von ihm fühlt, fängt an zu beten, das heißt: den Herrn davon zu überzeugen, sie nicht zu bestrafen«.

Es sei »das Fürbittgebet, aber mit Überzeugung, und er spricht zu ihm wie der Meister zu seinem Jünger: ›Mose aber besänftigte den Herrn, seinen Gott, indem er sagte: Wozu, Herr, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, das du mit großer Macht und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast. Wozu sollen die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glühenden Zorn und lass dich das Unheil reuen, das du deinem Volk antun wolltest!‹«

Moses, so erklärte der Papst, »beginnt, Gott mit Sanftmut, aber auch mit Festigkeit zu überzeugen: ›Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du selbst geschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen‹«. Und »so erinnert er Gott an seine Verheißungen, als sage er: ›Aber Herr, jetzt stehe bitte nicht schlecht da, du hast das alles gemacht‹. Es ist ein Fürbittgebet«.

»Als der Herr Mose von seinem Zorn erzählt, macht ihm eine Verheißung: ›Dich aber will ich zu einem großen Volk machen‹. Aber Mose: ›Nein, entweder mit dem Volk oder nichts. Wenn du dieses Volk umkommen lässt, dann lösche auch mich aus‹«. Und das sei, so Franziskus, »die Fürsprache mit Überzeugung. Es ist die eine Art der Fürsprache. Und in der Bibel gibt es mehrere Arten, sehr viele Abschnitte der Fürsprache: eine andere ist zum Beispiel die des Abraham, als der Herr zu Abraham sagt, dass er Sodom zerstören werde. Und Abraham, ein Mann, der im Leben gekämpft hatte, der auch einen Neffen hatte, der dort lebte, wollte die Stadt retten. Und er tut es nicht durch Überzeugung, er tut es mit Verhandlungen, wie es eine Frau macht, wenn sie auf dem Markt einkauft und um den Preis feilscht: er verhandelt. Er sagt: ›Aber Herr, warte ein wenig… Nun, wenn es 40 Gerechte gäbe, wenn es 40 sind, werde ich sie nicht zerstören‹. Dann rechnet er es sich aus und sieht, dass es die nicht geben wird. ›Aber entschuldige mich, Herr, und wenn es 30 wären?‹›Ich werde sie nicht zerstören‹. ›Und wenn es 20 wären, wenn…‹. Am Ende erkennt er, dass nur die Familie seines Neffen gerecht ist. Es ist eine andere Art der Fürsprache: mit dem Herrn verhandeln. So tut es Abraham, sein Gebet«.

»In der Bibel«, fuhr Franziskus fort, »gibt es viele Fälle, doch denken wir an einen anderen Weg, um Fürbitte zu halten: denken wir an Hanna, die Mutter des Samuel, die in der Stille, ganz still stottert, ihre Lippen bewegt und dort steht und betet und betet und betet, stotternd vor dem Herrn, bis zu dem Punkt, an dem der Priester sie ansieht und sie für betrunken hält. Sie bittet den Herrn um ein Kind: die Angst einer Frau; dort aber hält sie Fürsprache, vor Gott. Dann gibt es noch eine andere mutige Frau im Evangelium, die Kanaaniterin, die keine Überzeugungsarbeit verwendet, keine Verhandlungen aufnimmt, keine stille Beharrlichkeit einsetzt. Als Jesus zu ihr sagt: ›Ich kann nicht, weil ich für die Menschen des Volkes Israel hier bin. Ich kann den Hunden kein Brot geben.‹ Sie bekommt keine Angst: ›Aber auch die Hunde fressen die Brotkrumen, die zu Boden fallen‹. Und sie bekommt, was sie will«.

Der Papst erinnerte also erneut daran, dass »es in der Bibel viele Beispiele für das Fürbittgebet gibt, mit ebenso vielen Modalitäten. Es ist wahr, es braucht Mut, um so zu beten, denn im Gebet muss man Mut haben. Diese Redefreiheit, diesen Mut, mit Gott von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Und manchmal, wenn man sieht, wie diese Leute mit dem Herrn kämpfen, um etwas zu erringen, glaubt man oft, dass sie es täten, als stünden sie Gott gegenüber, und um zu dem zu kommen, worum sie bitten: weil sie überzeugt sind, sie haben den Glauben, dass der Herr die Gnade schenken kann«.

»Es braucht viel Mut, um so zu beten«, unterstrich der Papst, »und wir sind so oft lau. Jemand sagt zu uns: ›Aber bete doch, weil ich dieses Problem habe, dieses andere…‹. Ja, ja, ich sage zwei ›Vaterunser‹, zwei ›Gegrüßet seist du, Maria‹, und dann vergesse ichs… Nein, das Gebet des Papageis ist nicht in Ordnung. Das wahre Gebet ist dieses: mit dem Herrn. Und wenn ich Fürsprache halten muss, muss ich es so tun: mutig.«

»Die Leute benutzen, wenn sie etwas erreichen wollen, umgangssprachlich einen Ausdruck, der mir so viel sagt: ›Ich setze mich mit aller Kraft ein‹«, erklärte der Papst. » Das gilt auch fürs Fürbittgebet: ›Ich setze da alles ein‹. Der Mut, vorwärtszugehen. Doch vielleicht mag ein Zweifel aufkommen: ›Aber ich tue das, doch woher weiß ich, dass der Herr mir zuhört?‹ Wir haben eine Sicherheit: Jesus. Er ist der große Fürsprecher. Er ist in den Himmel aufgefahren. Er steht vor dem Vater, um für uns Fürsprache zu halten. Er hält ununterbrochen Fürsprache. Vor der Passion hatte er zu Petrus gesagt: ›Petrus, Petrus, ich werde für dich beten, auf dass dein Glaube nicht geringer werde.‹ Jene Fürsprache Jesu: Jesus betet in diesem Moment für uns. Und wenn ich bete, sowohl mit Überzeugung als auch mit Feilschen, und sowohl stotternd vor dem Herrn als auch im Streit mit ihm, ist er es, der mein Gebet nimmt und es dem Vater vorlegt«.

»Jesus hat es nicht nötig, vor dem Vater zu sprechen: er zeigt ihm seine Wunden«, unterstrich der Papst wieder: »Der Vater sieht die Wunden und gewährt die Gnade. Wenn wir beten, dann wollen wir denken, dass wir es mit Jesus tun. Wenn wir das Fürbittgebet so mutig machen, dann tun wir es mit Jesus: Jesus ist unser Mut, Jesus ist unsere Sicherheit, Jesus, Jesus, der gerade jetzt für uns Fürsprache hält«.

»Der Herr schenke uns die Gnade, diesen Weg zu gehen, zu lernen, wie man Fürsprache hält«, so wünschte der Papst. Und »wenn uns jemand zum Beten auffordert, dann dürfen wir es nicht mit zwei nichtssagenden Gebetchen tun, nein: sondern ernsthaft in der Gegenwart Jesu, mit Jesus, der für uns alle vor dem Vater Fürsprache hält«.

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21. Mai 2019

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