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Kompromissantworten auf unbequeme Fragen

· ​Messe in Santa Marta ·

Schluss mit unseren Kompromissantworten auf die unbequemen Fragen Gottes, der uns fragt, wo unser Bruder sei, der Hunger hat – es reicht nicht aus, ihm einen »Essensgutschein für die Mensa« der Caritas zu geben – oder der er als Kranker allein im Krankenhaus ist oder im Gefängnis, oder der nicht zur Schule gehen kann oder drogenabhängig ist. Wir dürfen der »unbequemen Frage Gottes« nicht ausweichen, indem wir unser Gewissen entlasten und tausend allgemeine Ausreden finden, sagte Papst Franziskus bei der Messe, die er am Montag, 18. Februar, in Santa Marta feierte. Im Übrigen betonte er, das Engagement der Kirche im sozialen Bereich sei vom Herrn gewollt, und es sei keineswegs die Tätigkeit einer »kommunistischen Partei«.

»Dem Abschnitt aus dem Buch Genesis, den wir in der ersten Lesung gehört haben«, merkte Franziskus sofort an, indem er sich auf die Lesung aus dem Alten Testament (4,1-15.25) bezog, »ist Teil dieses literarischen Genres, das in der Bibel viele Male wiederholt wird: wir können es ›unbequeme Fragen und Kompromissantworten‹ nennen«.

In der Tat, so der Papst, »ist es wirklich eine peinliche Frage, die Gott an Kain richtet: ›Wo ist dein Bruder?‹« Und »die Antwort ist eine Antwort, die in diesem Fall ein kleiner Kompromiss ist, aber auch eine Antwort, um sich zu verteidigen: Nun, was habe ich damit zu tun, mit dem Leben meines Bruders? Bin ich der Hüter meines Bruders? Ich wasche mir die Hände. Und damit versucht Kain, dem Blick Gottes zu entkommen«.

Der Papst erinnerte: »Jesus hat Petrus oft diese unbequemen Fragen gestellt, zum Beispiel: ›Liebst du mich?‹, dreimal. Am Ende wusste Petrus nicht mehr, was er antworten sollte«. Oder »an die Jünger: ›Was sagen die Leute über mich?‹ Und sie sagen, ›dass du ein Prophet bist, der Täufer‹ – ›Aber ihr, was sagt ihr?‹« Sicher sei dies »eine peinliche Frage«.

Hier also stelle »Gott an Kain« die Frage: »Wo ist dein Bruder?« Und »das ist wirklich eine unbequeme Frage: es ist besser, sie nicht zu stellen«. Im Übrigen »kennen wir viele Antworten: Es ist sein Leben, ich respektiere es, ich wasche mir da meine Hände, ich lasse mich nicht auf das Leben anderer ein, jeder ist frei, seinen eigenen Weg zu wählen«. Und »so antworten wir im Leben aller Tage auf diese unbequemen Fragen des Herrn ein wenig mit allgemeinen Prinzipien, die nichts besagen, aber alles sagen, alles, was im Herzen ist«.

»Ich möchte diese Frage jetzt aufgreifen und auf uns anwenden«, sagte der Papst. Der Herr »stellt heute jedem von uns die Frage: ›Wo ist dein Bruder?‹« Und »vielleicht kann jemand, der etwas abgelenkt ist, sagen: ›Er ist zuhause bei seiner Frau!‹ Nein, nein, ›Wo ist dein Bruder?‹« Franziskus insistierte: »In ihm identifizieren sich der Hungrige, der Kranke, der Gefangene, der für die Gerechtigkeit Verfolgte: ›Wo ist dein Bruder?‹ – ›Ich weiß es nicht‹ – ›Aber dein Bruder hat Hunger!‹ – ›Ja, ja, er ist gewiss zum Mittagessen in der Caritas der Gemeinde, ja, sie werden ihm sicherlich zu essen geben‹«. Und »mit dieser Kompromissantwort«, kommentierte er, »rette ich mir die Haut«.

Und weiter: »›Wo ist der andere deiner Brüder, der Kranke?‹ – ›Sicher ist er im Krankenhaus!‹ – ›Aber es gibt keinen Platz im Krankenhaus! Und hat er die Medikamente?‹ – ›Aber es ist seine Sache, ich kann mich nicht in das Leben anderer einmischen, er wird Verwandte haben, die ihm Medikamente geben‹. Und ich wasche mir die Hände«.

Weiter: »›Wo ist dein Bruder, der Gefangene?‹ – ›Ah, er büßt für das, was er verdient hat. Er hat was Schweres getan, er soll dafür zahlen. Wir haben genug davon, dass so viele Verbrecher unterwegs sind: er soll büßen‹«.

»Doch vielleicht hörst du selbst niemals diese Antwort aus dem Mund des Herrn«, erklärte der Papst, der weiter insistierte: »Wo ist dein Bruder? Wo ist dein ausgebeuteter Bruder, der schwarz arbeitet, neun Monate im Jahr, um nach drei Monaten ein weiteres Jahr fortzusetzen? Es gibt so keine Sicherheit, keinen Urlaub – ›Äh, heute gibt es keine Arbeit und man nimmt, was man kann‹«. Doch das sei »eine weitere Kompromissantwort«.

»Ich möchte auch«, so regte Franziskus an, dass jetzt »ein jeder von uns dieses Wort des Herrn aufgreift, als ob es an jeden von uns persönlich gerichtet wäre – der Herr fragt mich: ›Wo ist dein Bruder?‹ – und dann den Namen der Brüder, die der Herr in Kapitel 25 von Matthäus nennt, angeben: die Kranken, die Hungrigen, die Durstigen, die, die keine Kleider haben, jenen kleinen Bruder, der nicht zur Schule gehen kann, den Drogenabhängigen, den Gefangenen«. Wo ist ein jeder von ihnen, ein jeder von diesen Brüdern und Schwestern?

Der Papst schlug auch wesentliche und direkte Fragen vor, im Stil einer Gewissenserforschung: »Wo ist dein Bruder in deinem Herzen? Gibt es Platz für diese Menschen in unserem Herzen? Oder sprechen wir zwar über die Menschen, entlasten uns das Gewissen ein wenig, indem wir ein Almosen geben? Doch dass sie bitte nicht zu sehr stören, denn bei diesen sozialen Dingen sieht die Kirche am Ende wie eine kommunistische Partei aus, und das tut uns weh. In Ordnung, aber der Herr hat gesagt: Wo ist dein Bruder? Es ist nicht die Partei, es ist der Herr«.

»Wir sind daran gewöhnt«, gestand der Papst, »Kompromissantworten zu geben, Antworten, um dem Problem zu entgehen, um das Problem nicht zu sehen, um das Problem nicht zu berühren«. Aus diesem Grund, so fügte er hinzu, »wird es uns gut tun, uns zu wiederholen: Wo ist mein Bruder? Eine Liste all dieser Dinge zu erstellen, die der Herr in Matthäus 25 nennt. Andernfalls beginnt bei uns ein dunkles Leben: die Sünde lauert an deiner Tür, sagt der Herr zu Kain, und wenn wir dieses dunkle Leben führen, ohne das in die Hand zu nehmen, was Jesus, der Herr, uns gelehrt hat, dann lauert die Sünde zusammengekauert vor der Tür, und wartet darauf, eintreten zu können. Und uns zerstören zu können«. Da haben wir Stärke der Frage: »Wo ist dein Bruder?«

Doch »gibt es noch eine andere Frage aus dem Buch Genesis, nach der Sünde Adams«, sagte der Papst. Der Herr frage: »›Adam, wo bist du?‹ Und Adam versteckte sich aus Scham, aus Furcht. Würden doch auch wir diese Scham empfinden«, sagte Franziskus, der zu neuen Fragen für eine persönliche Gewissenserforschung riet: »Wo ist dein Bruder? Wo bist du? In welcher Welt lebst du, dass du diese Dinge, diese Leiden, diese Schmerzen nicht bemerkst? Wo ist dein Bruder? Nimm ihn bei der Hand. Wo bist du? Versteck dich nicht vor der Realität«.

Abschließend bat der Papst darum, »offen, ehrlich, und freudig auf diese beiden Fragen des Herrn zu antworten: »Wo ist dein Bruder? Wo bist du?«

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20. Mai 2019

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