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​Kohärenz statt Heuchelei

· Messe in Santa Marta ·

Die Heuchelei der »Profis der Religion« erregt Ärgernis, klagte Papst Franziskus an, als er am 8. März in Santa Marta die Messe feierte. Und gerade die jüngste Jugendsynode habe diese Haltung einiger Christen entlarvt, die zwar ihr wahres oder vermeintliches Fasten laut verkündeten und regelmäßig zur Messe gingen, aber den Armen nicht hülfen, und wenn sie Arbeiter und Angestellte hätten, sie schlecht behandelten und so eine Todsünde begingen. Ein starker Vorsatz für die Fastenzeit, riet der Papst, der auch eine persönliche Erinnerung anvertraute, bestehe genau in der Verpflichtung, »die Seele nicht zu schminken«, um als das in Erscheinung zu treten, was man nicht sei, und »den Herrn um die Gnade zu bitten, kohärent zu sein, nicht eitel zu sein, nicht würdiger zu erscheinen als das, was wir sind«.

Der Papst bezog sich auf die erste Lesung (Jes 58,1-9) und wies sofort darauf hin, dass »der Prophet uns den Unterschied verstehen lässt, der zwischen dem Realen und dem Formalen in unserem Leben besteht. Es ist wahr, das Formale ist ein Ausdruck der Realität, sie müssen Hand in Hand gehen. Doch wenn sich das Formale vom Realen löst, leben wir nur von Formalitäten, vom Schein«. Und dies, sagte Franziskus, »verurteilt Gott: von Erscheinungen leben. Ein Leben, um in Erscheinung zu treten, ohne Wahrheit in der Realität des Herzens der Menschen. Im Gegenteil, der Herr rät uns, in der Erscheinung sehr einfach zu sein, um uns nicht der guten Werke zu rühmen«.

Genau »aus diesem Grund sagt uns der Herr, wenn er über die drei Fastenübungen spricht: Hör mal, wenn du fastest, dass man da auf deinem Gesicht nicht sieht, dass du fastest. Zeige dich zufrieden: dass man es nicht sieht, dass die Leute nicht sagen: ›Ah, er ist ein gerechter Mann, wie fastet er doch!‹ Wenn du Buße tust, dann tu das nicht. Wenn du Almosen gibst, dann posaune es nicht aus: gib das Almosen im Verborgenen, damit es niemand sieht. Tu Gutes, ohne es sehen zu lassen. Und drittens, wenn du betest, tun es nicht vor allen, damit die Leute sagen: ›Ah, wie betet er doch, dieser Mann, wie betet sie, diese Frau!‹ Mach es aufrichtig vor dem Vater«. Und »Jesus rät auch ›im Verborgenen‹«.

»Über das Gebet«, unterstrich der Papst, »lehrt Jesus uns anhand des Beispiels des Pharisäers und des Zöllners, wie beide beteten: der Pharisäer hielt sich für gerecht, aber er war es nicht und betete: Ich danke dir, Herr, weil ich gerecht bin, ich bin nicht wie die anderen Leute, die Ärmsten«. Und er schlug vor: »Übersetzen wir das: ich danke dir, Herr, weil ich katholisch bin, ich gehöre zu dieser Vereinigung, zu der anderen, zu jener anderen, ich gehe jeden Sonntag zur Messe und ich bin nicht wie diese armen Leute, die nichts verstehen«. Dagegen, fuhr Franziskus fort, »betete der Ärmste«, das heißt der Zöllner, indem er sagte: »Herr, erbarme dich meiner, weil ich ein Sünder bin«.

»Diejenigen, die den Schein suchen, erkennen sich nie als Sünder an«, so der Papst. Und »wenn du zu ihnen sagst: ›Doch du bist auch ein Sünder!‹«, dann antworten sie dir: »Aber ja, wir alle haben Sünden!« Und auf diese Weise »relativieren sie alles und werden wieder gerecht«. Und vielleicht »versuchen sie auch, wie mit einem ›frommen Gesichtchen‹ in Erscheinung zu treten, wie auf einem Heiligenbildchen, alles Schein«. Und »wenn da dieser Unterschied zwischen der Realität und dem Schein ist, verwendet der Herr ein Adjektiv: ›heuchlerisch‹«. Hier also »die Heuchelei: auch wir können diese Fastenzeit beginnen, indem wir uns fragen: Was ist meine Heuchelei? Wo bin ich nicht kohärent, wo fehlt mir die Kohärenz zwischen Realität und Schein? Wann muss ich mich schminken, um meine Realität zu verbergen?« Es handle sich hier um die Frage eines »Mangels an Kohärenz«.

In diesem Zusammenhang, so der Papst, schlage der Prophet einige Beispiele vor: »Was macht ihr, Heuchler, an dem Tag, an dem ihr sagt, dass ihr fastet? ›Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und alle eure Arbeiter treibt ihr an. Seht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt‹«. Also: »Zum einen gibst du vor zu fasten, vielleicht fastest du sogar wirklich, aber in der Zwischenzeit ›macht ihr Geschäfte und alle eure Arbeiter treibt ihr an. Seht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt‹. Das ist Heuchelei«.

Es mache daher keinen Sinn, zu behaupten: »Ich bin sehr katholisch, sehr katholisch! Ich gehe immer zur Messe«, denn die Frage sei: »Aber was machst du dann? Bist du kohärent? Oder gibt es diese Heuchelei zwischen deiner Realität und deinem Anschein«?

»›So wie ihr jetzt fastet, tut es nicht mehr‹, sagt der Herr«, wiederholte der Papst, der eine Aufforderung hinzufügte: »Verändert euer Leben. Seid kohärent«, und er gestand: »Bei der letzten Synode über die Jugendlichen war das, worauf die Jugendlichen am meisten bestanden, die Heuchelei so vieler Christen, beginnend bei uns, den ›Profis der Religion‹. Dies macht die Jugendlichen betroffen. Ihr könnt sagen: ›Aber sie haben ihre Fehler!‹ Ja. Sie haben ihre Fehler, das stimmt. Aber damit haben sie Recht. Erscheinen und nicht tun: das ist Heuchelei«.

Aus dieser Perspektive las der Papst erneut einen Abschnitt aus der von der Liturgie vorgeschlagenen Lesung aus dem Buch Jesaja: »Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen – die Migranten –, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?«

»Es ist wahr: Das ist das Fasten, die Werke der Barmherzigkeit, das ist es, was Gott von uns will«, insistierte der Papst. Und »wenn du dein Brot mit den Hungrigen teilst, einen in dein Haus aufnimmst, der keines hat oder der ein Migrant ist, wenn du für jemanden, der keines hat, ein Kleid suchst und dich darum kümmerst, dann fastest du wirklich«. Dagegen: »Viele Christen, auch Katholiken, die sich praktizierende Katholiken nennen, wie beuten sie doch die Menschen aus! Wie beuten sie die Arbeiter aus! Wie schicken sie sie zu Beginn des Sommers nach Hause, um sie am Ende wieder anzustellen, so haben sie kein Recht auf Rente, und sie haben kein Recht, weiterzukommen«. Und dennoch, rief der Papst in Erinnerung, »viele von diesen nennen sich Katholiken: sie gehen sonntags zur Messe, aber dann tun sie das. Und das ist eine Todsünde! Wie viele erniedrigen ihre Arbeiter!«

In diesem Zusammenhang wollte Franziskus eine persönliche Erinnerung mitteilen: »Ich werde nie vergessen, was ich im Haus eines Freundes gesehen habe, ich war ein kleines Kind: ich habe gesehen, wie die Frau das Dienstmädchen ohrfeigte, weil sie nicht sauber gemacht hatte, wie sie es ihr gezeigt hatte. Ich habe diese Geste nie vergessen! Diese Geste tat meinem Herzen weh. Und wie oft, wie oft verhalten sich viele Christen so«.

»Die Realität muss mit dem Anschein übereinstimmen«, erklärte der Papst, denn »ich muss scheinen, was ich bin, und das ist die Arbeit der Fastenzeit, und dazu müssen wir fortfahren: ›Pater, ich kann nicht, ich bin schwach‹. Nun, das ist deine Wahrheit. Danke, dass du sie gesagt hast. Bitte den Herrn um Kraft und geh demütig mit dem weiter, was du kannst. Doch schminke deine Seele nicht, denn wenn du deine Seele schminkst, wird der Herr dich nicht erkennen«.

Abschließend regte der Papst an: »Bitten wir den Herrn um die Gnade, kohärent zu sein, nicht eitel zu sein und nicht würdiger zu erscheinen als wir tatsächlich sind. Wir wollen in dieser Fastenzeit um diese Gnade bitten: Kohärenz zwischen dem Formalen und dem Realen, zwischen der Realität und dem Schein«.

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25. August 2019

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