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Kein Platz für Gewalt

· Interview mit Kardinal Jean-Louis Tauran zum Thema des interreligiösen Dialogs ·

Es gibt auf der ganzen Welt keine Religion, die die Gewalt predigt. Und es gibt weltweit keinen einzigen Religionskrieg. Und: es gibt keine Religion, die nicht Quelle der Versöhnung, der Harmonie, des Friedens wäre. Das wiederholt Kardinal Jean-Louis Tauran unermüdlich, der seit Jahren die Straßen der Welt bereist, als Botschafter des Wunsches der katholischen Kirche, mit allen Religionen einen brüderlichen Dialog zu führen. Diese Ansicht vertrat er auch jüngst in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, bei dem Treffen, das die geistlichen Oberhäupter verschiedener Religionen zur Vorbereitung der Ankunft von Papst Franziskus im Heiligen Land einberufen hatten. Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog berichtet darüber in diesem Interview, das er im Vorfeld seiner Reise mit dem Papst zu den heiligen Stätten des Christentums unserer Zeitung gewährt hat.

Was sind die wirklichen Erwartungen im Hinblick darauf, welche Früchte der Besuch von Papst Franziskus im Heiligen Land für den interreligiösen Dialog tragen wird?

Ich möchte als Erstes sagen, dass in Amman die Erwartung der Ankunft des Papstes mit Händen greifbar ist. Er wird - unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit – von jedermann mit Spannung erwartet. Sein Ruf hat sich dort schon seit langem verbreitet, und er übt auf alle eine gewisse Faszination aus. Der Papst wird als ein Hoffnungsträger gesehen, und zwar nicht nur für Jordanien, sondern vor allem für jene Länder im Nahen Osten, in denen immer noch der Krieg tobt.

Sie haben im Lauf der Gespräche, die Sie in Amman geführt haben, wiederholt gesagt, dass die Gewalt nicht das Geringste mit dem Glauben zu tun hat. Aber warum sind dann die Christen bis heute Opfer der Gewalt?

Das Seminar, an dem wir teilgenommen haben, befasste sich gerade mit der vermeintlichen Beziehung, die manche Leute zwischen den Begriffen Religion und Gewalt herstellen wollen. Und es ist äußerst bedeutsam, dass die geistlichen Oberhäupter der verschiedenen Religionen sich zu diesem Thema haben austauschen wollen, um diesen gefährlichen Gemeinplatz Lügen zu strafen. Meinerseits habe ich großen Wert darauf gelegt, zu betonen, dass es weltweit keine einzige Religion gibt, die die Gewalt predigt. Geschweige denn, dass die Kriege, die in den vergangenen Jahren vor allem die Nahostregion erschüttert haben, religiösen Ursprungs gewesen wären. Es gibt keine Religionskriege. Wir müssen vielmehr endlich einsehen, dass die Religion – jedwede Religion – Friede ist. Folglich ist der Augenblick gekommen, damit aufzuhören, die Gewalt, jede Form der Gewalt, der Religion anzulasten.

Was ist der rote Faden, dem man folgen muss, um herauszufinden, was die drei großen monotheistischen Religionen gemein haben?

Dieser rote Faden, der sie eint, muss in der menschlichen Natur selbst gesucht werden. Wir alle sind Geschöpfe ein und desselben Gottes, eines einzigen Gottes. Und bereits das haben wir gemein. Unsererseits müssen wir das voranbringen, woran uns Papst Franziskus selbst in der Botschaft erinnert hat, die er aus Anlass des 50-jährigen Bestehens dieser Institution an unseren Päpstlichen Rat gerichtet hat: »Die Kirche möchte die Weggefährtin aller Menschen werden«. Ich würde sagen, dass das auch der rote Faden ist, der sich durch dieses Pontifikat zieht: die Kirche, die sich zur Weggefährtin aller Menschen macht, ohne Unterschiede zu machen.

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18. Januar 2018

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