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Jane Austen und ihr erster Leser

· Es handelt sich dabei um den von der Schriftstellerin verabscheuten Prinzregenten, den künftigen König Georg IV. ·

Der erste Käufer von Jane Austens Werken war ein ganz besonderer Leser, den die britische Autorin wirklich von Herzen verabscheute: der Prinzregent, der künftige Georg IV. Diese faszinierende Entdeckung verdanken wir Nicholas Foretek, einem Doktoranden der University of Pennsylvania, der bei einer Archivsuche nach Unterlagen zu den Jahren der Regentschaft des künftigen Georg IV. (1811-1820) unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zwischen dem künftigen König und der literarischen Welt Englands fündig wurde.

Nun, den New York Times zufolge stieß Foretek dieser Tage auf die auf den 28. Oktober 1811 datierte Rechnung eines Londoner Buchhändlers, der zu entnehmen ist, dass der Prinzregent 15 Shilling für eine Kopie von Sense and Sensibility ausgab, Austens Erstlingswerk. Der New Yorker Zeitung zufolge kaufte der Prinzregent den Roman zwei Tage bevor in den Londoner Zeitungen die Anzeige erschien, die dessen Veröffentlichung anzeigte. Insofern stelle, so Foretek, diese Rechnung das erste Dokument dar, mit dem der Verkauf eines Werkes von Austen belegt werde. Dieser Rechnung lässt sich auch entnehmen, dass der Prinzregent bei dieser Gelegenheit auch noch weitere Bücher erwarb: Monk’s Daughter, Capricious Mother und Sicilian Mysteries.

Diese Entdeckung ruft uns den rebellischen Charakter der Autorin in Erinnerung: Tatsächlich wird der Nachwelt das Bild einer Frau überliefert, die – so sanftmütig sie innerhalb der häuslichen vier Wände auch war – denen gegenüber äußerst unduldsam war, denen sie weder Achtung noch Vertrauen entgegenbringen konnte, und zwar unabhängig von deren Rang oder ihrer sozialen Stellung. Auch der Prinzregent wurde nicht von ihren bissigen Kommentaren verschont. Davon zeugt der Unmut der Schriftstellerin, als sie sich gezwungen sah, gerade dem künftigen Georg IV. ihren vierten Roman, Emma, zu widmen: Zunächst wollte sie überhaupt keine Widmung schreiben, selbst um den Preis nicht, dass der Roman dann womöglich nicht hätte erscheinen können. Dann aber ließ sich Austen, auch dank des Drucks, den ihre Angehörigen auf sie ausübten, dazu bewegen, weniger rigide zu urteilen und ihre legitimen Interessen als Schriftstellerin wichtiger zu nehmen als ihre wiewohl heftigen persönlichen Abneigungen. Aber zu jener Zeit, so betonen die New York Times, war unsere Autorin keineswegs die einzige, die starke Vorbehalte gegen den Prinzregenten hatte: de facto warf ein Großteil der englischen Gesellschaft dem künftigen Souverän sein extravagantes und leichtfertiges Verhalten vor, das sich nicht ums Protokoll scherte und seiner Rolle und seinem Rang nicht entsprach. Er kleidete sich als Dandy, verkehrte in der eleganten Welt und demonstrierte, dass er Wein und Bier gleichermaßen schätzte. Eben deshalb wurde er mit feiner Ironie als The First Gentleman bezeichnet.

Trotz all der beißenden Kritik, die ihm zuteil wurde, gelang es Georg IV., wie die Presse jener Zeit berichtet, dennoch, im Lauf der Zeit für seine aufrichtigen Leidenschaft für Literatur und Kunst geachtet zu werden. Es heißt, dass er in seiner Freizeit gerne lange und kräftigende Spaziergänge unternahm, auf denen er nie verabsäumte, Buchhandlungen auf der Suche nach – wie man heute sagen würde – interessanten Neuerscheinungen zu betreten. Und wir müssen zugeben, dass sein Spürsinn auf diesem Gebiet ihm sicher nicht zu seinem Nachteil angelastet werden kann: das beweist gerade die Tatsache, dass er bereits zwei Tage, bevor in den englischen Zeitungen der erprobte Ritus der Werbekampagne begann, Sense and Sensibility erwarb. Also einen Roman, der dazu bestimmt war, eines der meistgelesenen und -geliebten Bücher aller Zeiten zu werden.

Von Gabriele Nicolò

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18. November 2018

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