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Inneres Feuer

· ​Morgenmesse in Santa Marta ·

Leidenschaftlich, fähig, zu unterscheiden und anzuklagen, vor allem die bezahlten Diener: das heißt jene, die den Wolf kommen sehen und daher die Herde verlassen oder die, »um die Bewunderung der Gläubigen auf sich zu ziehen«, einfach machen lassen, mit jenem »Gutmenschentum der Kompromisse, das nicht in Ordnung ist«. Es ist das Bild des wahren Hirten, das der Apostel Paulus skizziert und das Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 22. Juni, aufnahm.

Es handelte sich um eine Betrachtung, die sich aus dem Hören der Worte der ersten Lesung aus dem zweiten Brief an die Korinther (11,1-11) ergab. Worte, die den Papst in den Sinn kommen ließen, was »der Herr im zehnten Kapitel des Johannesevangeliums sagte: ›Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht‹«. Dementsprechend ist »Paulus ein wahrer Hirt, er ist kein bezahlter Knecht. Ein wahrer Hirt«. Daraus also ergeben sich die »drei Charakteristiken«, die »drei Merkmale des pastoralen Stils des Paulus, was der pastorale Stil eines guten Hirten ist«, unterstrich der Papst.

Die erste betrifft »den leidenschaftlichen Hirten. Leidenschaftlich bis zu dem Punkt, an dem er zu seinen Leuten, zu seinem Volk sagt: ›Ich verspüre für euch eine Art Eifersucht Gottes‹«. Also ein »eifersüchtiger Hirt. Doch göttlich eifersüchtig«. Und hinter dieser Definition fand Franziskus einen »Abschnitt aus dem sechsten Kapitel des Deuteronomium, als Mose zu seinem Volk sagt: ›Euer Gott, der in unser Mitte ist, ist ein eifersüchtiger Gott‹«. Auf dieselbe Weise führt die göttliche Eifersucht des Paulus den Völkerapostel »zu diesem Wahnsinn, zu dieser Torheit. Er ist ein leidenschaftlicher Mann«, der »jene Haltung hat, die wie Wahnsinn scheinen kann. Ein eifriger Hirt. Und das ist jener Charakterzug, den wir den ›apostolischen Eifer‹ nennen: man kann kein wahrer Hirt sein, ohne dieses Feuer in sich zu haben. Auch: bis hin zu eben diesem Wahnsinn, zu dieser Torheit«. Das also »ist der erste Charakterzug des Paulus als Hirt«.

Der Papst ging dann auf die zweite Charakteristik ein und definierte den Apostel als »einen Mann, der zu unterscheiden vermag, denn er fährt fort: ›Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch ihre Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen‹«. Paulus also »weiß, dass es im Leben die Verführung gibt. Der Vater der Lüge ist ein Verführer. Der Hirt: nein: Der Hirt liebt. Er liebt«, unterstrich der Papst kraftvoll. »Die Schlange dagegen, der Vater der Lüge, der Neider: er ist ein Verführer. Er ist ein Verführer, der versucht, von der Treue abzubringen, denn jene göttliche Eifersucht des Paulus war gegeben, um das Volk zum einzigen Bräutigam zu führen, um das Volk in der Treue zu seinem Bräutigam zu halten.« Im übrigen, kommentierte Franziskus, »finden wir in der Heilsgeschichte, in der Schrift viele Male die Entfernung von Gott, die Untreue dem Herrn gegenüber, den Götzendienst, als handle es sich dabei um eine Untreue wie in der Ehe«. Dabei bezog sich Franziskus zum Beispiel »auf Ezechiel 16 und viele andere Stellen, dort aber ist dies vorhanden. Und er will zum einen Bräutigam bringen, damit keine anderen kommen und das Herz des Volkes verführen. Und mit der Unterscheidung hilft er: ›Passt auf das auf, passt auf, geht...‹«.

Zusammenfassend also kann gesagt werden: »die erste Charakteristik des Hirten besteht darin, leidenschaftlich zu sein, Eifer zu haben, eifrig zu sein; die zweite Charakteristik im Unterscheidungsvermögen: zu unterscheiden, wo die Gefahren sind, wo die Gnaden sind... wo der wahre Weg ist«. Und das bedeutet, dass der wahre Hirt »dieSchafe immer begleitet: in den schönen Momenten, aber auch in den hässlichen, auch in den Momenten der Verführung« und dass »er sie mit Geduld zum Stall bringt«.

»Die dritte Charakteristik« besteht dann in »der Fähigkeit, anzuklagen. Ein Apostel – so die Warnung des Papstes – darf kein naiver Mensch sein: ›Ach, da ist ja alles schön, gehen wir weiter, nicht? Alles ist schön. Feiern wir ein Fest, wir alle.. alles ist möglich...‹«. Denn »da ist auch die Treue zum einen Bräutigam zu verteidigen, zu Jesus Christus. Und er versteht es, zu verurteilen«: mit »jener Konkretheit«, die es ihm gestattet zu »sagen: ‚das nicht!‹, wie die Eltern es zum Kind sagen, wenn es zu krabbeln anfängt und zur Steckdose geht, um die Finger hineinzustecken: ›Nein, das nicht! Das ist gefährlich!‹«. Und diesbezüglich gestand Franziskus, dass ihm »viele Male jenes tuca nen« (»Nichts anfassen!«) in den Sinn kommt, das seine Eltern und Großeltern ihm in jenen Momenten sagten, als da eine Gefahr war«. »Der gute Hirt« also, so der Papst, »versteht es, zu verurteilen, mit Namen und Nachnamen, und deshalb spricht Paulus von denen, die zum Judaisierenden tendieren, und verurteilt sie; er spricht von den Gnostikern und klagt die Gnostiker an: er spricht von den Götzendienern und klagt die Götzendiener an; er spricht von den bezahlten Knechten und klagt die bezahlten Knechte an«.

Um den Sinn der Predigt zu rekapitulieren. erinnerte der Papst als Letztes an seinen Besuch vom 20. Juni in Bozzolo und Barbiana, wo Don Primo Mazzolari und Don Lorenzo Milani ihren Dienst geleistet hatten. »Als ich vorgestern zu den Orten jener beiden tüchtigen italienischen Priester gegangen bin«, erklärte Franziskus, »habe ich in Barbiana gesehen, dass der Pfarrer die Kinder lehrte«. Und jener Pfarrer, Don Milani, »hatte ein Motto, das ein wenig gefährlich war, das Gegenteil von dem, was man zu jener Zeit benutzte: I care«.

»Was heißt das?«, fragte sich Franziskus. Die Antwort war, dass der Prior von Barbiana »damit sagen wollte: ›Für mich ist das wichtig‹«, das heißt: »er lehrte, dass die Dinge ernst genommen werden mussten, entgegen dem Motto, das zu jener Zeit modern war und lautete: ›das interessiert mich nicht‹, gesagt allerdings in einer anderen Sprache, die ich hier jetzt nicht benutzen kann« (der Papst bezog sich dabei auf das »Das ist mir egal, das juckt mich nicht«, was zu den Mottos des faschistischen Regimes gehörte). Und so »lehrte Don Milani die Kinder, voranzugehen. Kümmere dich um dein Leben, und: ›das nicht!‹. Es zu verstehen, anzuklagen, was gegen dein Leben geht«. Während wir, so die Mahnung des Papstes, »viele Male diese Fähigkeit zu verurteilen verlieren und die Schafe mit ein wenig Gutmenschentum voranbringen wollen, das nicht nur naiv, sondern nicht in Ordnung ist. Und Schaden anrichtet. Jenes Gutmenschentum der Kompromisse, um die Bewunderung oder die Liebe der Gläubigen auf sich zu ziehen, indem man sie einfach machen lässt«.

So also lautet der zusammenfassende Abschluss des Papstes: »Der apostolische Eifer des Paulus, leidenschaftlich, voller Eifer: die erste Charakteristik. Ein Mann, der zu unterscheiden versteht, weil er die Verführung kennt und weiß, dass der Teufel verführt: die zweite Charakteristik. Ein Mann mit der Fähigkeit, die Dinge zu verurteilen, die seinen Schafen schaden: die dritte Charakteristik«. Dies verbunden mit der Einladung zum Gebet »für alle Hirten der Kirche, dass der heilige Paulus für sie vor dem Herrn fürspreche«, damit »wir alle diese drei Spuren haben können, um ihm zu dienen«.

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16. Dezember 2019

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