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​Im Zeichen der Brüderlichkeit

Die Seligsprechung der algerischen Märtyrer ist ein Ereignis, dessen Tragweite keineswegs nur religiöser Art ist. Und zwar wegen der Vorbildhaftigkeit dieser Männer- und Frauengestalten, die im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten, dennoch weder das Land verließen, in dem sie entschieden hatten zu leben, noch das Volk, das sie nunmehr als das ihre ansahen. Dadurch ließen sie die im Johannesevangelium überlieferten Worte Jesu wahr werden, denen zufolge es keine größere Liebe gibt, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Dasselbe trifft auch auf Mohammed Bouchikhi zu, den jungen Muslim, der zusammen mit Pierre Claverie, dem Bischof von Oran, zu einer Zeit und in einem Land, das von Schrecken und Gewalt verwüstet wurde, ermordet wurde.

Seit dem Pontifikat Benedikts XVI. findet ein Großteil der Seligsprechungen nicht mehr in Rom statt wie in der Vergangenheit, sondern in den verschiedenen Diözesen, um dem Katholizismus in den verschiedenen Teilen der Welt und folglich auch seinem Pluralismus größere Sichtbarkeit zu verschaffen. Bei der Seligsprechung der algerischen Märtyrer wollte der Papst nicht nur durch den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse als seinen Sonderdelegierten vertreten werden, sondern er verlieh in einer Botschaft auch seiner Überzeugung Ausdruck, dass »dieses Ereignis, das es in eurem Land bisher nie gegeben hat, ein großes Zeichen der Brüderlichkeit an den algerischen Himmel schreiben wird, das für die ganze Welt bestimmt ist«.

In der Tat ist die Brüderlichkeit der Lektüreschlüssel für diese Seligsprechung, die, wie der päpstliche Sonderdelegierte, Kardinal Angelo Becciu, sagte, demonstriert, dass die Kirche »nichts weiter wünscht, als dem algerischen Volk zu dienen, indem sie Liebe gegenüber jedermann demonstriert«. Also eine evangeliumsgemäße Präsenz auf den Spuren derer, die diesen Weg im Lauf der Zeit bereits gegangen sind. Der Logik gemäß, nach der der »universelle Bruder« Charles de Foucauld lebte, dessen großartige Biographie aus der Feder von Pierre Sourisseau just dieser Tage in italienischer Übersetzung erscheint (Effatà-Verlag). Am 1. Dezember 1916, nur wenige Stunden, bevor er mitten in der Wüste ermordet wurde, hinterließ der »Asket der Sahara«, den Montini in einem Text des Jahres 1953 nachzeichnete, in einem Brief ohne es zu ahnen sein Testament. »Man soll nie zögern, dort um eine Stelle anzusuchen, wo die Gefahr, die Mühsal, die Hingabe am größten sind: überlassen wir denen die Ehre, die sie wollen, die Gefahr, die Mühsal hingegen beanspruchen wir stets«, so schrieb er an Louis Massignon, einen Pionier der Freundschaft zwischen Christen und Muslimen, und fasste damit sein eigenes, jenem der algerischen Märtyrer so ähnliches Leben zusammen.

In einer Zeit der Missverständnisse und der Schroffheit ist die von Christen und Muslimen gemeinsam gefeierte Seligsprechung dieser Märtyrer also ein Zeichen für alle. Sie bezeugt die Bereitschaft, in Erwartung des Endes der Geschichte der Menschheit einander zu begegnen und gemeinsam friedlich voranzugehen. Wie es in einem Gebet zu lesen steht, das der muslimische Freund von Bischof Pierre Claverie verfasst hat, der am 1. August 1996 gemeinsam mit diesem ermordet wurde: »Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Ich sage euch: Friede sei mit euch. Ich danke denen, die mein Erinnerungsheft lesen werden. Und sage einem jeden der Menschen, die ich meinem Leben gekannt habe, dass ich ihnen danke. Ich sage, dass sie am Jüngsten Tag dafür belohnt werden. Ich bitte alle, denen ich Böses zugefügt habe, um Verzeihung, ich bitte den um Verzeihung, der mir am Tag des Gerichts vergeben wird, ich bitte jene um Verzeihung, die ein schlimmes Wort aus meinem Munde gehört haben. Ich erinnere mich an das Gute, das ich in meinem Leben getan habe. Möge der Allmächtige Gott gewähren, dass ich ihm unterworfen sei und dass er mir seine Zärtlichkeit gewähren möge.«

g.m.v.

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22. März 2019

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