Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Im Großen wie im Kleinen

· ​Messe in Santa Marta ·

Das Antlitz einer Kirche mit offenen Türen, die auf Gott hört und sich liebevoll dem Dienst für die Würde des Menschen verpflichtet fühlt, indem sie auch im täglichen Einsatz für »kleine Dinge« »große Dinge« tut, kennzeichnete die Betrachtung von Papst Franziskus während der Messe am Morgen des 10. Mai in Santa Marta. Tatsächlich ließ sich der Papst in seiner Predigt nicht nur von der Berufungsgeschichte des heiligen Paulus inspirieren – im Mittelpunkt der ersten Lesung des Tages (Apg 9,1-20) –, sondern auch von der Anwesenheit in der Kapelle von einigen Schwestern der apostolischen Familie des heiligen Giuseppe Cottolengo, die ihren fünfzigsten Jahrestag des Ordenslebens feierten.

Wie der Papst erklärte, sei die Bekehrung des Paulus eine Geschichte, die einen »Wendepunkt, eine neue Seite in der Heilsgeschichte« markiere, so dass sie, wie er betonte, im Neuen Testament mehrmals vorkomme. In der Tat »ist dies ist eine Öffnung der Tür zu den Heiden, zu den Völkern, zu denen, die keine Israeliten waren«. Eine so großartige Nachricht, jene von der »Kirche der Heiden«, dass sie »die Jünger erschütterte«, die »nicht wussten, was zu tun ist, und es musste der Heilige Geist mit starken Zeichen eingreifen«. In diesem Zusammenhang erinnerte Franziskus auch an die Episode der Bekehrung des Hauptmannes Kornelius (Kapitel 10 der Apostelgeschichte). Letztendlich »ist die Bekehrung des Paulus ein bisschen die offene Tür zur Universalität der Kirche«.

Doch wie sollen die Christen diese Kirche der offenen Türen verkörpern? Der Papst arbeitete zwei Merkmale heraus, die sich genau aus der »Seinsweise« des Paulus ergäben. »Wir wissen«, sagte er, »dass Paulus ein starker Mann war, ein Mann, der in das Gesetz, in Gott, in die Reinheit des Gesetzes verliebt war, aber er war ehrlich, er war kohärent«. Auch seine Christenverfolgung vor der Bekehrung sei die Frucht seines »Eifers für die Reinheit des Hauses Gottes, für die Herrlichkeit Gottes« gewesen. Aber er war »ein Mann, der offen für Gott ist«, »offen für die Stimme des Herrn« und für sie fähig, Risiken einzugehen: »Er riskierte, er riskierte, er ging weiter«.

Eine Kohärenz, die um »ein weiteres Merkmal seines Verhaltens« angereichert worden sei: Paulus »war ein fügsamer Mann«, sein »Temperament war dickköpfig «, aber »seine Seele war nicht dickköpfig, sie war offen für die Vorschläge Gottes«. Und so, fuhr Franziskus fort, sei dieser Mann, der sich »voll Eifer« dafür eingesetzt habe, »Christen zu töten und ins Gefängnis zu bringen«, nachdem er die Stimme des Herrn gehört habe, »wie ein Kind« geworden »und ließ sich tragen. Mit kurzen Zügen fasste der Papst dann die Ängste der frühen Zeiten nach der Bekehrung zusammen: Paulus »lässt sich nach Jerusalem bringen, er fastet drei Tage, er wartet darauf, dass der Herr sagt… All diese Überzeugungen, die er hatte, schweigen und warten auf die Stimme des Herrn: ›Was muss ich tun, Herr?‹«. Und er geht, und er geht hin zu der Begegnung in Damaskus, zu der Begegnung dieses anderen fügsamen Mannes, und er lässt sich wie ein Kind im Glauben unterweisen, er lässt sich wie ein Kind taufen«. So fügsam, dass Paulus, selbst als er wieder zu Kräften gekommen sei dennoch in Schweigen verharre: »Er geht nach Arabien, um zu beten, wie lange: das wissen wir nicht, vielleicht Jahre, wir wissen es nicht«. Das also die Charakteristiken des Paulus, die auch den Christen von heute angeboten werden könnten: »Offenheit für die Stimme Gottes und Fügsamkeit«.

Ein Übergang zur Gegenwart, den Papst Franziskus gerade dank der Anwesenheit der Cottolengo-Schwestern illustrierte, an die er sich zunächst direkt wandte: »Danke, dass ihr auf die Stimme Gottes gehört habt, und danke für eure Fügsamkeit. Vielleicht wart ihr nicht immer fügsam… Vielleicht habt ihr über die Oberin geschimpft oder schlecht über eine andere geredet…, aber das sind Dinge des Lebens…« –, um dann nur ihr kostbares Zeugnis der Fügsamkeit gegenüber dem Herrn zu unterstreichen: »Es ist nicht einfach für uns, zu verstehen, was der Cottolengo ist [das von Don Cottolengo in Turin errichtete »Kleine Haus der Göttlichen Vorsehung«, ein Großkrankenhaus, Hospiz, Waisenhaus und Behindertenheim]. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich ihn in den siebziger Jahren besuchte. Ich vergesse das nicht, auch nicht die kleine Schwester, die mich begleitete. Ihr Name war Schwester Felice, ich erinnere mich noch an den Namen. Und sie sagte zu mir, bevor sie eine Tür öffnete: ›Meinen Sie, hässliche Dinge sehen zu können?‹ Und dann, bevor wir in einen anderen Raum gingen: ›Meinen Sie, noch einmal hässliche Dinge sehen zu können?‹ Das ganze Leben dort, unter den Verworfenen, die genau dorthin verfrachtet worden waren«.

Und wieder sagte er, an die Ordensfrauen gewandt: »Beharrlichkeit, ein offenes Herz, um auf die Stimme Gottes zu hören, und Fügsamkeit: ohne das hättet ihr nicht tun können, was ihr getan habt.« Eine Haltung, die »ein Zeichen der Kirche« sei. Und er fügte hinzu: »Ich möchte mich heute in eurer Person bei vielen mutigen Männern und Frauen bedanken, die ihr Leben riskieren, die vorwärts gehen, die auch neue Wege im Leben der Kirche suchen. Sie suchen nach neuen Wegen! ›Aber, Pater, ist das nicht eine Sünde?‹ Nein, das ist keine Sünde! Wir suchen nach neuen Wegen, das wird uns allen gut tun! Vorausgesetzt, es sind die Wege des Herrn. Doch weitergehen: Weiter in der Tiefe des Gebets, in der Tiefe der Fügsamkeit, des Herzens, das für die Stimme Gottes offen ist«. Das sei die Weise, in der »die wahren Veränderungen in der Kirche vorgenommen werden, mit Menschen, die im Kleinen und im Großen zu kämpfen wissen.

In diesem Zusammenhang setzte sich der Papst mit der »Spannung« auseinander, die manchmal »zwischen dem Kleinen und dem Großen« empfunden werde, weshalb es diejenigen gebe, die sagten: »›Nein, ich mache diese kleinen Dinge nicht, ich wurde für große Dinge geboren.‹ Da liegst du falsch«, und im Gegenteil dazu dann diejenigen, die sagten: »›Ah, ich kann keine großen Dinge tun, ich tu das Kleine‹. Du bist kleinmütig«. Das Kleine und das Große dagegen »gehen zusammen« und »ein Christ muss dieses Charisma haben, des Kleinen und des Großen«. Wie »am Grab eines großen Heiligen« zu lesen sei, wo stehe: »Keine Angst haben, große Dinge zu tun, und gleichzeitig die kleinen Dinge berücksichtigen«. Dann wandte er sich an die Schwestern und sagte: »Ihr hättet niemals jeden Tag das tun können, was ihr im Cottolengo getan habt, wenn ihr nicht den Mut gehabt hättet, das Kleine jeden Tages zu hören, die Fügsamkeit und ein offenes Herz für Gott«.

Und er endete: »Ich bitte heute Paulus für uns alle, die wir hier sind, für die eritreischen Priester – und danke für eure pastorale Arbeit in Italien, danke für eure gute Arbeit, es gibt so viele von euren Landsleuten –, für alle, die wir hier sind, um die Gnade der Fügsamkeit gegenüber der Stimme des Herrn und um die Gnade des Herzens, das offen ist für den Herrn; die Gnade, nicht vor den großen Dingen zu erschrecken, vorausgesetzt, dass wir die Zartheit haben, uns um die kleinen Dinge zu kümmern.«

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

23. Oktober 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN