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Identität und Erbe

· ​Messe in Santa Marta ·

Die Identität und das Erbe des Christen sind aus Hoffnung gemacht, der vielleicht »am meisten vergessenen theologalen Tugend« und »der am schwierigsten zu verstehenden«. Papst Franziskus unterstrich dies in der Messe, die am Dienstagmorgen, 23. Oktober, in Santa Marta gefeiert wurde.

Wie üblich ging der Papst von den Lesungen aus (aus dem Brief des heiligen Paulus an die Epheser 2,12-22 und aus dem Evangelium nach Lukas 12,35-38) und machte in seiner Predigt sofort »zwei Worte« aus, »mit denen wir die liturgische Botschaft dieses Tages beschreiben können: Bürgerrecht und Erbe«.

Er setzte sich mit dem Ersteren auseinander und erklärte dann, dass der Apostel in der Lesung »davon zu uns spricht«. Es handle sich, so erklärte er, um »ein Geschenk, das Gott uns allen gegeben hat: er hat uns zu Bürgern gemacht, das heißt: er hat uns Identität gegeben. Er gab uns den Personalausweis«. Schließlich habe der Herr »in Jesus das Gesetz aufgehoben, um alles in sich selbst neu zu erschaffen, um alle zu versöhnen, auch uns, alle … Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet, die wir mit ihm hatten. Er kam und verkündete ›den Frieden: euch«, allen. Und jetzt »›können wir uns einander in einem Geist vorstellen‹; er hat uns ›eins‹ gemacht«. Kurz gesagt, »das ist unser Bürgerrecht: ›Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen‹ in Jesus und in ihm, auch seid ihr ›zusammen erbaut‹, um eine Wohnstätte des Heiligen Geistes zu werden«. Deshalb besteht für Franziskus »unsere Identität darin, vom Herrn geheilt zu sein, in Gemeinschaft gebaut zu sein und den Heiligen Geist im Inneren zu haben. Das ist es, was ein Christ ist. Und die Kraft ist der Geist, der im Inneren ist«. Folglich »gehen wir mit dieser Kraft, mit dieser Sicherheit, mit dieser Festigkeit: wir sind Mitbürger und Gott ist mit uns. Mehr noch, er bringt uns vorwärts, er lässt uns gehen«.

Wohin? Zu dem »anderen Wort«, das der Papst vorschlagen wollte: »dem Erbe. Identität und Erbe. Und das Erbe ist das, was uns Jesus im Evangelium sagt: Das Erbe ist das, was wir auf unserem Weg suchen, was wir am Ende erhalten werden; doch wir müssen es jeden Tag suchen, zu diesem Erbe gehen«. Und all dies sei zusammengefasst, sagte der Papst, in der »großen Tugend der Hoffnung, vielleicht der am meisten vergessenen theologalen Tugend, die vielleicht schwieriger zu verstehen ist«, aber sie sei »jene, die uns auf dem Weg unserer Identität auf zum Erbe führt«. In der Tat wüssten die Christen, »was Glaube ist: es ist leicht zu verstehen, und es ist auch nicht schwer, ihn zu praktizieren. Alle drei – Glaube , Liebe und Hoffnung – sind ein Geschenk. Der Glaube: wir verstehen ihn gut. Die Liebe ist noch leichter zu verstehen: sie bedeutet, Gutes zu tun, mit Gott und mit den anderen. Doch die Hoffnung, was ist das?«, fragte sich Franziskus. Und die Antwort lautete, dass »unser Erbe ein bisschen schwierig zu verstehen ist«. Indem er sich eine Art Dialog vorstellte, klärte er: »›Ja, ja, hoffen: aber hoffen, warten… was ist das? Was hoffst du, du?‹ – ›Ich, ja, ich hoffe auf den Himmel!‹ – ›Aber was ist der Himmel für dich?‹ –›Ja, er ist das Licht, ja, das heißt, allen Heiligen zu begegnen, es ist ein ewiges Glück …‹ aber es ist nicht leicht zu verstehen, was die Hoffnung ist. In der Hoffnung leben heißt gehen, ja, hin zu einem Preis, zu dem Glück, das wir hier nicht haben, aber das wir dort haben werden«.

Doch jenseits der Schwierigkeiten habe die Hoffnung auch andere Charakteristiken, die der Papst aufzählte: zum Beispiel »ist sie eine bescheidene, eine sehr bescheidene Tugend«; und vor allem »ist sie eine Tugend, die niemals enttäuscht: Wenn du hoffst, wirst du nie enttäuscht sein. Niemals, niemals«. Weiter »ist sie auch eine konkrete Tugend«. Aber, so könne ein Einwand lauten, »wie kann sie konkret sein, wenn ich den Himmel nicht kenne oder was mich erwartet?« Und erneut lasse die Antwort keinen Raum für Zweifel: Die Hoffnung sei das Erbe des Christen, also Hoffnung »auf etwas«, nicht auf »eine Vorstellung« oder auf einen schönen Ort«. Sie sei mehr: Sie »ist eine Begegnung«. Dies gehe so weit, dass »Jesus immer diesen Teil der Hoffnung betont, diese Haltung des Wartens«. Wie im heutigen Evangelium, wo sie in der Begegnung »des Herrn« dargestellt werde, »als er vom Fest zurückkehrt«. Oder als Jesus »im Gleichnis von den törichten und klugen Mädchen spricht«: auch in jenem Fall nämlich gehe es um »eine Begegnung mit dem Herrn, der vom Hochzeitsfest zurückkommt, mit dem Bräutigam«. Denn » die Hoffnung ist immer eine Begegnung, eine Begegnung mit dem Herrn. Sie ist konkret«.

Leider aber, so merkte Franziskus an, »wissen wir das viele Male nicht … oder wir machen uns eine seltsame Vorstellung von der Hoffnung… ›Ja, wir werden im Himmel sein, dort … da ist Musik, da sind die die Lieder, ein schönes Fest…‹ – ›Aber wird es langweilig sein?!‹ – ›Nein, nein, nein, aber es wird schön sein…‹: nein. Es bedeutet, dem Herrn zu begegnen. Es ist eine Begegnung«. Und der Papst erklärte vertraulich, dass ihm, wenn er an die Hoffnung denke, ein Bild besonders in den Sinn komme: »die schwangere Frau, die Frau, die auf ein Kind wartet. Sie geht zum Arzt, sie zeigt ihm das Ultraschallbild – ›ah, ja, das Baby… in Ordnung‹ … Nein!« Im Gegenteil, »sie ist voller Freude! Und jeden Tag berührt sie sich ihren Bauch, um dieses Kind zu streicheln, sie wartet auf das Kind, sie lebt in Erwartung dieses Kindes«. Und »dieses Bild kann uns verstehen lassen, was die Hoffnung ist: für diese Begegnung zu leben. Jene Frau stellt sich vor, wie die Augen ihres Kindes aussehen werden, wie das Lächeln sein wird, wie es sein wird, blond oder schwarz … aber sie stellt sich die Begegnung mit ihrem Kind vor. Sie stellt sich die Begegnung mit ihrem Kind vor«. Also, so der Papst erneut, »dieses Bild, diese Gestalt kann uns sehr helfen zu verstehen, was die Hoffnung ist« und »uns zu fragen: ›Hoffe ich so, konkret, oder hoffe ich ein bisschen diffus, ein bisschen gnostisch?‹ Die Hoffnung ist konkret, sie ist alltäglich, weil sie eine Begegnung ist. Und jedes Mal, wenn wir Jesus in der Eucharistie, im Gebet, im Evangelium, in den Armen, im Gemeinschaftsleben begegnen, machen wir einen weiteren Schritt in Richtung dieser endgültigen Begegnung«. Daher der Wunsch, dass die Christen »die Weisheit haben mögen, sich über die kleinen Begegnungen des Lebens mit Jesus zu freuen und so diese endgültige Begegnung vorzubereiten«.

Ein Wunsch, der in den abschließenden Betrachtungen wiederholt wurde, in denen Franziskus rekapitulierend erklärte, dass die Identität das »große Geschenk Gottes« sei, »das aus uns eine Gemeinschaft machte, das uns zu Erben hiervon machte«; und dass das Erbe »jene Kraft ist, mit der der Heilige Geist uns voller Hoffnung voranbringt«. Mit der abschließenden Ermahnung, »heute an diese zwei Worte zu denken: Mein Personalausweis, was ist das für einer? Wie bin ich Christ? Und dann: wie ist meine Hoffnung? Was erwarte ich mir als Erbe?«

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29. Januar 2020

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