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Honigbonbons

· ​Messe in Santa Marta ·

Für den Nächsten beten, auch »für die Person, die ich nicht mag«; keine »Gefühle der Eifersucht und des Neides« nähren; und vor allem das Geschwätz vermeiden, denn der Klatsch sei wie Honigbonbons, »die zwar gut sind«, aber dann ruinieren sie den Magen. Das sind die drei »Zeichen«, auf die Papst Franziskus in der Predigt bei der Messe am Donnerstagmorgen, 10. Januar, in Santa Marta hinwies, um die Fähigkeit einer Person zu unterscheiden, die anderen und folglich Gott zu lieben.

Wie üblich ging der Papst bei seinen Betrachtungen von den Lesungen des Wortgottesdienstes aus und bevorzugte dabei die erste Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Johannes (4,19-5, 4), in der der Verfasser »von der Weltlichkeit spricht, vom Geist der Welt« und sagt: »Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt«. Es sei dies der alltägliche Kampf, »der Kampf gegen die Weltlichkeit, den Geist der Welt«. Denn »der Geist der Welt, der ein Lügner ist, ist ein Geist des Scheins, ohne Konsistenz, er ist nicht wahr«, während »der Geist Gottes wahr ist«. Mehr noch: »Der Geist der Welt«, fuhr er mit stark evokativen Bildern fort, »ist der Geist der Eitelkeit, der Dinge, die keine Stärke haben, die keine Grundlage haben und die fallen werden«. In der Tat könne der Geist der Welt nur »Lügen, Dinge ohne Kraft« bieten.

Dazu führte Franziskus ein Beispiel aus dem Alltag an. »Beim Karneval«, so erinnerte er, »gibt es die Tradition, Crêpes als Süßigkeiten anzubieten: ihr kennt sie alle. Es gibt einige, die im Dialekt ›bugie‹, ›Lügen‹ genannt werden: sie sind rund«, aber »ohne Konsistenz«, »voller Luft«. Und auch »der Geist der Welt ist so: voller Luft. Er nützt nichts. Er wird die Luft ablassen. Doch in der Zwischenzeit kämpft er und täuscht, weil er der Geist der Lüge ist; er ist der Sohn des Vaters der Lüge«. Im Gegenteil dazu »hat der Apostel den Geist Gottes und gibt uns den Weg der Konkretheit des Geistes Gottes«. Im übrigen »ist der Geist Gottes immer konkret: er geht nicht durch die Fantasien, nein. Es ist konkret. Du machst das und tust es. Und das Sprechen und Tun sind im Geist Gottes dasselbe«, kurz gesagt: sie seien dasselbe: »es ist ein Wort, das ›macht‹, und wenn du den Geist Gottes hast, wirst tu machen. Du wirst immer gute Dinge tun«, versicherte der Papst.

Auf dieser Linie aus »Konkretheit«, erklärte der Papst, »sagt Johannes etwas sehr Alltägliches«, vielleicht sogar Offensichtliches, bis zu dem Punkt, »dass das sogar die alte Frau sagen kann, die neben uns lebt«. In der Tat handle es sich um eine »alltägliche« Sache, und sie laute so: »Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht«. Franziskus erklärte: »Wenn du etwas nicht lieben kannst, das du siehst, wie wirst du dann etwas lieben können, das du nicht siehst? Das ist die Phantasie: liebe, was du siehst, was du anfassen kannst, was real ist. Und nicht die Phantasien, die du nicht siehst. ›Oh, ich liebe Gott!‹ – Ja , aber versuche: versuche, ihn in diesem zu lieben. Wenn du unfähig bist, Gott im Konkreten zu lieben, ist es nicht wahr, dass du Gott liebst«. Dies gelte auch, weil »der Geist der Welt ein Geist der Spaltung ist, und wenn er sich in die Familie, in die Gemeinschaft und in die Gesellschaft einmischt, schafft er immer Spaltungen: immer. Und die Spaltungen wachsen und es kommen Hass und Krieg«.

Der Papst kehrte zur ersten Lesung zurück und hob hervor, dass der Apostel noch weiter gehe, wenn er erkläre: »Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner«, das heiße, so betonte Franziskus »ein Kind des Geistes der Welt, der reine Lüge ist, reiner Schein«.

Daher die Aufforderung zur Vertiefung. »Das ist etwas, über das nachzudenken uns gut tun wird«, mahnte der Papst: »Liebe ich Gott? Nun, gehen wir zum Prüfstein und sehen wir, wie du deinen Bruder liebst: mal sehen, wie du ihn liebst«.

Und was können die »Zeichen dafür sein, dass ich meinen Bruder nicht liebe? Wie kann ich merken, dass ich meinen Bruder nicht liebe? Ich lächle, ja… Aber du kannst auf viele Arten lächeln, nicht? Auch im Zirkus lächeln die Clowns, und viele Male weinen sie im Herzen«.

Hier also die Notwendigkeit der Frage »Wie kann ich es verstehen, ob ich meinen Bruder liebe?« Als Antwort darauf entwickelte Franziskus »zwei, drei Dinge, die uns helfen können. Vor allem: bete ich für meinen Bruder? Bete ich für meinen Nächsten? Bete ich für die Person, die mir unangenehm ist und von der ich weiß, dass sie mich nicht mag? Bete ich für diese Person? Erstens: Wenn ich nicht bete, ist das kein gutes Zeichen. Es ist ein Zeichen dafür, dass du nicht liebst. Aber beten auch für den, der mich hasst? Ja, auch für den. Beten auch für den Feind? Ja, für ihn: Jesus hat es ausdrücklich gesagt. Das erste Zeichen, eine Frage, die wir uns alle stellen müssen: Bete ich für die Menschen? Für alle; für konkrete Menschen: für diejenigen, die mir sympathisch sind, und für diejenigen, die ich nicht mag, für diejenigen, die Freunde sind, und diejenigen, die keine Freunde sind? Erstens«. Während das »zweite Zeichen [ist]: wenn ich im Innern Gefühle von Eifersucht, Neid habe, möchte ich ihm das Böse wünschen oder nicht?… das ist ein Zeichen dafür, dass du nicht liebst. Halt dort ein. Lass diese Gefühle nicht wachsen, sie sind gefährlich. Lass sie nicht wachsen«. Schließlich »ist das alltäglichste Zeichen dafür, dass ich den Nächsten nicht liebe und daher nicht sagen kann, dass ich Gott liebe, das Geschwätz«. Mit einer Empfehlung: »Halten wir das gut fest in Herz und Sinn: Wenn ich schwätze, liebe ich Gott nicht, weil ich mit diesem Geschwätz jene Person zerstöre. Das Geschwätz ist wie Honigbonbons, die schon gut sind, eines zieht das andere nach sich und noch ein anderes, und dann ist der Magen mit vielen Bonbons ruiniert… Weil es schön ist, weil es ›süß‹ ist zu schwätzen, es scheint eine schöne Sache zu sein; aber es zerstört. Und das ist das Zeichen dafür, das du nicht liebst«.

Der Papst kam zum Ende seiner Predigt und riet daher: »Ein jeder sehe in sein eigenes Herz. Bete ich für alle, auch für die Unangenehmen und für diejenigen, von denen weiß, dass sie mich nicht mögen? Hege ich Neid, Eifersucht, wünsche ich ihm Böses? Und drittens, das Klarste: Bin ich ein Schwätzer, eine Schwätzerin? Wenn eine Person in ihrem Leben das Schwätzen lässt, würde ich sagen, dass sie Gott sehr nahe ist: sehr nahe. Denn wenn man nicht schwätzt, behütet dies den Nächsten, es behütet Gott im Nächsten«.

Kurz, so unterstrich der Papst von Neuem: »Der Geist der Welt wird mit diesem Geist des Glaubens besiegt: zu glauben, dass Gott in meinem Bruder ist, in meiner Schwester. Der Sieg, der die Welt besiegt hat, ist unser Glaube. Nur mit viel Glauben kann man diesen Weg gehen, nicht mit den Gedanken des gesunden Menschenverstandes… sie reichen nicht, sie helfen, aber sie sind nicht ausreichend für diesen Kampf«. Denn »nur der Glaube gibt uns die Kraft, nicht zu schwätzen, für alle zu beten, auch für die Feinde, und Gefühle von Eifersucht und Neid nicht wachsen und gedeihen zu lassen«.

Definitiv, so Franziskus abschließend, sei es so: »Mit diesem Abschnitt aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Johannes bittet uns der Herr um Konkretheit in der Liebe. Gott lieben: aber wenn du deinen Bruder nicht liebst, kannst du Gott nicht lieben. Und wenn du sagst, du liebst deinen Bruder, ihn in Wahrheit aber nichts liebst, ihn hasst, dann bist du ein Lügner«.

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20. September 2019

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