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Heilige

Noch nie zuvor hat in der Geschichte der Kirche Roms einer ihrer Bischöfe zwei seiner ihm zeitlich so nahestehenden Vorgänger heilig gesprochen wie das jetzt mit der Heiligsprechung von Angelo Giuseppe Roncalli und Karol Wojtyla der Fall ist. Zweifellos waren Johannes XXIII. und Johannes Paul II. in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Protagonisten von zwei Pontifikaten – ersteres kurz, das zweite dagegen sehr lang, bis in den Anfang des neuen Jahrtausends –, deren Bedeutung jetzt schon klar zu erkennen ist, noch bevor die Möglichkeit besteht, diese Zeit aus historischer Perspektive fundiert zu bewerten.

Und doch ist das Empfinden der Gläubigen – aber ebenso die Wahrnehmung von außen, von Fernstehenden – der Anerkennung durch die Kirche zuvorgekommen. Denn sie haben sofort die Außerordentlichkeit dieser beiden, sehr verschiedenen christlichen Persönlichkeiten wahrgenommen. Der eine: verwurzelt im ländlichen Katholizismus des späten 19. Jahrhunderts in der Lombardei, durch die römische Ausbildung in Grenzgebiete gesandt, ein traditioneller und revolutionärer Papst. Der andere: eine reife und neue Frucht eines alten und von den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts gestählten Glaubens, erster nicht-italienischer Bischof von Rom nach fast einem halben Jahrtausend.

Die persönliche Heiligkeit von Roncalli und Wojtyla – bestätigt vom kirchenrechtlichen Procedere, das von Paul VI. bzw. Benedikt XVI. in Gang gesetzt wurde, aber ergänzt von der Entscheidung ihres Nachfolgers Franziskus – hat dennoch eine besondere Bedeutung. Denn das Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils ist es, das ein halbes Jahrhundert nach seinem Abschluss die beiden Heiligsprechungen erleuchtet und vereint. Und vielsagenderweise sind die einzigen Aufnahmen, die Papst Johannes und den jungen Weihbischof von Krakau gemeinsam zeigen, bei einer Audienz für den polnischen Episkopat im Vorfeld des Konzils entstanden.

Ihre Heiligkeit fügt sich demnach in den Kontext des Zweiten Vatikanums ein: Roncalli hatte die Intuition und eröffnete es mit zuversichtlichem Mut, Woityla erlebte es mit großer Leidenschaft als Bischof. Die Geste ihres Nachfolgers Franziskus – der erste Bischof von Rom, der das Konzil mit Überzeugung angenommen hat, ohne selbst daran teilgenommen zu haben – weist somit nicht nur auf die Beispielhaftigkeit dieser beiden Christen hin, die Papst geworden sind, sondern auch auf den gemeinsamen, von ihnen vorgezeichneten Weg der Erneuerung und der Sympathie für die Frauen und Männer unserer Zeit.

Giovanni Maria Vian

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16. Oktober 2018

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