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Gewissenserforschung

· Morgenmesse in Santa Marta am 26. Oktober ·

Es gibt Leute, die meinen, dass die gute Gewohnheit einer täglichen »Gewissenserforschung« eine überwundene Praxis sei, nicht für »Christen von heute«. Doch »der Kampf, den Jesus gegen das Böse geführt hat, ist keine alte Angelegenheit, er ist etwas Modernes«, da er alle Tage in »unserem Herzen« ausgetragen wird. Und die Gewissenserforschung begleitet den Christen bei diesem Kampf und hilft ihm, »für den Heiligen Geist Raum zu schaffen«. So lautet der Rat, den Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 26. Oktober, erteilte. Der Papst kommentierte die Lesungen vom Tag und setzte sich mit dem Thema der Umkehr auseinander: ein »Weg«, der ständigen Kampf und Einsatz erfordert.

Franziskus beschäftigte sich vor allem mit dem Evangelium nach Lukas (12,49-53), in dem »Jesus uns sagt, dass er gekommen sei, um Feuer auf die Erde zu werfen«. Doch dabei handelt es sich um ein Feuer – jenes Feuer, das er »mit seinem Wort, mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung wirft, mit dem Heiligen Geist, den er uns gesandt hat« –, das »nicht die Kriege« verursacht, »die wir auf den Kampfplätzen, auf den Schlachtfeldern sehen, sondern die kulturellen Kriege, die Kriege in der Familie, die gesellschaftlichen Kriege, auch die Kriege des Herzens, den inneren Kampf«. Denn Jesus »ruft uns auf, das Leben zu ändern, den Weg zu ändern, er ruft uns zur Umkehr auf«. Das ist das Feuer, von dem er spricht: »ein Feuer, das dich nicht ruhig lässt, das dich zur Änderung drängt«.

Auch Paulus, der an die Römer schreibt (6,19-23) und sich entschuldigt, »weil er nach Menschenweise redet«, erklärt, »dass sie sich in allem ändern müssen, dass sie die Denkweise ändern müssen. ›Früher dachtest du wie ein Heide, wie ein Weltlicher, jetzt musst du wie ein Christ denken‹«. Das Herz, »das weltlich, heidnisch war«, so der Papst, »wird jetzt mit der Kraft Christi christlich: ändern, das ist die Umkehr«. Eine Änderung, die »die Weise des Handelns« einbezieht: »Deine Werke müssen sich ändern.« Um sich besser zu erklären, schreibt der Apostel: »Wie ihr eure Glieder in den Dienst der Sünde gestellt habt, so stellt jetzt eure Glieder in den Dienst des Herrn.«

Somit »schließt die Umkehr alles ein, Leib und Seele«. Und es ist dies eine Änderung, die nicht »mit einem Trick« zustande kommt: es ist eine Veränderung, die »der Heilige Geist« wirkt. Gewiss, »ich muss das Meine dazutun, damit der Heilige Geist wirken kann«, und gerade das ist der Kampf, von dem Jesus spricht. Deshalb unterstrich der Papst, dass »es keine ruhigen Christen gibt, die nicht kämpfen: das sind keine Christen, das sind die ›Lauen‹, und Jesus hat im Buch der Offenbarung des Johannes gesagt, was er mit den Lauen tun wird. Das christliche Leben ist ein Kampf«. Es ist dies ein Begriff, der sich auch im Alten Testament vorfindet, wo »die Weisheitsschriften sagten: ›des Menschen Leben auf der Erde ist Kriegsdienst‹, das christliche Leben ist ein Kampf, ein Kampf, der dir keine Ruhe schenkt, sondern Frieden«. Dazu erklärte Franziskus, dass »wir zu unterscheiden lernen müssen«: die Ruhe nämlich »kannst du auch mit einer Tablette finden«, wie jene Tablette gegen die Schlaflosigkeit. Dagegen »gibt es keine Tabletten für den Frieden. Allein der Heilige Geist kann jenen schenken, und dieser Kampf, dieser Kampf führt zu jenem inneren Frieden, zum Seelenfrieden, der den Christen Kraft schenkt«.

Diesen inneren Kampf bezeugten »viele Märtyrer in der Geschichte der Kirche«, viele Männer und Frauen, die bis zu dem Punkt gekommen sind, »ihr Leben hinzugeben«, viele »stille Christen, viele Männer, Familienväter, viele Frauen, Familienmütter, die ihr Leben in Stille voranbringen, die Kinder erziehen, mit der Arbeit weitermachen und versuchen, den Willen Gottes zu tun«.

Doch, so fragte sich der Papst, »wie helfen wir dem Heiligen Geist?«. Indem wir »in unserem Herzen Platz schaffen«. Daher also der praktische Rat des Papstes: die Nützlichkeit der »Gewissenserforschung«. Am Ende eines jeden Tages muss man sich fragen: »Was ist in meinem Herzen heute vorgegangen? Was habe ich gespürt? Was habe ich getan? Was habe ich gedacht? Meine Empfindungen gegenüber den Nächsten, der Familie, der Freunde, der Feinde: was habe ich gespürt, ist diese Empfindung christlich oder nicht? Und so vorangehen.« Und weiter: »Von was habe ich geredet, wie schaute es um meine Rede heute aus? Habe ich gut oder schlecht über die anderen gesprochen?« Es handelt sich um eine Praxis, »die uns hilft, Platz zu schaffen, die uns hilft, gegen die Krankheiten des Geistes zu kämpfen, gegen jene Krankheiten, die der Feind aussät und die Krankheiten der Weltlichkeit sind«.

Jemand aber könnte einwenden: »Aber Pater, das ist altes Zeug, wir sind jetzt modern, wir sind Christen von heute«. Die Antwort ist unmittelbar: »Nun, denk mal: der Kampf, den Jesus gegen den Teufel geführt hat, gegen das Böse, ist kein antiker Kampf, er ist etwas sehr Modernes, etwas von heute, etwas aller Tage«. Und es ist ein Krieg, der »in unserem Herzen geführt wird, jenes Feuer, das zu bringen Jesus gekommen ist, ist in unserem Herzen«. Somit »lasse ich ihn eintreten, lasse ich es zu, dass er mich berührt und mich ändert«.

Daraus ist zu verstehen, erklärte der Papst, dass die Umkehr keine einmalig gefasste Entscheidung ist – »vorher war ich Heide, jetzt bin ich Christ« –, sondern sie besteht darin, »sich zu fragen: Wie bin ich von der Weltlichkeit, von der Sünde zur Gnade übergegangen? Habe ich dem Heiligen Geist Platz gemacht, damit er wirken kann?«. Im Bewusstsein, dass »die Schwierigkeiten unseres Lebens nicht dadurch gelöst werden, dass man die Wahrheit verwässert«. Daher die Frage: angesichts der Wahrheit Jesu, der Feuer und Kampf gebracht hat – was mache ich?«.

An diesem Punkt angelangt gab Franziskus einen weiteren praktischen Rat, den er dem Tagesgebet entnahm, in dem um »die Gnade eines großmütigen und treuen Herzens« gebetet wird. Und er erklärte: »Für die Umkehr braucht es beides: Großherzigkeit, die immer der Liebe entstammt, und Treue, Treue zum Wort Gottes«. Das Gebet fährt fort: »So können wir dir aufrichtig dienen.« Es ist also notwendig, »aufrecht vor Gott zu sein, transparent, die Wahrheit zu sagen. Und das Herz des Herrn«, so der Papst abschließend, »ist so gut, so groß, dass es angesichts eines aufrechten Menschen, ich würde sagen, ›schwach wird‹, das heißt mehr liebt, näher kommt und das Wunder der Umkehr wirkt«.

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11. Dezember 2019

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