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​Gegen das Gift der üblen Nachrede

· ​Messe in Santa Marta ·

Das Volk wird seit jeher, und zwar bis heute, durch die Technik der »falschen, fiktiven« Einheit dazu gebracht, Staatsstreiche zu machen, die Gerechten zu verurteilen – angefangen bei Jesus –, aber auch dazu, das Leben in den christlichen Gemeinden zu zerstören, indem man Leute mit Hilfe von Klatsch beiseite schafft. Vor dieser »mörderischen Haltung« warnte Papst Franziskus bei der Messe am Donnerstag, 17. Mai, in Santa Marta. Der Papst stellte dagegen das Wesen der wahren Einheit vor, wie sie Christus selbst in seinem Gebet zum Vater bezeugt, denn »alle sollen eins sein«.

Gerade »in der heutigen Liturgie«, so der Papst, »können wir zwei Wege sehen, zwei Gewichtungen, zwei Maße, um zur Einheit zu gelangen«. Es handle sich um »zwei Arten von Einheit«. Und »die erste«, erklärte Franziskus ausgehend vom Abschnitt aus dem Johannesevangelium (17,20-26), sei jene, für die »Jesus für uns zum Vater betet, ›alle sollen eins sein‹, eins, ›wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt‹«.

Es sei dies also »die Einheit, zu der uns Jesus bringt«, bekräftigte der Papst, »die Einheit im Vater, wie er mit dem Vater ist«. Dies sei »eine konstruktive Einheit, eine Einheit, die nach oben geht, immer; es ist dies eine einbeziehende Einheit, die die eine Kirche schafft«. Und »der heilige Geist bringt uns immer zu dieser Einheit; einer Einheit des Heils, denn Jesus will uns alle retten und bringt uns zu dieser Einheit«.

Dies sei auch »eine Einheit, die nicht endet: sie wird zur Ewigkeit führen, das heißt: sie hat weite Horizonte«. Und »so wächst die Einheit, und wenn wir im Leben, in der Kirche oder in der Zivilgesellschaft für die Einheit arbeiten, dann sind wir auf diesem Weg«. In dem Bewusstsein, dass »ein jeder Mensch, der für die Einheit arbeitet, auf dem Weg ist, den Jesus abgesteckt hat«. Gerade »das ist die große Einheit«, fügte der Papst hinzu, »jene Einheit, die uns den Vater offenbart und die uns den wahren Kern der Offenbarung sehen lässt, die Jesus uns gebracht hat«.

»Doch es gibt da noch eine andere Art von Einheit, die ich ›falsche, fiktive‹ oder konjunkturelle Einheit nennen würde: jene Einheit der Ankläger des Paulus in der ersten Lesung«, erklärte der Papst und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus der Apostelgeschichte (22,30; 23,6-11). Diese Ankläger nämlich »treten wie ein einziger Block auf, um Paulus anzuklagen: ›Er ist gegen das Gesetz, er ist gegen das, er ist ein Gotteslästerer‹«.

Seinerseits »sieht der römische Oberst diese Leute und sagt: ›Nun, das ist das ganze Volk, es ist vereint‹«. Doch »Paulus, der schlau war – denn der Heilige Geist erlaubt es uns auch, menschlich schlau zu sein: er fordert das von uns – und wusste, dass jene Einheit falsch und fiktiv war, dass sie nur konjunkturell war, wirft den Stein der Spaltung«. In der Apostelgeschichte nämlich stehe zu lesen: »Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht«. Und »das ist der Stein, den Paulus gegen diese falsche Einheit wirft, die ihn anklagt«.

Der Text »fährt fort: ›Als er das sagte, brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus und die Versammlung spaltete sich‹. Die Einheit löste sich auf, sie diskutierten untereinander. Vorher redeten sie gegen Paulus, um ihn anzuklagen und zum Tod zu verurteilen, doch mit jenem Satz zerstört Paulus diese Einheit, weil sie fiktiv war, weil sie keinen Bestand hatte: ›Es brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus und die Versammlung spaltete sich. Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder Auferstehung noch Engel noch Geist, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu alldem‹«. Also: »Mit der menschlichen Weisheit, die er hatte, und mit der Weisheit des Heiligen Geistes gelang es Paulus, diesen Block der Einheit zu zerstören«.

Im Übrigen, fuhr der Papst fort, »haben wir bei den Verfolgungen des Paulus, zum Beispiel in Jerusalem, dasselbe gesehen«. Denn »der Text der Apostelgeschichte sagt, dass alle, die sich versammelt hatten, gegen Paulus schrien, doch keiner wusste was, keiner hörte auf den anderen, sie wussten nicht, was sie schrien: sie waren zusammengerufen worden, um Lärm zu machen, eine Einheit zu schaffen, die Lärm war«. Und »dasselbe«, so Franziskus, sei zum Beispiel »mit den Kunsthandwerkern beim Bild der Artemis der Epheser in Ephesus geschehen, als, so der Text, keiner den Grund kannte, warum sie brüllten», wie die Apostelgeschichte im Kapitel neunzehn berichte. Praktisch sei es so, dass »das Volk zur anonymen Masse wird: es wird eine anonyme Einheit geschaffen, und die Verantwortlichen sagen: ›du musst gegen das anbrüllen›, und sie brüllen«. Auch wenn »sie dann nicht wissen, warum sie schreien, oder was sie wollen«.

»Diese Instrumentalisierung des Volkes ist zugleich auch eine Verachtung des Volkes, denn so lässt du es vom Volk zur Masse werden«, so Franziskus, der darauf aufmerksam machte: »Es ist dies ein Element, das sich viele Male wiederholt, von den ersten Zeiten bis jetzt. Denken wir darüber nach: am Palmsonntag rufen alle jubelnd: ›Gepriesen seist du, der du kommst im Namen des Herrn‹«, doch »am Freitag darauf schreien dieselben Leute: ›Ans Kreuz mit ihm‹«. Die Antwort sei, dass sie sie einer Gehirnwäsche unterzogen hätten, und so hätten sie die Dinge geändert: praktisch »haben sie das Volk in eine zerstörerische Masse verwandelt«. Mehr noch: »Denken wir an Stephanus: Sie suchen sofort zwei falsche Zeugen, und so gehen die Leute hin, um Stephanus zu steinigen«. Und »im Alten Testament: Denken wir an dieselbe Technik«, wie sie »die Königin Isebel mit Nabot umsetzt«, wie das erste Buch der Könige berichte. Es sei »immer dasselbe: es werden finstere, ›vernebelte‹ Umstände geschaffen, um einen Menschen zu verurteilen«. Ja, »dann endet jene konstruierte Einheit damit, sich aufzulösen«, in der Zwischenzeit aber »ist der Mensch verurteilt worden«.

»Auch heute wird diese Methode viel gebraucht«, warnte der Papst: »Zum Beispiel im gesellschaftlichen Leben, im politischen Leben, wenn man einen Staatsstreich durchführen will, fangen die Medien an, schlecht von den Leuten, von den Verantwortlichen zu reden, und durch Verleumdung, durch Diffamation beschmutzen sie sie. Dann ist die Justiz an der Reihe, sie werden verurteilt, und am Ende kommt es zum Staatsstreich. Es ist dies eines der ungehörigsten Systeme«. Doch gerade »mit dieser Methode«, klärte Franziskus, »wird Paulus verfolgt« und »wurden Jesus, Stephanus und dann viele Märtyrer verfolgt«. Gewiss, fügte der Papst hinzu, schließlich seien es »die Leute, die in den Zirkus gingen und schrien, um zu sehen, wie da der Kampf zwischen den Märtyrern und den wilden Tieren oder den Gladiatoren stattfand, doch immer ist das Glied der Kette, das zur Verurteilung oder zu einem anderen Interesse nach der Verurteilung dient, dieses Umfeld einer fiktiven, einer falschen Einheit«.

Der Papst erinnerte aber daran, dass »in geringerem Ausmaß« all dies auch »in unseren Pfarrgemeinden geschieht, wenn zum Beispiel zwei oder drei anfangen, einen anderen zu kritisieren, und sie anfangen, schlecht über den da zu reden, und sie eine falsche, fiktive Einheit bilden, um ihn zu verurteilen«. Gemeinsam »fühlen sie sich sicher und verurteilen ihn: sie verurteilen ihn im Geist, als Haltung; dann trennen sie sich und reden schlecht übereinander, einer gegen den anderen, da sie gespalten sind«. Aus diesem Grund, unterstrich Franziskus, »ist der Klatsch eine mörderische Haltung, weil er tötet, weil er die Leute umbringt, weil er den ›Ruf‹ der Leute tötet«. Und »der Klatsch ist dasselbe, was diese da mit Paulus anstellten, dasselbe, was gegen Jesus eingesetzt wurde: um ihn in Misskredit zu bringen« und dann aus dem Weg zu schaffen.

»Denken wir an die große Berufung, die an uns ergangen ist: die Einheit mit Jesus, mit dem Vater«, bat der Papst. Und »auf diesem Weg müssen wir gehen, Männer und Frauen, die sich vereinen und immer danach trachten, auf dem Weg der Einheit voranzugehen«. Doch »nicht die falschen, fiktiven Einheiten, die der Substanz entbehren und die nur dazu dienen, einen Schritt weiter zu gehen und die Leute zu verurteilen und Interessen voranzubringen, die nicht die unseren sind: Die Interessen des Fürsten dieser Welt, der die Zerstörung ist«. Franziskus beendete seine Predigt mit dem Gebet, »der Herr schenke uns die Gnade, immer auf dem Weg der wahren Einheit zu gehen«.

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15. Dezember 2019

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