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Geduld ist das Gegenteil von Resignation

· ​Messe in Santa Marta ·

»Unsere verfolgten Brüder und Schwestern im Nahen Osten, die weggejagt werden, weil sie Christen sind – und ihnen liegt daran, Christen zu sein – sind ›in die Geduld eingetreten‹ wie der Herr im Augenblick seiner Passion«: mit diesem Gedanken an alle, die am eigenen Leib das Drama der Verfolgung erleben, feierte der Papst am Montag, den 12. Februar, die Messe in Santa Marta. Ein Gedanke, der von einem sehr praktischen geistlichen Rat begleitet wurde: »die volle Freude« zu leben. Denn wenn man der Ungeduld nachgebe und die Stimme erhebe, dann müsse man sich die »Geduld« ins Gedächtnis zu rufen, »die Gott mit uns hat«; oder an »jene Eltern« zu denken, «die behinderte oder kranke Kinder mit einer Geduld annehmen«, die genau das Gegenteil von »Resignation« sei.

»Der Apostel Jakobus sagt uns, dass ›wir es voll Freude‹ aufnehmen sollen, wenn wir alle Arten von Prüfungen erleiden«, merkte der Papst sofort an und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem Jakobusbrief (1,11): »Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt. Fehlt es aber einem von euch an Weisheit – und man versteht: auch an Geduld –, dann soll er sie von Gott erbitten«.

Für Jakobus, so der Papst, stelle sich die »volle Freude« ein, »wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet«. Und »der Apostel wiederholt die letzte der Seligpreisungen im Verzeichnis des Matthäus: ›Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen‹. Selig. ›Selig seid ihr‹«. Somit »›ist es eine volle Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet‹, in dem Wissen, dass jener Glaube in der Prüfung Geduld bewirkt«.

»Es ist nicht leicht zu verstehen«, gab der Papst zu, »was die Geduld ist, was Geduldigsein im Leben ist, was es bedeutet, angesichts der Prüfungen geduldig zu sein: wir können sagen, dass die Geduld nicht die Haltung der Unterlegenen ist, die christliche Geduld schlägt nicht den Weg der Niederlage ein, sie ist etwas anderes«. Deshalb, so erklärte Franziskus, »begehen jene, die denken, dass Geduld zu haben bedeute, im Leben eine Niederlage zu erleiden, einen Fehler, und statt Geduld zu haben resignieren sie«. Und sie sagten vielleicht: »in der Lotterie des Lebens habe ich das bekommen und ich bringe es voran«. Doch »das ist keine Geduld, das ist Resignation«, unterstrich der Papst erneut. Und »der Apostel spricht nicht von Resignation, er spricht von Geduld«.

»Die Geduld ist eine Tugend der Menschen, die unterwegs sind, nicht derer, die verschlossen sind und stehen bleiben«, merkte der Papst an. Und »wenn man unterwegs ist, dann geschehen viele Dinge, die nicht immer gut sind: über die Geduld als Tugend unterwegs sagt mir viel die Haltung der Eltern, wenn ein krankes oder behindertes Kind kommt, so geboren wird«, und sie sagten: »›Gott sei Dank, dass es lebt!‹: das sind die Geduldigen«. Und »das ganze Leben lang tragen sie dieses Kind voll Liebe, bis zum Ende: es ist nicht leicht, viele Jahre über ein behindertes, ein krankes Kind voranzubringen; doch die Freude, jenes Kind zu haben, gibt ihnen die Kraft, weiterzugehen. Und das ist die Geduld, keine Resignation: das ist die Tugend, die sich einstellt, wenn einer unterwegs ist«.

»In seiner Etymologie«, erklärte Franziskus, »bedeutet das Wort ›auf sich tragen‹, ›auf seinen Schultern tragen‹«. Eine Haltung, die »ermüdet, das ist wahr: doch der Geduldige trägt auf sich, er lässt das Problem nicht beiseite, er verlässt die Grenze nicht, er lässt das Leiden nicht beiseite, er trägt es auf sich« und er tue dies auch »mit Freude, ›voller Freude‹, sagt der Apostel«.

Geduld also »bedeutet ›aufnehmen‹ und es nicht einem anderen zu überlassen, dass er das Problem auf sich nimmt, dass er die Schwierigkeit auf sich nimmt: ›Ich nehme das auf mich, das ist meine Schwierigkeit, das ist mein Problem. Lässt es mich leiden? Klar, gewiss! Aber ich nehme es auf mich‹«. Geduld sei daher »auf sich nehmen«.

Und »Geduld ist auch«, fuhr der Papst in seiner Betrachtung fort, »die Weisheit, es zu verstehen, mit der Begrenztheit in einen Dialog zu treten: im Leben gibt es viele Grenzen, doch der Ungeduldige will sie nicht, er ignoriert sie, weil er es nicht versteht, mit den Grenzen in einen Dialog zu treten«. Vielleicht »ist da so manche Einbildung von Allmacht oder Faulheit, wir wissen es nicht«. Dagegen »weiß der Geduldige, mit den Grenzen in einen Dialog zu treten: die Geduld ist eine Seligpreisung, sie ist die Tugend derer, die unterwegs sind, nicht die Tugend jener, die stillstehen oder verschlossen sind; Geduld ist ertragen, sich die unangenehmen Dinge des Lebens aufzubürden, auch die Prüfungen; sie ist die Fähigkeit, mit den Grenzen in einen Dialog zu treten«.

»Die Geduld ist kein Rat, den der Apostel uns Christen gibt«, so der Papst weiter. »Wenn wir auf die Heilsgeschichte blicken«, erklärte er, »können wir die Geduld Gottes, Gottvaters sehen, unseres Vaters; wie viel Geduld mit diesem dickköpfigen Volk, mit diesem Volk, das es nicht verstand, die guten Dinge zu erkennen, und das sich langweilte, Gott vergaß und ein Götzenbild schuf und von einer Seite auf die andere ging«. Doch »der Herr führte sie geduldig, er brachte sie voran«. Und »wir können auch«, so Franziskus erneut, »einen Vergleich mit der Geduld anstellen, die Gott mit mir hat, mit einem jeden von uns: die Geduld Gottes, indem er uns begleitet und unsere Zeiten abwartet«.

»Es wird uns gut tun, daran zu denken, dass wir einen Vater haben, der mit uns geduldig ist«, empfahl der Papst. Und »dann sendet dieser Gott am Schluss seinen Sohn, um ›in die Geduld einzutreten‹, vor allem in der Passion«. In seinem Evangelium »sagt Lukas, dass der Herr entschlossen nach Jerusalem ging: die Entscheidung, die Sendung zu übernehmen, ›er trat in Geduld ein‹: er litt«. Gewiss, gestand Franziskus, »ist es nicht leicht, »in die Geduld einzutreten‹. Und hier denke ich an unsere verfolgten Brüder und Schwestern im Nahen Osten, die weggejagt werden, weil sie Christen sind, und ihnen liegt viel daran, Christen zu sein: sie sind ›in die Geduld eingetreten‹, wie der Herr ›in die Geduld eingetreten‹ ist«.

»Mit diesen Vorstellungen«, so der Papst abschließend, »können wir vielleicht heute für unser Volk beten: ›Herr, schenke deinem Volk Geduld, um die Prüfungen anzunehmen‹«. Und »auch für uns beten: viele Male sind wir ungeduldig: wenn etwas nicht geht, dann schimpfen wir«. Hier aber empfahl Franziskus: »Na, halt ein wenig ein, denke an die Geduld Gottes, des Vaters, ›trete in die Geduld ein‹ wie Jesus«. Daher sei es notwendig, den Herrn um die Geduld zu bitten, die »eine schöne Tugend ist«.

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19. September 2018

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